Häferlkaffee


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Ein bißchen Vietnam in Berlin

Vor ein paar Wochen haben wir in Berlin-Lichtenberg das Dong-Xuan Center erkundet. Der Großhandelsmarkt, den ein ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter kurz nach der Wende gegründet hat, ist heute ein Treffpunkt der vietnamesischen Community. Benannt ist er nach dem gleichnamigen Markt in Hanoi. Als wir an einem Sonntag dort waren, herrschte reger Verkehr am Eingangstor, an dem man sich sogleich nach Vietnam versetzt fühlt. Die fünf Lagerhallen, in denen sich Geschäfte mit allerlei Plastikramsch, billigen Elektrogeräten und Klamotten, vietnamesische Frisöre, Nagel- und Tatoostudios aneinanderreihen, sind zwar nicht besonder schön. Aber uns zog es sowieso eher in die hervorragend sortierten asiatischen Lebensmittelgeschäfte und dann vor allem in eines der zahlreichen Restaurants, in dem wir verschiedene Suppen schlürften – so gut wie seit Vietnam nicht mehr! Daher waren wir beim nächsten Berlinaufenthalt gleich nochmal da und haben in einem anderen Lokal eine weitere gute, wenn auch nicht ganz so köstliche Pho genossen. Außerdem nahmen wir uns ein paar der Banh Bao, leckere Hefeknödel mit einer herzhaften Füllung aus Hackfleisch und Ei, mit nachhause. Ganz einfach zuzubereiten – nur kurz im Wasserdampf dünsten – und gleich schwelgten wir wieder in Erinnerungen! Jetzt gilt es natürlich, noch alle anderen Restaurants des Centers durchzukosten und die beste Pho der Stadt zu küren! Wer macht mit?

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Pho Kochen

Zurück aus Vietnam konnte ich mir kaum vorstellen, jemals wieder etwas anderes als die gute bekömmliche Nudelsuppe zu essen. Daher mußte ich unbedingt ausprobieren, selbst eine Pho Ga, eine Nudelsuppe mit Huhn, zu kochen – und stand des ganzen Tag in der Küche, denn Pho zu kochen ist eine langwierige Angelegenheit. Ein ganzes Hähnchen wird in Wasser gekocht, nebenbei werden die Reisnudeln eingeweicht, Ingwer und Schalotten werden auf der Herdplatte (aus Ermangelung einer Herdflamme…) angeschmort. Wenn das Hähnchen gar ist, das Fleisch ablösen, Karkasse zurück in den Topf geben und mit dem Ingwer und den Schalotten weiterköcheln lassen. Nach einer weiteren Ewigkeit konnten endlich die Reisnudeln gekocht und der Kräuterteller zurechtgemacht werden. Die Brühe mußte jedoch noch gesiebt und mit Fischsauce, Salz und Zucker abgeschmeckt ein weiteres Mal aufgekocht werden, ehe sie endlich mit Hähnerbrustscheiben, Frühlingszwiebelringen und natürlich Nudeln in der Schüssel landete. Durch das Hinzufügen der frischen Kräuter wird die Suppe im Laufe des Essens immer würziger. Sehr gelungen, auch wenn ich das sicher nicht jeden Tag machen werde. Zum Nachtisch gab es dann noch einen aus Vietnam mitgebrachten Wieselkaffee, natürlich auf süßer Kondenzmilch ;-)

Hier übrigens das Rezept, nach dem ich gekocht habe.


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Eis Südostasiens

Was wäre ein Reisebericht aus fernen Ländern ohne einen Post zum dortigen Eis ;-) Am besten schmeckte mir das kleine Schokoladeneis am Stiel im Bankong-Tempel in Angkor – der Eisverkäufer mit seiner Fahrrad-Gelateria tauchte aber auch genau im richtigen Moment auf, als wir vor Hitze schon beinahe umgekommen wären. In Vietnam gab es dann wegen des kühlen Wetters erstmal eine Eispause, bis wir in Hoi An das nächste Eis – Kem auf Vietnamesisch – aus einer Fahrrad-Kühltruhe probierten…und diesmal war es ein Reinfall. Das eine Eis war lila (damals wußten wir noch nicht, daß es Taro-Eis war), das andere cremefarben, roch und schmeckte grauenvoll und landete sofort im Müll. Bei der französischen Eiskette Fanny in Ho Chi Minh City, die Eis aus 100% natürlichen Zutaten herstellt, fanden wir heraus, daß es sich um Durian-Eis gehandelt hatte. Das übrige Eis war schon gut, wenn auch sündhaft teuer, fast wie in den heimischen Edeleisdielen – schräg war nur, daß die vielen Eissorten in der großen Eistruhe im Verkaufsraum nur zum Anschauen waren. Beim etwas lokaler anmutenden Eissalon Bach Dang ein paar Ecken weiter konnten wir dann alle vietnamesichen Eisspezialitäten probieren: Durian, Taro, Pandanus und eine vierte Sorte, die ich schonwieder vergessen habe. Gutes Eis gab es überraschend auch in Mui Ne (überhaupt das beste, was man dort in der kulinarischen Einöde zu essen bekam), bei Bellany, wo ich unter anderem Schwarzes Sesam- und Salziges Erdnußeis probierte. Schleckerlecker!


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Kulinarisches Vietnam

Das mit Abstand Allerbeste an Vietnam war das Essen: leicht und bekömmlich und mit vielen frischen Kräutern. An jeder Ecke gab es kleine Straßenlokale, die nur aus ein paar niedrigen Plastiktischen und -stühlen und einer mobilen Küche bestanden und meist nur eine Spezialität anboten. Besonders gut schmeckte mir die Pho, die traditionelle Nudelsuppe (die eigentlich vor allem zum Frühstück gegessen wird, aber ich bevorzugte sie dann doch als Mittagessen) aus einer klaren Fleischbrühe mit mal dickeren, mal dünneren Reisnudeln, Frühlingszwiebeln und je nach Spezialität des Koches hauchdünnem Hühner- oder Rindfleisch, Garnelen oder Fleischbällchen. Roh kommen am Tisch noch frische Mungobohnensprossen, allerhand Kräuter und je nach Belieben Chili und Limettensaft hinein. So wird die Suppe beim Essen immer würziger. Ein kulinarisches Highlight der Reise war Hoi An: Nachdem wir uns für keines der überteuerten Touri-Lokale im Zentrum hatten erwärmen können, trafen wir in der Nähe unserer Pension auf eine Reihe von Lokalen am Flußufer, die nur von Einheimischen besucht wurden. Hier gab es Hen Tron, angemachte Mini-Muscheln, die auf knusprigem Reispapier gegessen werden – unwiderstehlich! Außerdem kosteten wir eine weitere Spezialität: Cao Lau, ein Gericht aus dicken Reisnudeln, die nur in Hoi An hergestellt werden. Als Vorspeise gab es zum Bier eine in Bananenblatt gekochte Mortadella. In Ho Chi Minh City gab es dann zum Abendessen Hot Pot mit Fisch oder Meeresfrüchten. Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Brühe, die am Tisch mit allerhand Gemüse, Kräutern und eben Fisch, Fleisch oder wasauchimmer gekocht wird. Dazu gibt es Reisnudeln. In Ho Chi Minh City reihte sich in einer Straße ein hippes Hot Pot-Lokal an das nächste… Unser liebster Snack unterwegs war Banh Bao, ein Hefeknödel, der mit würzigem Schweinehack und Wachteleiern gefüllt war – genau die richtige Mischung aus leicht süßem Teig und herzhafter Füllung. Außerdem probierten wir zwischendurch gegrillte und frittierte Bananen und unglaublich aromatisches frisches Obst. Nur an Durian, die Stinkfrucht, die ihrem Namen alle Ehre macht, aber als Delikatesse gilt, trauten wir uns nicht heran. Das Essen war insgesamt so lecker und bekömmlich, daß ich Wochen brauchte, um mich wieder einigermaßen an die schwere österreichische Küche zu gewöhnen.

Und dann war da noch der Kaffee!!! Vietnam ist eine Nation der Kaffeetrinker. Überall gibt es kleine Cafés oder Straßenlokale, die Ca Phe zubereiten, und selbst Mopeds können zum wandelnden Barista werden. Der vietnamesische Kaffee wird in Butter geröstet, wodurch er ein karamelliges Aroma bekommt. Durch einen Filter tropft er auf zähe, süße Kondensmilch, und dann heißt es rühren, rühren, rühren. Ich konnte nicht genug bekommen ;-)

 


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Unterwegs in Vietnam

Irgendwie hatten wir total unterschätzt, wie riesig Vietnam ist, wie überfüllt die Straßen, und wie lange man dementsprechend von einer Etappe zur nächsten braucht. Für die erste Strecke von Hanoi nach Hue hatten wir uns den Nachtzug ausgesucht, den alle Reiseführer und Reiseforen im Internet als das mit Abstand komfortabelste Fortbewegungsmittel anpreisen, vor allem für etwas größere Menschen. Keine Ahnung, was für einem Nachtzug diese Menschen meinten, aber sicher nicht unseren: Der Zug war dreckig – saubere Bettwäsche Fehlanzeige (selten war ich so froh über meinen Schlafsack!), eine Toilette, die ich nicht noch einmal betreten wollte, und Passagiere, die ihren Müll einfach auf den Fußboden warfen (wo ihn der Schaffner immerhin alle paar Minuten aufkehrte) -, statt eines Badezimmers gab es zwei offene Waschbecken auf dem Gang, zudem war unser Sechserabteil hoffnungslos überbelegt. Eine vietnamesische Großfamilie quetschte sich zu mehreren in zwei Betten, während sie ihr Gepäck auf ein drittes Bett unter der Decke legten. Und dann, kaum war Ruhe im Abteil eingekehrt und das Licht gelöscht, öffnete der Schlafwagenschaffner die Tür, begann das Gepäck von dem Bett auf den Boden zu stellen und wies einem Pärchen, das zuvor auf dem Gang rumgelungert hatte, sich zu zweit in das nun freie Bett zu legen! Ein Wunder, daß ich überhaupt eingeschlafen bin, bei der Sorge, am nächsten Morgen nicht alleine in meinem Bett aufzuwachen… Morgens wachten wir jedenfalls früh auf. Da man die Betten nicht hochklappen konnte und folglich die ganze Fahrt, auch bei Tag, im Liegen hätte zubringen müssen, stellten wir uns auf den Gang und betrachteten die vorbeiziehende Landschaft aus überfluteten Reisfeldern. Die nächste kurze Etappe von Hue nach Hoi An legten wir dann mit einem privaten Fahrer zurück. Das ist überhaupt die beste Alternative für kürzere Strecken, auch wenn die Fahrer immer recht ungeduldig waren und nur ungern auf uns langsame Besichtiger warten wollten – ein Riesenunterschied zu Kambodscha, wo Zeit keine Rolle zu spielen schien. Als die nächste längere Strecke anstand von Hoi An nach Mui Ne, hatten wir die Wahl zwischen weiteren 17 Stunden im Nachtzug – nein danke! – oder 20-24 Stunden im “Sleeper Bus”. In diesen Bussen sind Liegesitze in zwei Etagen übereinander angeordnet, die Beine schiebt man in einen Kasten unter der Lehne des Vordermannes, Platz für Handgepäck gibt es nicht – eine Tortur für große Menschen, wie wir später auf der Fahrt von Mui Ne nach Ho Chi Minh City erproben dürften. In unserer Verzweiflung entschlossen wir uns schließlich, vom nahe gelegenen Danang nach HCMC zu fliegen, um nach kurzem Zwischenstopp von dort aus in nur 5 Stunden (für 230 km) mit dem Bus nach Mui Ne zu fahren. Von Danang nach HCMC geht etwa stündlich einen Flieger – denn wer es sich irgendwie leisten kann, der fliegt in Vietnam.

Die langen Fahrten waren jedenfalls so unglaublich anstrengend – und in den wuseligen Städten konnte man sich kaum von ihnen erholen -, daß ich am Ende einfach nur unendlich froh war, wieder zuhause in Europa zu sein. Meine laute Wiener Straße kam mir plötzlich sooo himmlisch ruhig und erholsam vor!


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Abschied aus Südostasien: Ho Chi Minh City

Die letzte Etappe unserer Reise war Ho Chi Minh City. Dies war mit Abstand die modernste Großstadt, die wir auf unserer Reise besucht haben, und eine Stadt voller Gegensätze: freie Marktwirtschaft neben kolonialer Vergangenheit und kommunistischer Propaganda. Hochhäuser bestimmen neben Kolonialbauten wie dem Hauptpostamt und dem alten Rathaus das Stadtbild im Zentrum, im alten Saigon. Ho Chi Minh City ist ein Shoppingparadies, und auch wir nutzten die Gelegenheit, um uns nochmal alle vietnamesichen Wünsche zu erfüllen – wenn auch weniger in den noblen Shoppingmalls als auf dem Ben Thanh Markt, dem Herzen der Stadt, in dem man von Lebensmitteln bis Souvenirs alles nur Erdenkliche erwerben kann. Im Ho Chi Minh Museum, in dem man sogar die Plastikbecher besichtigen kann, aus denen die Bauarbeiter Wasser getrunken haben, die in irgendeinem Dorf einen Schrein für Ho Chi Minh errichtet hatten, wird der Staatsgründer wie ein Gott verehrt. Im Unabhängigkeitspalast, der in den 1960er Jahren vom südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem errichtet wurde, wird dem Besucher die Dekadenz der mit den Amerikanern verbündeten Südvietnamesen vor Augen geführt, während im Kriegsreliktemuseum programmatisch Bilder von Agent-Orange-Opfern neben Bildern des heute blühenden Vietnam gezeigt werden und Touris vor amerikanischen Waffen posieren.

Daneben gibt es auch in HCMC allerhand Pagoden. Unerträglich war es in der stark besuchten Pagode des Jadekaisers, die dermaßen verräuchert war, daß in allen Räumen riesige Deckenlüfter angebracht waren – was leider wenig half, wir flüchteten schnell wieder… Im hinduistischen Mariamman-Tempel war es dann überraschend ruhig (in HCMC leben auch nur wenige Hindus), und die Räucherstäbchen waren auf eines pro Person begrenzt. Hier konnten wir einen Eindruck bekommen, wie der Kult in den Tempeln Angkors einst vonstatten gegangen sein muß: die kleinen Schreine standen wie im Preah Khan eng beeinander und wurden dennoch von den Gläubigen umrundet. Besser gefiel es uns im Chinesischen Viertel. Zwischen den Häusern waren viele kleine, fantasievoll ausgestattete Pagoden verstreut, alle ein bißchen anders.


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Beach Life по-русски

Unsere nächste Etappe war der Strand von Mui Ne in Südvietnam – nach einem Zwischenstopp in Ho Chi Minh City, aber dazu später. An dem 19 km langen Sandstrand wollten wir uns ein paar Tage erholen…aber zumindest für mich war unser Strandaufenthalt nicht so richtig entspannend. Wir wohnten am Westende des Strands, wo sich ein Resort an das nächste drängt. Schon als wir in der Dunkelheit ankamen, blinkerten uns von allen Seiten die kyrillischen Leuchtreklamen entgegen. Und tatsächlich dominierten russische Urlauber diesen Ort und zwar so sehr, daß ich in einem Reisebüro sogar weggeschickt wurde, weil die vietnamesische Mitarbeiterin außer Russisch keiner Fremdsprache mächtig war. Neben den Resorts gab es noch Souvenirgeschäfte, in denen wir Alligatoren in jeder Größe und Verarbeitung hätten erwerben können, und überteuerte, schlechte Touri-Restaurants. Das absolute Highlight war wohl (ich habe es zum Glück nicht mitbekommen), als auf der Terrasse eines Restaurants eine Ratte hinter mir auf der Balustrade entlangflitzte. Hier war einfach alles etwas teurer und schlechter als im Rest des Landes… Da das Meer und den Strand die Kitesurfer in Beschlag genommen hatten, verbrachten wir unsere Zeit am resorteigenen Pool oder beim Minigolf. Ein bißchen etwas Urtümliches gab es dann doch in diesem Ort, aber nur, wenn man ganz früh aufstand. Dann konnte man den Fischern zuschauen, die in ihren kreisrunden Booten wie an einer Perlenkette aufgereiht im Meer schaukelten. Das hätte ich nie gesehen, wären wir nicht eines Morgens ganz früh zu einer Tour zu den nahe gelegenen Sanddünen aufgebrochen. Zunächst fuhren wir zum “Fairy Stream”. Vorbei an einer stinkenden Fischsoßenfabrik gelangten wir zu einem kleinen – künstlich umgeleiteten – Bächlein, das durch schöne Sandformationen fließt. Dem Bächlein vermochten wir nach den ersten Geruchseindrücken auch nicht mehr so recht zu trauen… Weiter ging es zu den wirklich eindrucksvollen weißen Wanderdünen am Rande eines Sees. Kaum angekommen bekamen wir einen überteuerten Quad samt jugendlichem Fahrer aufgeschwatzt, mit dem wir dann über die Dünen bretterten und die steilen Dünenkanten herunterrasten. Der Kleine hatte an unserem panischen Gekreische jedenfalls seine helle Freude! Schließlich erklommen wir noch die roten Dünen, von denen aus wir einen schönen Blick über das Meer hatten.