Häferlkaffee


Leave a comment

Nachträge zum Hadrianswall

Die TRAC in Durham führte mich wieder in die Nähe des Hadrianswalls und bot somit die Gelegenheit, endlich die Besichtigung der archäologischen Stätten nachzuholen, die wir vor zwei Jahren auf unserer Wanderung hatten auslassen müssen. 2017 ist für den Hadrianswall ein ganz besonderes Jahr: nicht nur jährt sich Hadrians Regierungsantritt zum 1900. Mal, sondern der Wall feiert auch sein 30. Jubiläum als Weltkulturerbestätte.

Im Rahmen eines von der Tagung aus organisierten Ausflugs besuchte ich zunächst Corbridge, das römische Coria, eine Stadt im Hinterland des Hadrianswalls, die in den 160er Jahren an der Stelle eines ehemaligen Militärlagers entstand. Auf unserer Hadrianswall-Wanderung war uns der Umweg zu Fuß zu weit gewesen – nun wurden wir von Durham aus bequem mit dem Bus dorthin gefahren. Einer der Kuratoren führte uns durch den kleinen Stadtausschnitt, der als archäologisches Areal hergerichtet ist. Dort reihen sich die obligatorischen Getreidespeicher, ein unfertiges ‘Shopping Center’ und Streifenhäuser entlang der Hauptstraße der Stadt. Im Anschluß durften wir im Depot die verborgenen Schätze des Museums erkunden, bevor wir noch einen Abstecher in den entzückenden modernen Orten machten. An der Tyne besichtigten wir die umgesetzten Reste der römischen Brücke und warfen dann einen kurzen Blick auf die in der Kirche verbauten römischen Steine.

Nach der TRAC blieb ich noch einen Tag in Newcastle, um endlich auch das Militärlager Arbeia in South Shields, das wir damals ebenfalls ausgelassen hatten, zu besuchen. Durch seine Lage an der Mündung der Tyne war das um 160 errichtete Lager prädestiniert dafür, schon bald unter Septimius Severus zu einem Versorgungslager für den Hadrianswall umgebaut zu werden. 24 Getreidespeicher entstanden innerhalb der Lagermauern, deren Grundrisse sich noch heute eindrucksvoll im Gelände nachvollziehen lassen! Um 300 wurden diese dann wieder in Baracken umgebaut, als eine Einheit von Schiffsleuten vom Tigris dort untergebracht wurde. Heute zeichnet sich Arbeia vor allem durch seine liebenswürdigen Rekonstruktionen aus: eine Mannschaftsbaracke, das aufwendig möblierte Praetorium und das westliche Lagertor sind über den Originalfundamenten wiederaufgebaut. Für mich wurde der Ausflug nach Arbeia zu einer wahren Odyssee. Schließlich war der 1. April, und der Monat wollte seinem Ruf alle Ehre machen. Ich startete bei schönsten Sonnenschein und freute mich schon auf einen Spaziergang an der Meeresküste. Doch kaum auf der Ausgrabungsstätte angekommen, begann es sich zuzuziehen, und ich schaffte es gerade noch, das Außengelände zu besichtigen, bevor es anfing zu schütten und schließlich sogar zu hageln! Es regnete so heftig, daß die Metro überschwemmt und der Zugverkehr eingestellt wurde, und auch die Straßen hatten sich in Sturzbäche verwandelt, so daß ich eine halbe Ewigkeit brauchte, um wieder in die Stadt zurückzukehren.

Dennoch schaffte ich es noch früh genug wieder zurück, um in Newcastle – nun wieder ohne Regen – das Baltic Center of Contemporary Art anzuschauen – ein weiteres Desiderat unserer Hadrianswall-Reise. In einer ehemaligen Mühle aus den 1930er Jahren untergebracht, bietet es neben sehenswerten Kunstausstellungen einen eindrucksvollen Blick über die Tyne mit ihren Brücken im Herzen Newcastles.

Vor der Abreise besichtigte ich schließlich noch das Castle von Newcastle. Im Gegensatz zu anderen Burgen, die ich in Großbritannien schon besucht habe, fiel diese dadurch positiv auf, daß daran erfrischend wenig gemacht war. Einige kleine und sehr informative Ausstellungen gaben einen Einblick in die Geschichte der Burg. Dabei lernte ich u.a., daß im 17.-18. Jh. innerhalb des umfriedeten Bereichs der Burg – dem Castle Garth – ein eigenes Stadtviertel entstand, in dem die Regeln der Stadt Newcastle (zu der das Castle nicht gehörte) nicht galten. So konnten sich dort z.B. Handwerker ansiedeln, die zu keiner Gilde gehörten. Ansonsten konnte man die imposante normannische Architektur beinahe frei von Mittelalter-Schnickschnack erleben. Vom Dach des Burgfrieds bot sich außerdem ein toller Blick über die Stadt.

Advertisements


Leave a comment

Spätantike visuelle Kultur in Durham

Ende März war ich auf der Theoretical Roman Archaeology Conference in Durham, wo ich zusammen mit einem Kollegen eine Session zur visuellen Kultur der Spätantike vorbereitet hatte. Mit unserem Thema waren wir zwar einwenig die Außenseiter auf der vor allem (provinzial)römischen Tagung. Doch unsere internationale Gruppe mit sogar aus China und den USA eingereisten Gästen war sehr diskussionsfreudig (wofür im straffen Konferenzplan leider viel zu wenig Zeit blieb) und machte gleich Lust auf mehr!

Wir wohnten in einem ehrwürdigen, aber nicht besonders alten College der Uni, wo es zunächst ein Rätsel zu lösen gab: Vor dem Haus sitzt nämlich ein Hirsch, dessen Augen, als wir ankamen, mit einem merkwürdigen Turban aus Sackleinen verbunden waren. Am Tag vor unserer Abreise war die Augenbinde plötzlich verschwunden. Ein Studentenstreich zum Semesterende? Nein – wie der Portier des College aufklärte: Etwa viermal im Jahr werden dem Hirsch von übermütigen Studenten die Hörner abgebrochen und sogleich wieder ersetzt. Und während der Klebstoff der neuen Hörner trocknet, werden diese mit dem Turban fixiert. Also doch ein Studentenstreich, nur etwas anders als gedacht ;-)

Obwohl das College nur wenige Gehminuten von den Konferenzräumen entfernt lag, blieb nebenbei noch einwenig Zeit, um die Stadt zu erkunden. Das Herz Durhams ist die normannische Kathedrale aus dem späten 11.-12. Jh., die sich auf einem hoch aufragenden Felsen in einer Schleife des Flusses Wear befindet. Im Innern des imposanten Gebäudes läßt sich der Wechsel von der Romanik zur Gothik nachverfolgen, als nämlich im 13. Jh. Chor und Apsis in gothischem Stil erneuert und an die bestehende romanische Kirche angefügt wurden. In einem kleinen Museum, in dem man leider nicht fotografieren durfte, sind beeindruckende angelsächsische Steinmonumente ausgestellt, die sich mit ihren belebten Weinranken und Ornamenten perfekt in das Thema unserer Session eingefügt hätten. Einen eindrucksvollen Kontrast dazu bildet das brutalistische Ensemble am Fuß der Kathedrale. Das leider abrißgefährdete, 1965 errichtete Dunelm House der Students’ Union schmiegt sich am Flußufer über mehrere Terrassen an den Hang. Daneben führt die Kingsgate Bridge über den Fluß zur Kathedrale.


Leave a comment

Zu Besuch bei Shakespeare

Von Birmingham aus machte ich auch einen Abstecher in Shakespeares Heimatort Stratford-upon-Avon. Das mußte einfach sein, schließlich ist gerade Shakespeare-Jahr! Vor genau 400 Jahren starb der Barde. Stratford ist ein beschauliches kleines Städtchen mit vielen Fachwerkhäusern. Im Laufe des Tages füllt es sich aber ziemlich, denn seit dem 18. Jh. steht dort alles im Zeichen des Shakespeare-Kultes! Ich kam zum Glück relativ früh in Stratford an und ging sofort zur Holy Trinity Church am Ufer des Flusses Avon, in deren Chorraum Shakespeare und seine Familie begraben liegen. So konnte ich Shakespeares Grab noch einigermaßen in Ruhe besuchen, ohne allzu große Touristenmassen. Es war schon irgendwie ein erhebendes Gefühl, dem Barden so nahe zu sein, der einem von seinem posthumen Bildnis an der Wand aus zulächelt! Danach machte ich mich daran, die Fachwerkhäuser in der Stadt zu erkunden, die angeblich einen Bezug zu Shakespeare haben. Etwas verloren steht Shakespeares angebliches Geburtshaus in einer Fußgängerzone im Stadtzentrum. Dort ist man ganz auf den Ansturm der Massen vorbereitet: dicht an dicht drängt man sich entlang einer vorgegebenen Route zwischen nachgebauten Möbeln durch die Zimmer und versucht hie und da den Guides in historischen Kostümen zu lauschen, die einem das Leben der Shakespeare-Familie näherbringen möchten. Im benachbarten Visitors’ Center ist ein kleines Museum zur weltweiten Shakespeare-Rezeption eingerichtet – eigentlich ganz nett. Im Garten rezitierte eine Schauspielerin Shakespeare-Verse. Weitaus stimmungsvoller war Hall’s Croft, in der Shakespeares Tochter Susanna mit ihrem Mann, dem Arzt John Hall, gelebt haben soll. Etwas abseits gelegen verirrte sich dort schon kaum noch jemand hin. Dabei waren dort immerhin echte historische Möbel ausgestellt, die einen weitaus besseren Eindruck von der Wohnkultur der Zeit vermitteln konnten. Und der zugehörige Garten war wunderschön! Als Haus gefiel mir am besten jedoch das sog. Harvard House. Es wurde Ende des 16. Jhs. von dem Fleischer und Viehhändler Thomas Rogers errichtet, der ein Bekannter von William Shakespeares Vater John und Großvater von John Harvard, einem der Gründer der Harvard-Universität, war. Es ist heute im Besitz der Harvard-Uni, nachdem es Anfang des 20. Jhs. ein amerikanischer Millionär erworben und der Uni überlassen hat. Nur ausnahmsweise war es auch von innen zu besichtigen und daher nur notdürftig eingerichtet. Das eigentlich Faszinierende war aber die Fassade mit ihrem geschnitzten Dekor, der zum Teil auf den Beruf des Bauherrn anspielt. Danach schlenderte ich noch ein bißchen durch die Straßen und hübschen kleinen Geschäfte, bis es mir dann doch zu voll wurde in der Stadt. Ganz beseelt von meinem gelungenen Besuch bei Shakespeare fuhr ich nach Birmingham zurück.


Leave a comment

Campus Life in den Western Midlands: Warwick und Birmingham

Mitte Mai fuhr ich zu einer Tagung an die University of Warwick und verbrachte dort zum allerersten Mal einige Tage und Nächte an einer echten Campus-Uni. Bei der Uni von Warwick handelt es sich um eine Neugründung aus den 1960er Jahren auf der grünen Wiese, paradoxerweise näher an Coventry als an Warwick. Das Zentrum des entsprechend vollkommen modernen Campuses bildet das Gebäude der Students’ Union mit einigen Restaurants und Cafés, es gibt einen Buchladen, einen Supermarkt und das “Art Center” mit einem Theater und einer Galerie, deren überraschend hochkarätig bestückte Ausstellung zeitgenössischer Kunst neben der Tagung das eigentlich Highlight des Campusaufenthalts war. Die Studierenden leben in Wohnheimen rund um die Uni-Gebäude. Abrupt ist dann der Übergang von der Campus-Zivilisation ins Grüne, wo Gänsefamilien über die Wiesen und Felder watscheln. Überhaupt bildete das viele satte Grün auf dem Campus einen angenehmen Kontrast zu unserem eigenartig fensterlosen Seminarraum.

Auf dem Hin- und Rückweg zur University of Warwick machte ich Station in Birmingham. Nach Budapest, was war das für ein Kontrast! Ich fand die Stadt – zumindest das Zentrum – ziemlich gruselig. Dort dominieren gigantische Shoppingcenter und Einkaufsstraßen mit Ladenketten. Das Areal um Museum und Town Hall, die im Stil eines römischen Podiumstempels erbaut ist, war wegen des Abbruchs der brutalistischen Stadtbibliothek gerade eine einzige Baustelle. Jenseits der Innenstadt, südlich von Birminghams Chinatown, wo das Hotel lag, in dem ich auf der Rückreise noch für zwei Nächte abstieg, befanden sich quasi nur Abrisshäuser, die als Parkplätze genutzt wurden. Dabei ist die alte Architektur der Stadt eigentlich ziemlich spektakulär: Neo-Gothik mit Anklängen von Jugendstil, Klassizismus der Viktorianischen Zeit, Hochhäuser im Art déco Stil, die mich nach Klein-New York versetzten, und vor allem Industriearchitektur aus dem frühen 20. Jh. – Garagen, Produktionshallen, Fabrikschlote -, leider nur allzu meist in sehr bedauernswertem Zustand. Im Stadtteil Digbeth ist wenigstens die Custard Factory als Kreativ- und Designzentrum wiederauferstanden. In diesem Stadtviertel findet auch ein alljährliches Street Art Festival statt, das überall an den Wänden seine bunten Spuren hinterlassen hat.


Leave a comment

Schottische Partie IV: Am Antoninuswall

Zum Abschluß unseres Sommerurlaubs statteten wir dem Antoninuswall noch einen kurzen Besuch ab. Hadrians Nachfolger Antoninus Pius wagte einen erneuten Vorstoß gen Norden und ordnete 142 n. Chr. den Bau eines neuen Grenzwalls an, nur 160 km nördlich des Hadrianswalls. Die neue Grenzlinie hielt jedoch nicht lange, denn bald nach Antoninus’ Tod 161 n. Chr. wurde der Wall bereits wieder aufgegeben. Der Antoninuswall verlief zwischen dem Firth of Clyde und dem Firth of Ford (grob zwischen Glasgow und Falkirk) und war mit ca. 60 km nur etwa halb so lang wie sein weitaus prominenterer Vorgänger. Dennoch konnten wir ihn nicht ganz abwandern – auch wenn wir es gerne getan hätten ;-) -, schlicht weil er weniger gut erschlossen ist und es einfach keinen Wanderweg gibt. Daher beschränkten wir uns darauf, das besterhaltene Fort des Walls zu besichtigen: Rough Castle bei Falkirk. Die Hauptattraktion von Falkirk ist jedoch weniger der Antoninuswall als das “Falkirk Wheel”, ein 2002 eingeweihtes Schiffshebewerk, das wie ein Riesenrad funktioniert. So ganz klar war uns nicht, wozu diese aufwendige Konstruktion eigentlich dient, außer um Touristenboote und schmale Hausboote von Urlaubern zu transportieren. Jedenfalls entfaltete sich darum ein riesiger Rummel samt Visitor Center, Wasserspielen für Kinder und unzähligen Buden mit schlechtem Eis und schlechtem Kaffee. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir von dort aus das nahegelegene Rough Castle. Dieses ist zwar das besterhaltene Fort des Antoninuswalls, doch außer Erdwällen und Gräben sieht man davon nichts mehr. Der Aufbau des Kastells ließ sich dennoch erstaunlich gut nachvollziehen. Besonders beeindruckend war das ausgeklügelte Verteidigungssystem der Anlage mit in mehreren Reihen hintereinander gestaffelten Verteidungsgräben und einem Feld aus kleinen Gruben, den lilia, in denen potenzielle Angreifer stecken bleiben sollten. Anschließend besuchten wir in Falkirk noch das Callendar House, ein Herrenhaus mit Wurzeln im späten 14./frühen 15. Jh., in dem eine wirklich seeehr kleine Ausstellung zum Antoninuswall (und eine ausführlichere zur weiteren Geschichte des Hauses) eingerichtet ist. Im großzügigen Park ist außerdem ein kleiner Abschnitt des Antoninuswalls erhalten, den wir nur mit Mühe ausmachen konnten. Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe zurück zum Flughafen von Newcastle und von dort aus wieder nachhause…


Leave a comment

Schottische Partie III: Whisky auf Islay

Über die gesamten vier Tage auf Islay schafften wir es, alle acht Destillen abzuklappern. Nicht bei allen haben wir eine Tour oder Tasting mitgemacht, aber immerhin haben wir ein Erinnerungsfoto oder eine andere Kleinigkeit mitgenommen. Für einen Whisky-Liebhaber war es eine sehr bewegende Erfahrung. Das erste Mal in einer Destille, das erste Mal all die Gerüche und Sinne wahrzunehmen, die in einer Destille so gegenwärtig sind. Die Islay Whiskys sind vor allem für ihre rauchige Note bekannt, die mittels der lokalen Torfvorkommen beim Trocknen des Malzes erzeugt wird. Mir sagt diese Note besonders zu und es gab die Tage echte geschmackliche Überraschungen.

Wir haben uns vorher etwas informiert und wussten nicht, wieviel man so schafft. Jeder Besuch nimmt schon etwas Zeit ein, und wenn man nicht hetzen will, sollte man maximal zwei bis drei Destillen pro Tag machen. Uns haben die ausgiebigeren Tastings am besten gefallen, so konnte man sich durch die verschiedenen Whiskys durchkosten und mehr Zeit mit allem verbringen. Wir haben die Wochen vorher Termine telefonisch ausgemacht, was wegen des starken Dialektes der Schotten eine echte Herausforderung war. Aber auch kurzfristig konnten wir alles umplanen, denn meistens waren sie nicht ausgebucht, was uns sehr verwunderte, oder aber an unserer Auswahl der Destillen lag.
Unsere Gastgeberin war so nett uns kleine Flaschen mitzugeben, so dass wir den Whisky von den Tastings, den wir nicht gleich trinken konnten, in diese abgefüllt haben. Das Problem ist eben, dass man auf Islay am besten mit Auto zu den Destillen fährt und man ja nicht angetrunken fahren möchte. In unserem B&B hatten wir dann auch mit Noseys und Wassergläsern ein komplettes Tastingset, wo wir abends den restlichen Whisky genießen konnten.

 

Angefangen haben wir mit Bunnahabain, wo wir eine gefühlte Privattour bekommen haben, und wir in so einer ruhigen Ecke der Insel waren, dass es schon unheimlich war, aber uns auch ein fantastischer Blick nach Jura für den langen Weg entschädigte. Die Destille stand gerade still, daher war von der Produktion nicht so viel zu sehen und es war nicht so plastisch. Genau das war hier auch von Vorteil, denn so wurden wir nicht von zu vielen Eindrücken überwältigt. Am nächsten Tag machten wir eine Tour zu Lagavulin, wo ein sehr gutes Tasting uns sehr mitnahm und ich einen im Port Ellen Fass gereiften Whisky probieren durfte; das war extrem lecker. Ardbeg, Laphroaig und Bowmore statteten wir eine Visite ab und genossen mal einen Kaffee, Suppe oder nur einen Spaziergang über das Gelände. Bowmore war sehr langweilig, Ardbeg hatte ein riesiges Gelände, aber bei Laphroaig war es so, als ob man einen Salon betritt mit Ohrensesseln und ruhiger Musik; das war ein Erlebnis. Ein netter Funfact ist, dass die Destillen von Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig alle in Wurfweite zueinander liegen. Ein neuer Fussweg erlaubt es die Destillen bei guten Wetter zu Fuß zu erkunden. Wir hatten kein gutes Wetter!

Am letzten Tag besuchten wir zuerst Kilchoman, eine kleine Farmdestille, die landeinwärts liegt und sehr weit vom Wasser weg ist. Der Whisky selbst hat noch Potential und war nicht der überzeugendste, aber hier konnte man alle Schritte sehen, da dies die einzige Destille ist, die noch selbst malzt und räuchert. Selbst die Abfüllung konnte man hier beobachten. Bei Kilchoman sieht man aber auch, wieviel notwendig ist, um so etwas zu starten, vor allem weil ja eine gewisse Vorlaufzeit notwendig ist, um einen Whisky zu produzieren. Nach einem Abstecher zu Caol Ila machten wir am Nachmittag ein Warehouse Tasting bei Bruichladdich. Das war so anders, dass man komplett geflasht war. Direkt aus dem Fass konnte man sich hier den einen oder anderen Whisky gönnen. Hier probierten wir nach dem Tasting in der Bar noch den angeblich torfigsten Whisky der Welt und auch einen leckeren Gin (The Botanist), der auch dort gefertigt wird. Alle Touren kosteten zwischen 5 GBP (Distillery Tour, i.d.R. ein bis zwei Whiskys) und 25 GBP (Tasting – mind. 4-5 Whiskys).


Am auffälligsten war, dass alle Destillen keine verriegelten Fabriken waren, eher so kleine Höfe mit Whiskygeschmack. Die eine oder andere Destille hatte ein ausgefeiltes Besucherzentrum und andere nur einen kleinen Raum neben den Büros, was sehr einladend war, da man sich nicht überall dem Kommerz ausgeliefert fühlte. Doch was herausstach war, dass alle Personen in den Destillen extrem nett und zuvorkommend waren und man mit keiner noch so blöden Frage allein gelassen wurde. Wir bekamen auch noch etliche Tipps und konnten noch so manches entdecken dadurch: ich sag nur Austern!


Eine absolute Empfehlung ist auch das Bowmore Hotel, wo wir fast alle Abende verbrachten. Neben der ultra-netten Bedienung, dem schmackhaften Essen, haben sie dort mit die größte Whisky-Auswahl auf der Insel, die man sich vorstellen kann. Ein Traum, auch zum Anschauen und leider unmöglich alles zu probieren. Ein kleines Schmankerl waren ein paar Biere der Destillen (eigentlich eine Vorstufe der Whisky-Produktion), die sogar manchmal ganz gut schmeckten und absolut empfehlenswert sind.  Gerade das Kilchoman Bier ist sehr sehr rauchig. Und einige von den Bowmore Bieren reifen in alten Eichenfässern und bieten ein breites Geschmackserlebnis.
Also, wenn man nach Islay will: 1.) Gutes B&B aussuchen 2.) Destillen abtelefonieren, um Termine zu bekommen 3.) Kleine Gefäße zum Abfüllen mitnehmen 4.) Genießen. Gerade weil wir nicht alle Destillen gemacht haben, würden wir auch wegen des Whiskys wiederkommen und alle Destillen ausprobieren.


2 Comments

Schottische Partie II: Islay

Von Edinburgh ging es mit dem Mietwagen in einer langen Fahrt entlang des Loch Lomond nach Kennacraig, von wo aus wir mit der Fähre zur Insel Islay vor der Westküste Schottlands übersetzten. Wir wohnten in einem wunderschönen Bed-and-Breakfast etwas außerhalb der Inselhauptstadt Bowmore. Vor unserem Fenster wuchs ein Gerstenfeld für die Whisky-Produktion auf der Insel, und in der Bucht konnten wir die Vögel beobachten. Abgesehen vom Whisky (dazu später mehr), hatte die Insel auch landschaftlich einiges zu bieten. Meist ging es über “single track roads”, einspurige Straßen mit Ausweichbuchten, bis in die entlegendsten Winkel der Insel. Mal steckten wir auf so einer Straße fest, weil ein aufgebrachter Bulle uns den Weg versperrte, und mußten das Auto abstellen. Mal begegnete uns ein Rehbock am Rand der Straße, die zu allem Überfluß auch genau dort auf beiden Seiten eingezäunt war. Eine ganze Weile hüpfte er vor unserem Auto her, bis er endlich entkommen konnte.

Wir erkundeten zunächst Loch Gruinart im Norden der Insel. Die tiefe Bucht verwandelt sich bei Ebbe vollkommen in eine Sandfläche. Ganz so lange blieben wir zwar nicht, aber doch lang genug für einen Strandspaziergang, bei dem wir die Austernfischer und andere Vögel beim Picken im Sand beobachten konnten. In der Bucht werden außerdem Austern gezüchtet, die man in einer Farm in Craigens an der Südspitze der Bucht erwerben kann. Es war schon eine besondere Atmosphäre dort: wir stapften zunächst über die Farm, die Bäuerin war gerade mit den Kühen im Stall beschäftigt und kam dann rüber in den kleinen Verkaufsraum, wo in einem Wasserbecken die Austern lagerten. Sie machte uns ein paar auf, die wir gleich vor Ort schlürften. Meine ersten Austern, und ich war begeistert! Gar nicht glitschig, sondern schön fest, und so ein frischer Geschmack nach Meer :-)

Eigentlich hatten wir ja in Loch Gruinart auch Seehunde sehen wollen, aber die zeigten sich uns dort nicht. Auch in der Bucht in der Nähe der Kildalton Chapel fanden wir sie nicht. An dem aufgelassenen, malerischen Kirchlein steht dafür eines der keltischen Kreuze der Insel aus dem 8. Jh. Seine bemerkenswerten Reliefs zeigen neben Rankenwerk biblische Szenen. Die ersten Seehunde sahen wir erst ein paar Kilometer weiter in einer Bucht bei Ardbeg. Das richtige Seehund-Paradies entdeckten wir aber schließlich in der idyllischen Bucht von Portnahaven. In diesen klitzekleinen, verträumten Ort mit seiner malerischen Hafenbucht mit kleinem Sandstrand habe ich mich sofort verliebt. Auch die Seehunde fühlten sich dort sichtlich wohl. Die putzigen Tiere tummelten sich nicht nur auf den Felsen der gegenüber gelegenen Leuchtturminsel, sondern auch mitten im Hafen. Während die Ebbe offenbar einige Felsen in der Bucht freispülte, ließen sich darauf direkt vor unserer Nase erst ein, dann zwei Seehunde die Sonne auf den Bauch scheinen. Ich konnte mich gar nicht sattsehen! Und das verrückteste war: nachdem man sie einmal erkannt hatte, entdeckte man plötzlich überall in der Ferne Seehunde auf den Felsen.

Uns hat Islay jedenfalls ausgesprochen gut gefallen! Und die vier Tage auf der Insel reichten keinesfalls, um alles zu erkunden, was Islay zu bieten hat. Grund genug, um vielleicht noch einmal wiederzukommen ;-)