Häferlkaffee


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Schottische Partie IV: Am Antoninuswall

Zum Abschluß unseres Sommerurlaubs statteten wir dem Antoninuswall noch einen kurzen Besuch ab. Hadrians Nachfolger Antoninus Pius wagte einen erneuten Vorstoß gen Norden und ordnete 142 n. Chr. den Bau eines neuen Grenzwalls an, nur 160 km nördlich des Hadrianswalls. Die neue Grenzlinie hielt jedoch nicht lange, denn bald nach Antoninus’ Tod 161 n. Chr. wurde der Wall bereits wieder aufgegeben. Der Antoninuswall verlief zwischen dem Firth of Clyde und dem Firth of Ford (grob zwischen Glasgow und Falkirk) und war mit ca. 60 km nur etwa halb so lang wie sein weitaus prominenterer Vorgänger. Dennoch konnten wir ihn nicht ganz abwandern – auch wenn wir es gerne getan hätten ;-) -, schlicht weil er weniger gut erschlossen ist und es einfach keinen Wanderweg gibt. Daher beschränkten wir uns darauf, das besterhaltene Fort des Walls zu besichtigen: Rough Castle bei Falkirk. Die Hauptattraktion von Falkirk ist jedoch weniger der Antoninuswall als das “Falkirk Wheel”, ein 2002 eingeweihtes Schiffshebewerk, das wie ein Riesenrad funktioniert. So ganz klar war uns nicht, wozu diese aufwendige Konstruktion eigentlich dient, außer um Touristenboote und schmale Hausboote von Urlaubern zu transportieren. Jedenfalls entfaltete sich darum ein riesiger Rummel samt Visitor Center, Wasserspielen für Kinder und unzähligen Buden mit schlechtem Eis und schlechtem Kaffee. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir von dort aus das nahegelegene Rough Castle. Dieses ist zwar das besterhaltene Fort des Antoninuswalls, doch außer Erdwällen und Gräben sieht man davon nichts mehr. Der Aufbau des Kastells ließ sich dennoch erstaunlich gut nachvollziehen. Besonders beeindruckend war das ausgeklügelte Verteidigungssystem der Anlage mit in mehreren Reihen hintereinander gestaffelten Verteidungsgräben und einem Feld aus kleinen Gruben, den lilia, in denen potenzielle Angreifer stecken bleiben sollten. Anschließend besuchten wir in Falkirk noch das Callendar House, ein Herrenhaus mit Wurzeln im späten 14./frühen 15. Jh., in dem eine wirklich seeehr kleine Ausstellung zum Antoninuswall (und eine ausführlichere zur weiteren Geschichte des Hauses) eingerichtet ist. Im großzügigen Park ist außerdem ein kleiner Abschnitt des Antoninuswalls erhalten, den wir nur mit Mühe ausmachen konnten. Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe zurück zum Flughafen von Newcastle und von dort aus wieder nachhause…

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Schottische Partie III: Whisky auf Islay

Über die gesamten vier Tage auf Islay schafften wir es, alle acht Destillen abzuklappern. Nicht bei allen haben wir eine Tour oder Tasting mitgemacht, aber immerhin haben wir ein Erinnerungsfoto oder eine andere Kleinigkeit mitgenommen. Für einen Whisky-Liebhaber war es eine sehr bewegende Erfahrung. Das erste Mal in einer Destille, das erste Mal all die Gerüche und Sinne wahrzunehmen, die in einer Destille so gegenwärtig sind. Die Islay Whiskys sind vor allem für ihre rauchige Note bekannt, die mittels der lokalen Torfvorkommen beim Trocknen des Malzes erzeugt wird. Mir sagt diese Note besonders zu und es gab die Tage echte geschmackliche Überraschungen.

Wir haben uns vorher etwas informiert und wussten nicht, wieviel man so schafft. Jeder Besuch nimmt schon etwas Zeit ein, und wenn man nicht hetzen will, sollte man maximal zwei bis drei Destillen pro Tag machen. Uns haben die ausgiebigeren Tastings am besten gefallen, so konnte man sich durch die verschiedenen Whiskys durchkosten und mehr Zeit mit allem verbringen. Wir haben die Wochen vorher Termine telefonisch ausgemacht, was wegen des starken Dialektes der Schotten eine echte Herausforderung war. Aber auch kurzfristig konnten wir alles umplanen, denn meistens waren sie nicht ausgebucht, was uns sehr verwunderte, oder aber an unserer Auswahl der Destillen lag.
Unsere Gastgeberin war so nett uns kleine Flaschen mitzugeben, so dass wir den Whisky von den Tastings, den wir nicht gleich trinken konnten, in diese abgefüllt haben. Das Problem ist eben, dass man auf Islay am besten mit Auto zu den Destillen fährt und man ja nicht angetrunken fahren möchte. In unserem B&B hatten wir dann auch mit Noseys und Wassergläsern ein komplettes Tastingset, wo wir abends den restlichen Whisky genießen konnten.

 

Angefangen haben wir mit Bunnahabain, wo wir eine gefühlte Privattour bekommen haben, und wir in so einer ruhigen Ecke der Insel waren, dass es schon unheimlich war, aber uns auch ein fantastischer Blick nach Jura für den langen Weg entschädigte. Die Destille stand gerade still, daher war von der Produktion nicht so viel zu sehen und es war nicht so plastisch. Genau das war hier auch von Vorteil, denn so wurden wir nicht von zu vielen Eindrücken überwältigt. Am nächsten Tag machten wir eine Tour zu Lagavulin, wo ein sehr gutes Tasting uns sehr mitnahm und ich einen im Port Ellen Fass gereiften Whisky probieren durfte; das war extrem lecker. Ardbeg, Laphroaig und Bowmore statteten wir eine Visite ab und genossen mal einen Kaffee, Suppe oder nur einen Spaziergang über das Gelände. Bowmore war sehr langweilig, Ardbeg hatte ein riesiges Gelände, aber bei Laphroaig war es so, als ob man einen Salon betritt mit Ohrensesseln und ruhiger Musik; das war ein Erlebnis. Ein netter Funfact ist, dass die Destillen von Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig alle in Wurfweite zueinander liegen. Ein neuer Fussweg erlaubt es die Destillen bei guten Wetter zu Fuß zu erkunden. Wir hatten kein gutes Wetter!

Am letzten Tag besuchten wir zuerst Kilchoman, eine kleine Farmdestille, die landeinwärts liegt und sehr weit vom Wasser weg ist. Der Whisky selbst hat noch Potential und war nicht der überzeugendste, aber hier konnte man alle Schritte sehen, da dies die einzige Destille ist, die noch selbst malzt und räuchert. Selbst die Abfüllung konnte man hier beobachten. Bei Kilchoman sieht man aber auch, wieviel notwendig ist, um so etwas zu starten, vor allem weil ja eine gewisse Vorlaufzeit notwendig ist, um einen Whisky zu produzieren. Nach einem Abstecher zu Caol Ila machten wir am Nachmittag ein Warehouse Tasting bei Bruichladdich. Das war so anders, dass man komplett geflasht war. Direkt aus dem Fass konnte man sich hier den einen oder anderen Whisky gönnen. Hier probierten wir nach dem Tasting in der Bar noch den angeblich torfigsten Whisky der Welt und auch einen leckeren Gin (The Botanist), der auch dort gefertigt wird. Alle Touren kosteten zwischen 5 GBP (Distillery Tour, i.d.R. ein bis zwei Whiskys) und 25 GBP (Tasting – mind. 4-5 Whiskys).


Am auffälligsten war, dass alle Destillen keine verriegelten Fabriken waren, eher so kleine Höfe mit Whiskygeschmack. Die eine oder andere Destille hatte ein ausgefeiltes Besucherzentrum und andere nur einen kleinen Raum neben den Büros, was sehr einladend war, da man sich nicht überall dem Kommerz ausgeliefert fühlte. Doch was herausstach war, dass alle Personen in den Destillen extrem nett und zuvorkommend waren und man mit keiner noch so blöden Frage allein gelassen wurde. Wir bekamen auch noch etliche Tipps und konnten noch so manches entdecken dadurch: ich sag nur Austern!


Eine absolute Empfehlung ist auch das Bowmore Hotel, wo wir fast alle Abende verbrachten. Neben der ultra-netten Bedienung, dem schmackhaften Essen, haben sie dort mit die größte Whisky-Auswahl auf der Insel, die man sich vorstellen kann. Ein Traum, auch zum Anschauen und leider unmöglich alles zu probieren. Ein kleines Schmankerl waren ein paar Biere der Destillen (eigentlich eine Vorstufe der Whisky-Produktion), die sogar manchmal ganz gut schmeckten und absolut empfehlenswert sind.  Gerade das Kilchoman Bier ist sehr sehr rauchig. Und einige von den Bowmore Bieren reifen in alten Eichenfässern und bieten ein breites Geschmackserlebnis.
Also, wenn man nach Islay will: 1.) Gutes B&B aussuchen 2.) Destillen abtelefonieren, um Termine zu bekommen 3.) Kleine Gefäße zum Abfüllen mitnehmen 4.) Genießen. Gerade weil wir nicht alle Destillen gemacht haben, würden wir auch wegen des Whiskys wiederkommen und alle Destillen ausprobieren.


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Schottische Partie II: Islay

Von Edinburgh ging es mit dem Mietwagen in einer langen Fahrt entlang des Loch Lomond nach Kennacraig, von wo aus wir mit der Fähre zur Insel Islay vor der Westküste Schottlands übersetzten. Wir wohnten in einem wunderschönen Bed-and-Breakfast etwas außerhalb der Inselhauptstadt Bowmore. Vor unserem Fenster wuchs ein Gerstenfeld für die Whisky-Produktion auf der Insel, und in der Bucht konnten wir die Vögel beobachten. Abgesehen vom Whisky (dazu später mehr), hatte die Insel auch landschaftlich einiges zu bieten. Meist ging es über “single track roads”, einspurige Straßen mit Ausweichbuchten, bis in die entlegendsten Winkel der Insel. Mal steckten wir auf so einer Straße fest, weil ein aufgebrachter Bulle uns den Weg versperrte, und mußten das Auto abstellen. Mal begegnete uns ein Rehbock am Rand der Straße, die zu allem Überfluß auch genau dort auf beiden Seiten eingezäunt war. Eine ganze Weile hüpfte er vor unserem Auto her, bis er endlich entkommen konnte.

Wir erkundeten zunächst Loch Gruinart im Norden der Insel. Die tiefe Bucht verwandelt sich bei Ebbe vollkommen in eine Sandfläche. Ganz so lange blieben wir zwar nicht, aber doch lang genug für einen Strandspaziergang, bei dem wir die Austernfischer und andere Vögel beim Picken im Sand beobachten konnten. In der Bucht werden außerdem Austern gezüchtet, die man in einer Farm in Craigens an der Südspitze der Bucht erwerben kann. Es war schon eine besondere Atmosphäre dort: wir stapften zunächst über die Farm, die Bäuerin war gerade mit den Kühen im Stall beschäftigt und kam dann rüber in den kleinen Verkaufsraum, wo in einem Wasserbecken die Austern lagerten. Sie machte uns ein paar auf, die wir gleich vor Ort schlürften. Meine ersten Austern, und ich war begeistert! Gar nicht glitschig, sondern schön fest, und so ein frischer Geschmack nach Meer :-)

Eigentlich hatten wir ja in Loch Gruinart auch Seehunde sehen wollen, aber die zeigten sich uns dort nicht. Auch in der Bucht in der Nähe der Kildalton Chapel fanden wir sie nicht. An dem aufgelassenen, malerischen Kirchlein steht dafür eines der keltischen Kreuze der Insel aus dem 8. Jh. Seine bemerkenswerten Reliefs zeigen neben Rankenwerk biblische Szenen. Die ersten Seehunde sahen wir erst ein paar Kilometer weiter in einer Bucht bei Ardbeg. Das richtige Seehund-Paradies entdeckten wir aber schließlich in der idyllischen Bucht von Portnahaven. In diesen klitzekleinen, verträumten Ort mit seiner malerischen Hafenbucht mit kleinem Sandstrand habe ich mich sofort verliebt. Auch die Seehunde fühlten sich dort sichtlich wohl. Die putzigen Tiere tummelten sich nicht nur auf den Felsen der gegenüber gelegenen Leuchtturminsel, sondern auch mitten im Hafen. Während die Ebbe offenbar einige Felsen in der Bucht freispülte, ließen sich darauf direkt vor unserer Nase erst ein, dann zwei Seehunde die Sonne auf den Bauch scheinen. Ich konnte mich gar nicht sattsehen! Und das verrückteste war: nachdem man sie einmal erkannt hatte, entdeckte man plötzlich überall in der Ferne Seehunde auf den Felsen.

Uns hat Islay jedenfalls ausgesprochen gut gefallen! Und die vier Tage auf der Insel reichten keinesfalls, um alles zu erkunden, was Islay zu bieten hat. Grund genug, um vielleicht noch einmal wiederzukommen ;-)


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Schottische Partie I: Edinburgh

Nachdem wir den Hadrianswall abgewandert waren, wollten wir nun jene Gegend erkunden, von der sich die Römer mit dieser Mauer so vehement abgrenzen wollten, das wilde Land der Schotten. Unsere erste Station war Edinburgh. Ich muß sagen, die Stadt überforderte uns in diesem Moment einfach total. Eine Woche lang hatten wir außer Schafen und Kühen kaum eine Menschenseele gesehen, nun fanden wir uns inmitten von Menschenmassen wieder, die sich durch die Straßen der Altstadt drängten. Angeblich verdoppelt sich ja die Bevölkerung Edinburghs im Sommer, wenn ein Musik- und Theaterfestival die Massen anlockt… Insgesamt schaffte es die Stadt so einfach nicht, uns zu überzeugen. Zwar begeisterte mich unser zum Glück etwas abseits des Trubels gelegenes B&B gleich schonmal damit, daß vor unserem Zimmer Tim-und-Struppi-Hefte zur Lektüre auslagen, obenauf der in Schottland spielende Band. Doch die Burg, Edinburghs Hauptsehenswürdigkeit, und vor allem die darin eingerichteten Museen, wie Dioramen, in denen die Geschichte der schottischen Kronjuwelen nachgestellt waren, oder das Prisons of War Museum mit rekonstruierten Kerkerräumen samt Hängematten, in denen im 18. Jh. die Kriegsgefangene eingesperrt gewesen waren, waren eher pseudointeressant. Am besten war neben dem Ausblick auf die Stadt noch der Hundefriedhof, auf dem die Haustiere von Offizieren und Regimentsmaskottchen begraben sind. Zum Glück gab es unten in der Stadt das National Museum of Scotland. Dort schauten wir uns ausführlich die “Early People” Abteilung an, die auf interessante Weise weniger chronologisch als thematisch gegliedert war und wieder mit vielen spektakulären Funde aus organischem Material aufwartete. Für die restliche schottische Geschichte ab 1100 und die anderen beiden großen naturkundlichen und ethnographischen Abteilungen des Museums reichte unsere Energie dann aber nicht mehr. Wir nutzten die beiden Abende in der Stadt lieber dafür, malwieder richtig gut zu essen. Statt wie auf der Wanderung nur den einen einzigen Dorfpub zur Auswahl zu haben, vermochten wir uns dort zwischen den vielen guten Restaurants kaum zu entscheiden. Wir wählten schließlich einmal den Gewinner der schottischen Curry Awards (noch so eine Sache, die uns in England und Schottland auffiel – hier hat jeder irgendeine Art von Award) und einmal feine schottische Cuisine, die vor allem mich in die Welt der schottischen Meeresfrüchte entführte.