Häferlkaffee


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Salzburg II: Auf der Suche nach der römischen Stadt

Der nächste Tag sollte eigentlich dem römischen Salzburg, Iuvavum, gewidmet sein, von dem ich bis auf die paar Römersteine in St. Peter und einigen spärlichen Ausgrabungsfunden aus der latènezeitlichen Höhensiedlung bzw. dem späteren römischen Heiligtum auf dem Festungsberg bisher nichts gesehen hatte. Also steuerte ich morgens als erstes das stadtgeschichtliche Salzburg Museum an, wo ich die reichen Funde der römischen Stadt erwartete – und herb enttäuscht wurde. Bis auf einige Statuetten aus Pfeiffenton – darunter auch einer der Salzburger Dornauszieher – aus den Grabungen auf dem Bürglstein um 1800, die als Teil der neueren Stadtgeschichte präsentiert wurden, und einer römischen Mauer mit Wandmalerei des 2. Jhs., im Hof der Neuen Residenz ausgegraben und in den Museumskeller versetzt, gab es dort nichts Römisches zu sehen. Aus Platzgründen wären die Antiken gerade nicht ausgestellt, hieß es. Überhaupt war das halbe Museum wegen des Aufbaus der Landesausstellung gerade geschlossen… Wutentbrannt ging ich weiter zum umlagerten Geburtshaus Mozarts. Dort gab es u. a. die Kindergeige des kleinen Wolfgang Amadeus zu sehen und einige Erinnerungsstücke an den Komponisten, darunter drei Objekte mit seinen Haarlocken, die, wie Analysen gezeigt haben, jedoch von zwei verschiedenen Personen stammen (ob einer davon Mozart war, wer weiß). Außerdem mußte ich natürlich noch die “originalen” Mozartkugeln als Mitbringsel erstehen – “original” sind übrigens nur die Pralinen, die seit 1890 der Salzburger Konditor Fürst herstellt, Nachahmerprodukte aus Salzburg dürfen sich lediglich “echt” nennen. Beim ersten Bissen offenbart sich sofort der Qualitätsunterschied!

Immer noch enttäuscht von meiner morgendlichen Pleite entschloß ich spontan, nach Hallein zu fahren und den Nachmittag im dortigen Keltenmuseum zu verbringen. Schon die Fahrt durch das Salzachtal mit Blick auf die schroffen Berge war sensationell! Auch das Museum vermochte mich auf Anhieb zu überzeugen: moderne, kreative Präsentation, Texte für jedes Interesse, von ganz allgemeinen Einführungen bis zu Detailinformationen, deutlich differenziert durch unterschiedliche Schriftgrößen, und vor allem ganz tolle Funde aus Gräberfeldern, Siedlungen und Salzbergwerken auf dem Dürrnberg! Die gut konservierten Funde aus den Salzbergwerken ließen den eisenzeitlichen Alltag wieder lebendig werden und erinnerten mich an den Hadrianswall (diese Schuhe ;-) !). Spektakulär und vor allem sehr fantasievoll waren die vielen verschiedenen Fibeln und die Schnabelkanne aus dem 5. Jh. v. Chr. aus einem Fürstengrab am Dürrnstein. Wieder besänftigt fuhr ich zurück nach Salzburg und von dortaus nach Wien.

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Salzburg I: Von St. Peter auf den Festungsberg

Ein langes Wochenende zum österreichischen Nationalfeiertag. Dazu traumhafter Sonnenschein. Und ich fuhr endlich mal nach Salzburg. Über der Stadt thront die Festung Hohensalzburg, wie ich schon bei meiner abendlichen Ankunft erkennen konnte. Dennoch begann ich am Samstag morgen meine Stadtbesichtigung zunächst in der Erzabtei St. Peter,  bereits Ende des 7. Jhs. gegründet das älteste Kloster im deutschsprachigen Raum. Ich erkundete den Friedhof, auf dem Mozarts Schwester Nannerl ebenso begraben liegt wie Haydns Bruder Johann Michael, einst Hofkomponist des Salzburger Erzbischofs, und seine “Katakomben”, in den Fels gehauene Räume – eine Kapelle und eine Grabkammer -, die jedoch nicht unterirdisch angelegt, sondern in luftiger Höhe in die Felswand geschlagen sind. Sie gehen möglicherweise ebenfalls bereits auf die Spätantike zurück und dienten ursprünglich vielleicht Einsiedlern als Zufluchtsort. In der Stiftskirche, in der auch einige “Römersteine” vermauert sind, ist in einem antiken Sarkophag der Heilige Rupert bestattet, der Schutzpatron der Stadt, erkennbar an seinem Salzfaß. Schließlich holte ich mir in der Stiftsbäckerei noch ein Holzofenbrot, bevor ich die Festung erklomm. Die auf das 11. Jh. zurückgehende Burganlage imponiert durchaus. Aus dem mittleren 12. Jh. stammt eine kleine Kapelle, von deren aufwendiger Wandmalerei noch einige spärliche Reste erhalten sind. Am meisten stach auf der Burg jedoch das Rübenwappen des Fürsterzbischofs Leonhard von Keutschach (1495-1519) ins Auge, mit dem dieser der Burg überall seinen Stempel aufgedrückt hatte. Der Fürsterzbischof ließ auch die Fürstenzimmer einrichten, deren kleinteiliger Dekor mit den verrücktesten Fabelwesen einem Gemälde Hieronymus Boschs entsprungen schien. Vom höchsten Turm der Festung genoß ich schließlich noch den fantastischen Rundumblick über Salzburg und Umgebung. Wieder zurück in der Stadt war es dann genau derselbe Blick, der sich mir auch im Rundgemälde von Johann Michael Sattler aus dem Jahr 1829 eröffnete, das in einem eigenen Panorama-Museum ausgestellt ist – nach Innsbruck und Waterloo – das dritte historische Panorama in meiner Sammlung. So unternahm ich ganz nebenbei eine kleine Zeitreise ;-)