Häferlkaffee


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Auf dem Fichtelberg

Natürlich konnten wir nicht wieder aus dem Erzgebirge wegfahren, ohne zwei Dinge gemacht zu haben: Erzgebirgische Holzkunst kaufen und den Fichtelberg besteigen. Für ersteres bietet Oberwiesenthal eine riesige Auswahl – neben Sportgeschäften scheint der Ort sonst nur aus Kunstgewerbeläden zu bestehen -, und ich bin nun stolze Besitzerin eines Nachtwächter-Räuchermännchens und einer Miniatur-Reisigfrau. Mit der ältesten Luftseilbahn Deutschlands, seit 1924 in Betrieb, fuhren wir dann auf den Fichtelberg. Mit fast 1215 m ist er der höchste Berg Sachsens. Dort oben endete unsere Urlaubswoche dann so, wie sie begonnen hatte: im Nebel. Die Sprungschanzen hatten wir von der Gondelbahn aus sehen können, das Fichtelberghaus konnten wir oben angekommen im Nebel nur erahnen. Nachdem wir uns mit einem heißen Kakao gestärkt hatten, wanderten wir durch märchenhafte Nebelwälder rasch hinunter ins Tal. Genau das richtige Wetter für die Heimreise ;-)


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Brotbacken in Oberwiesenthal

Eigentlich waren wir ja nicht wegen des Karlsbader Mineralwassers nach Oberwiesenthal gekommen, sondern wegen eines Brotbackkurses. Lutz Geißler, ein bekannter Foodblogger und meisterlicher Brotbäcker, führte uns in die Grundlagen des Brotbackens ein. Wir erfuhren alles über die richtige Temperatur des Sauerteigs, die besten und reinsten Backzutaten und die Abgründe der Backindustrie. Wir versuchten uns im Teigmischen, Abstechen von Teiglingen, Formen und Verzieren von Brötchen, darin, die Luft ins Baguette zu bekommen und Roggenbrot die korrekt marmorierte Kruste zu verpassen. Heraus kamen herrlich feste Brötchen, säuerliches Roggenbrot und vor allem ein himmlisch duftiges Baguette, von dem ich gerne mehr gegessen hätte. Ich hatte mich ja vorher mit dem Brotbacken noch gar nicht beschäftigt – und trotz guter Vorsätze habe ich jetzt auch noch kein einziges der mit Lutz erprobten Brote nachzubacken versucht. Ob ich also jetzt zum großen Brotbäcker werde, weiß ich noch nicht – aber auf jeden Fall aber hat der Kurs mein Interesse an gutem Brot vertieft und meinen Ehrgeiz geweckt, noch mehr darauf zu achten.


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In den Felsen II

Das absolute Highlight unserer Felsentouren in der Sächsischen Schweiz war die Wanderung zu den Schrammsteinen. Los ging es in Schmilka, einem verschlafenen kleinen Ort direkt an der tschechischen Grenze. In der Mühle mit angeschlossener Bio-Bäckerei versorgten wir uns zunächst mit leckerem Proviant. Dann spazierten wir am Fuß der Felsen entlang, bis wir über eine steile Leiter schließlich die Schrammsteinaussicht erreichten. Hier thront man in luftigen 417 m Höhe – mitten in der Landschaft, der Wind bläst einem ins Gesicht – und blickt über die Schrammsteine, am Horizont die Ziele unserer vorangegangenen Ausflüge. Das Hochgefühl läßt sich nicht beschreiben! Um uns herum spielten sich währenddessen Ehedramen ab (“Komm rüber, es ist schön hier!” – “Nein danke, ich möchte nicht weiter”…). Wir konnten uns nur schwer losreißen. Doch es ging atemberaubend weiter: über den schmalen Gratweg wanderten wir ganz oben auf den Schrammsteinen entlang. Und als wir dachten, es ginge nicht noch schöner, kam die steile Heilige Stiege, über die wir bei herrlichem Ausblick auf die Felsen uns gegenüber wieder hinab nach Schmilka stiegen. Schmilka selbst ist ein kleines kulinarisches Paradies: neben der Mühlenbäckerei gibt es dort noch das Bio-Restaurant Strandgut. Wir saßen in einem verwunschenen Garten an der Elbe. Ich freute mich so über das gute, frische Essen, teilweise sogar im eigenen Gemüsegarten angebaut – und endlich mal ganz ohne Fleisch. Denn das war eigentlich das einzige Manko an der Sächsischen Schweiz, daß es fast überall nur schlechtes, fettiges, und auch geschmacklich nie wirklich überzeugendes Essen gab.

Nach diesem einzigartigen Tag in den Schrammsteinen konnte uns die Bastei nicht mehr so recht begeistern. Da ein Besuch dieses historischen Touristenziels ja aber wohl zu jeder ordentlichen Reise in die Sächsische Schweiz dazu gehört, stiegen auch wir von Rathen aus hinauf zur bereits 1851 errichteten Basteibrücke. Dort und vor allem auf dem darüber gelegenen Aussichtspunkt begegneten uns die Touristenmassen, von denen wir bisher verschont geblieben waren. Wir flohen schnell wieder und wanderten durch den Amselgrund, mit kurzer Pause am Amselfall – einem weiteren aufziehbaren Wasserfall, den wir jedoch nicht in Aktion erlebten -, zurück nach Rathen.


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In den Felsen I

Am nächsten Tag war plötzlich wieder Sommer, und so blieb es nun an all unseren Tagen in der Sächsischen Schweiz. Wir wohnten in einer netten Ferienwohnung mit Blick auf den imposant aufragenden Lilienstein, den wir sogleich erklommen. Durch Wälder ging es hinauf auf den Tafelberg. Von oben konnten wir uns nun endlich ein Bild von der gegenüber liegenden Festung Königstein machen. Was die Sächsische Schweiz abgesehen von den fantastischen Felsformationen so faszinierend machte, war daß wir dank der in Felsspalten und Klüfte hineingebauten Stiegen, Leitern, kleinen Brücken und in den Fels gehauenen Stufen bis ganz oben auf die Felsspitzen steigen konnten, wobei sich immer wieder neue Ausblicke ergaben. Wir waren sozusagen den Felsen ganz nah. Vom Lilienstein ging es über eine steile Treppe hinunter ins Elbtal. Noch lange war der kleine Obelisk, der anläßlich des Besuchs August des Starken 1708 auf dem Plateau errichtet worden war, in der Ferne sichtbar. An der Elbe entlang spazierten wir dann bis nach Rathen und fuhren mit dem Zug zurück.

Als nächstes fuhren wir mit der traditionellen, seit 1898 verkehrenden Kirnitzschtal-Bahn zum Lichtenhainer Wasserfall. Das Bächlein, normalerweise ein kleines Rinnsal, wird durch ein aufziehbares Stauwehr alle halbe Stunde zu einem veritablen Wasserfall – seit 1830 eine Touristenattraktion. Von dort aus wanderten wir in einer Runde zunächst zum Kuhstall, einem gewaltigen Felsentor, überzogen von Graffiti von Generationen von Reisenden. Die schmale “Himmelsleiter”, über die wir durch eine winzige Felsspalte auf das Plateau des Neuen Wildensteins hinaufstiegen, brachte uns dann aber doch an unsere Grenzen… Weiter ging es über die gegenübergelegenen Affensteine zum Frienstein, wo wir uns dann aber doch nicht auf dem schmalen, ungesichterten Felsvorsprung in die Idagrotte wagten. Der Blick aber war atemberaubend!


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Festung im Nebel

An unserem ersten Tag in der Sächsischen Schweiz regnete es, und wir erklommen die Festung Königstein. Der Tafelberg war gespenstisch in Nebel gehüllt – wie imposant er über der Elbe thront, sollte sich uns erst auf unseren Wanderungen der nächsten Tage offenbaren. Seit dem 12. Jh. gab es wohl eine Burg auf dem Plateau, das Kurfürst Christian I. Ende des 16. Jhs. zur stärksten Festung Sachsens ausbauen ließ. Der Königstein galt als uneinnehmbar. Als Sachsen Mitglied des Rheinbundes wurde, soll 1813 sogar Napoleon dort vorbeigeschaut haben. Nach 1870 wurde die Festung noch einmal ausgebaut. Zufällig waren wir am Tag des offenen Denkmals auf der Burg und hatten so die Gelegenheit, in einige dieser Ende des 19. Jhs. neu angelegten Kasematten hineinzuschauen. In den hohen, überwölbten Gängen fühlten wir uns sofort an das ungefähr zeitgleich errichtete Fort Loncin erinnert. Und der Königstein blieb eine Festung: eine dieser Kasematten war zu DDR-Zeiten zu einem Zivilschutzbunker ausgebaut worden.


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Zwischenstopp bei Karl May

Auf dem Weg in unseren diesjährigen Sommerurlaub – eine viel zu kurze Woche im September zwischen Sächsischer Schweiz und Erzgebirge – machten wir Station im einstigen Zuhause von Karl May, der Villa Shatterhand in Radebeul bei Dresden. Hier wohnte der Schriftsteller von 1896 bis zu seinem Tod 1912. Einige der Räume sind wieder original eingerichtet. In dem düsteren Arbeitszimmer im orientalischen Stil mag man sich Karl May auf der Ottomane ruhend vorstellen. Im Empfangszimmer zog mich das monumentale Gemälde “Der Chodem” von Sascha Schneider in seinen Bann. Die Werke dieses Malers zwischen Symbolismus und Freikörperkultur faszinierten offenbar auch Karl May, der bei ihm eine Serie von Deckelbildern für seine Bücher in Auftrag gab (die bei seinem Verleger jedoch deutlich weniger Anklang fanden und bald wieder ausgetauscht wurden).

Hinter der Villa Shatterhand steht die Villa Bärenfett, die erst nach Karl Mays Tod 1926 errichtet wurde. In dem Blockhaus wohnte der Artist und Karl-May-Verehrer Patty Frank, der darin mit den Mitbringseln von der Amerika-Reise der Mays und seiner eigenen umfangreichen Sammlung ein Indianermuseum einrichtete. Etwas Skurriles hatte das Ganze schon: ein bißchen Grusel zwischen Tierpräparaten, Dioramen und Ausstellung mit ethnologischem Anspruch, wobei zu den Objekten leider jegliche historische Einordnung fehlte. Und was besonders schräg war: Im Museumsshop gab es noch die DDR-Postkarten, die anläßlich der Wiedereröffnung des Museums 1985 gedruckt worden waren und in so manche Kindheitserinnerung eingebrannt sind.