Häferlkaffee


2 Comments

Pankow Update

Unser Berliner Lieblings-Eisladen hat seine Produktion nach Pankow verlegt – und zwar genau in das leerstehende “Vineta-Eck”, über das ich hier vor einigen Jahren schonmal berichtet habe. Seit letzter Woche ist dort nun auch ein kleiner Eisverkauf geöffnet. Die Schlange ist schon so lang wie am Prenzlauer Berger Stammgeschäft – kein Wunder, an einem Feiertag mit wunderschönstem Sonnenschein ;-) -, und das Eis schmeckt unwiderstehlich nach mehr. Das Beste aber ist: sie haben das tolle Wandbild erhalten!!!  Hier werde ich sicher Stammgast :-)

Advertisements


Leave a comment

Urbs Venetorum im Vineta-Eck

An der Berliner Straße, Ecke Tiroler Straße war lange Zeit ein An- und Verkauf. In dem zugehörigen Antiquariat habe ich einige archäologische Bücher gekauft, und auch sonst gab es manchmal was zu entdecken, auch wenn wir nicht besonders oft drin waren. Nun steht der Laden schon seit Längerem leer, aber erst im September habe ich zufällig mal durch die verstaubten Scheiben geschaut. Früher war der An- und Verkauf so vollgeräumt, daß man gar nicht erkannt hat, daß er in einem ehemaligen Lokal eingerichtet war. Nun, so ganz leer, zeichnen sich die Strukturen der ziemlich geräumigen Kneipe deutlich ab: die Toiletten im hinteren Teil des Lokals, die Bar – teilweise mit Spiegelfliesen -, die Garderobenständer, und an der Rückwand des ersten Raumes: ein monumentales Wandgemälde! Es zeigt die versunkene Stadt Vineta – Urbs Venetorum – mitsamt Ritterburg, schwimmenden Rittern und Meerjungfrau. Ich würde schätzen, es stammt aus den 50er Jahren. Die Fotos sind leider schrecklich schlecht, aber besser ging es durch die verdreckten Scheiben an einem Sonnentag nicht. Auch sonst ließ sich nicht viel über das mysteriöse Wandgemälde herausfinden. Dem Grundriß des Hauses nach zu urteilen, war dort von Anfang an ein Lokal vorgesehen. Noch mindestens bis in die 1990er Jahre befand sich in diesen Räumlichkeiten das “Vineta-Eck”. Noch früher – seit dem Bau des Hauses? – hieß es “Pankower Bierhallen”. Nun ist zu befürchten, daß ein neuer Mieter diesen Schatz von einem Wandbild nicht erhalten wird. Schade! Ich fantasierte gleich, wie gut sich dieses Bild als backdrop meines Wohn- oder Arbeitszimmers machen würde – aber dann wären mir diese Räumlichkeiten doch zu exponiert.


Leave a comment

Pankow Gentrification

Alles fing spätestens damit an, daß es plötzlich auch in Pankow einen Fotoautomaten gab, und zwar am Gelände der ehemaligen Willner Brauerei, die 2012 mit einem entspannten alternativen Biergarten und Künstlerateliers wiederbelebt wurde. Anfangs noch angenehm ruhig, werden dort nun die Fahrradparkplätze knapp, wenn sich abends eine Schlange aus Herren mit Bärten und Dutt und dazu passenden Damen bildet. Pankow hat eine In-location. Inzwischen ist auch der Trend zu Burgerbrätern und gutem Eis in Pankow angekommen. Seit diesem Jahr gibt es am Rathaus eine Filiale von Schiller-Burger, trendig spartanisch eingerichtet. Wir mußten natürlich mal probieren und waren durchaus zufrieden. Ich fand den Burger mit Ziegenkäse mit dem klingenden Namen “Thalia” wirklich lecker, und vor allem gibt es Süßkartoffel-Pommes, von denen ich seit New York ein echter Fan bin! Etwas weiter die Straße runter hat, ebenfalls in diesem Jahr, mit dem Eisspatz endlich auch eine Eis-Alternative in der Nähe aufgemacht. An Lieblings-Eisdielen wie das Hokey Pokey kommt der Geschmack des selbstverständlich hausgemachten Eises zwar nicht heran, aber die große Auswahl mit durchaus auch ungewöhnlichen Sorten kommt mir ganz entgegen. Zudem schmeckt das Eis gut und ist vor allem besser als alles andere, was es bisher hier in der Ecke gab.

Natürlich sind diese jüngsten Neuzugänge nur die konsequente Fortsetzung einer längeren Entwicklung gen Pankow. Seit Jahren werden in Pankow alle verbliebenen Baulücken geschlossen. Historisch gesehen war Pankow zwar nie besonders dicht bebaut, und viele freie Parzellen in Pankow und dem nördlichen Prenzlauer Berg (wie z.B. das Grundstück einer beliebten LKW-Vermietung) sind nicht etwa Kriegsschäden, sondern waren einfach nie bebaut. Aber das ändert sich jetzt. Nun sind auch die letzten Baulücken dran. Gerade ist auf der Berliner Straße das Esplanade abgerissen worden. 1932 wurde an dieser Stelle ein Kino mit dem Namen “Odeum-Lichtspiele” eröffnet. 1945 schwer beschädigt, wurde es nach dem Krieg mit moderner Glasfront wiederaufgebaut und war bis 1964 in Betrieb. Esplanade hieß ursprünglich nur die zugehörige Milchbar. Nach der Schließung des Kinos war dort zwischenzeitlich ein Puppentheater untergebracht und nach der Wende dann ein Tanz- und Nachtkaffee. Irgendwie erschien das Esplanade mit seinen bunt flackernden Partylampen immer wie ein Relikt aus früheren Zeiten. Ich erinnere mich noch, wie manchmal das Wummern der Party bis in unser Schlafzimmer drang. Vorbei. Ein Zeugnis von DDR-Architektur weniger. Jetzt entstehen dort Wohnungen, großzügig bemessen mit 27-59 m². Ich freu mich schon…

 


Leave a comment

An der Panke (Teil 2)

Wieder einmal in Berlin beschlossen wir der Panke in voller Länge unsere Aufwartung zu machen. Das letze Mal von ihrer Mündung und diesmal wollten wir sie an einem sonnigen Tag von ihrer Quelle her erkunden. So begaben wir uns zuerst mit unseren Drahteseln mittels S-Bahn nach Bernau. Etwas außerhalb von Bernau an der Bahnstrecke nach Frankfurt/Oder suchten wir zuerst vergeblich den Pankeborn (Born meint hier Brunnen bzw. Quelle). Wir waren schon recht verzweifelt, weil wir die Quellfäche erkannten, die abgetrennt vom heutigen Quellpunkt ist. Irgendwann ergriffen wir den Mut und erklimmten einen kleinen Damm und tatsächlich dahinter tat sich der Pankeborn auf, der trocken, aber von Liebhabern gekennzeichnet, posierlich vor uns lag.

Im Folgenden fuhren wir per Rad an der Panke entlang, die sich als Rinnsal präsentierte und erst später förmliche Gestalt annahm. Meist erkannten wir sie an den Feuchtflächen und mussten auch so manche Male suchen, wenn wir wieder einmal dem Verlauf nicht direkt folgen konnten. Sobald die Panke hinter Bernau statdeinwärts größer wurde, ist sie vor allem durch die Artenvielfalt entlang ihres Verlaufs sehr interessant. Einige Male verläuft sie an Kleingartenanlagen entlang, wo man sie kaum wahrnimmt, und dann wieder durch große Freiflächen. Auf Höhe Zepernick ist der Panke-Wanderweg auch so gut ausgebaut, dass man ihm gemütlich folgen kann. Desto näher man den urbanen Ausläufern Berlins kommt, umso mehr gibt es doch Ecken, wo die Wildheit und Verträumtheit einfach nicht rüberkommt, so in Buch und an der A114. Umso schöner sind aber gerade die Teile in der Nähe des Schlossparks Buch und rund um die Karower Teiche. Das schöne an dieser Route ist, dass man die schönen Ecken langsam erradelt und bei den nicht ganz so wilden Ecken einfach mal den sportlichen Teil des Ausflugs genießen kann. In Buch muss man den Radweg auch ein bißchen suchen, weil er um Neubauten, Schulgebäude und verlassene Einrichtungen herumführt. Die teilweise sehr geraden Strecken mit ebenso breiten Wegen lassen eine nette Unterhaltung aufkommen, so dass die Radtour nicht zur nächsten Tour de France wird. Geendet hat unsere Tour dann schlussendlich im Schlosspark Pankow, der sich am hinteren Ende mit seiner Prachtallee zeigt.

Als Fazit kann man sagen, dass gerade die Natur rund um die Panke einen Kontrapunkt zum urbanen Alltag setzt. Empfehlenswert ist es, die Tour per Rad zu machen, da die gesamte Tour sicher um die 20-25 km umfasst. Im Frühjahr gibt es nach starken Regenfällen auch schon mal Hochwasser und einige Wege sind unpassierbar, da diese Teil der Flutflächen sind.


Leave a comment

An der Panke (Teil1)

Nachdem wir am Pfingstwochenende zuerst in Bernburg und dann in Zoo Leipzig waren, entschlossen wir uns am Pfingsmontag Berlin die Ehre zu geben. So hieß dann das Motto “Panke rückwärts” – natürlich laufend. Das heißt von ihrer ursprünglichen Einmündung in die Spree am Schiffbauerdamm unterhalb des Berliner Ensemble. Zuerst schauten wir uns die leider seit ein paar Jahren verbaute Einmündung an, die wohl aufgrund der Sanierung des Ufers eingespundet ist. Zuerst sieht mal recht wenig von der Panke und wir ließen uns von Google Maps leiten. Entlang des Berliner Ensembles suchten wir nun zunächst den Weg, aber so manche Baulücke zwischen den Häusern oder Spur auf dem Boden zeigt die überbaute Panke an. So fanden wir gegenüber vom Bunker in der Reinhardtstrasse ein altes Eisengitter, welches sicherlich als Schutz vor einer damals noch nicht überbauten Panke errichtet worden war und doch die Zeiten irgendwie überstanden hat und an die alte Macht der Panke gemahnt.


Am Campus Nord der HU konnten wir dann das erste Mal die Südpanke, wie der Teilabschnitt heute heißt, seitdem die Einmündung der Panke in den Humboldthafen verlegt wurde und die Südpanke selbst nur noch als Überlaufkanal genutzt wird. So schlängelt sich die Panke teils überbaut, teils gut sichtbar durch den Campus, den wir nebenbei auch einmal erkundeten. Einige Male stiegen wir herab, um einen direkten Eindruck vom Verlauf zu bekommen und einen geeigneten Blick auf die Verbauung zu erhaschen. Auf der Höhe des Naturkundemuseums suchten wir zunächst den weiteren Verlauf, denn was Google noch nicht weiß, ist, dass die Panke zum Invalidenpark verlegt wurde und nun als feudaler Wassergraben das Verkehrsministerium vor dem Volke schützt (laut Google lief die Panke früher zwischen Naturkundemuseum und Verkehrsministerium). Dank dieses Fauxpax erhielten wir auch den seltenen Blick auf die recht eindrucksvollen Hinterhöfe des Naturkundemuseums, das scheinbar nun endgültig von den letzten Kriegsschäden bereinigt wird. Auf dem Invalidenpark nutzten wir auch sofort die Gelegenheit, das dortige Denkmal zu erkunden. Hinter dem Verkehrsministerium verschwand die Panke nun wieder und tauchte erst beim Neubau des BND auf.


Hier lag sie nun, das traurige, modrige Rinnsal. Zwischen einer Reihenhaussiedlung und BND erscheint dieser Teil der Südpanke. An dieser Stelle machten wir einen Abstecher zum Invalidenfriedhof, ehemaliges Grenzgebiet und Grabstätte einer Menge Persönlichkeiten des preußischen Militärs. Zurück zur Panke gingen wir entlang eines Sandhaufens, und wieder war die Panke unterhalb des Bundeswehrkrankenhauses verschwunden. Hier tat sich leider nichts auf, wie man ihr direkt folgen kann, und so umrundeten wir das Bundeswehrkrankenhaus, um wieder den Anschluss zu finden. Auf der Höhe Chausseestrasse/Boyenstrass suchten wir nun und fanden schließlich im Asphalt ein paar Steine, die vermuten lassen, dass ein Geländer hier die Bürger schützte, in die offene Panke zu fallen. Ein Gullideckel der Wasserbetriebe führte uns dann auf die Spur der Panke, die aus dem Innenhof dieses Hauses kommen muss. Im dort anschließenden Park ist nichts mehr von der Panke sichtbar, und wir vermuten, dass früher die Panke hier offen in einem Graben lief, aber dieser nun überdacht ist. Am Ende des Parks findet man nun eine automatische Rechenanlage, die die Panke zeigt, und ein paar Rohre deuten an, dass die Südpanke nur ein Überlaufkanal ist und ihrer ursprünglichen Pracht komplett beraubt ist. An dieser Stelle führt dann die restliche Panke in den Kanal zum Humboldthafen. An diesem Punkt verstand man nun, warum die Südpanke so lebensarm ist, denn ohne ständig fließendes Wasser ist der Fluss kastriert und nur mehr ein Kanal.


Als Pankeliebhaber gingen wir nun entlang der heutigen Panke den Pankeweg und sahen uns noch ein bisschen den Wedding an. Die Panke hier war nun deutlich lebendiger und zog Mensch und Tier beidermaßen mehr an, als es die Südpanke vermag. Im weiteren Verlauf, sahen die nun endgültig geschlossene Schwimmhalle in der Gerichtsstrasse, die Wiesenburg (ein altes Herrenasyl noch aus der Kaiserzeit und heute ein leider bedrohtes Kulturzentrum), den alten Busbahnhof und landeten am Ende im Rosengarten im Bürgerpark in Pankow, wo wir bei einer Limo den Spaziergang ausklingen ließen.

Zusammenfassung: ca. 8-10km Spaziergang durch Winkel der Stadt, die man nicht so oft sieht. Leider ist der Weg an der Südpanke nicht sonderlich ausgebaut, so dass man etwas Gespür und eine gute Karte braucht. Auch sollte man sich nicht scheuen, einen nicht so offiziellen Weg zu gehen. Weitestgehend aber überraschend gut begehbar. Sobald man die Panke erreicht, kann man dem Pankeweg laufen.

 

Mehr zur Panke und ihrer Geschichte
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Panke
[2] http://panke.info