Häferlkaffee


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Ausflug ins Salz

Mit gemischten Gefühlen kamen wir von einem Wochenende im Salzkammergut zurück. Einerseits war da diese wunderschöne Landschaft. Wir wohnten in einem Traditionshaus in Bad Goisern, an dessen Stelle sich bereits in der Römerzeit eine Herberge befunden haben soll ;-) , und aus dem Fenster bot sich uns ein herrlicher Blick ins Grüne auf ein kleines Kirchlein. Als wir an den Hallstätter See fuhren, präsentierte sich dieser zunächst dramatisch wolkenverhangen, darüber lugten die verschneiten Bergspitzen hervor. Es war so schön, ich hätte sofort den nächsten Urlaub in der Region buchen können! Anderseits war da dieser unerträgliche Touristenrummel. In Hallstatt selbst, dem eigentlichen Ziel unseres Ausflugs, reihten sich Souvenirgeschäfte und Gaststätten mit immer gleichem, nichtssagendem Angebot aneinander, dazwischen wimmelte es von selfie-knipsenden Gästen aus aller Welt. Dabei ist der kleine Ort, dessen Holzhäuser sich malerisch am Seeufer an den Hang schmiegen, eigentlich recht niedlich. Sehenswert war zumindest das Beinhaus der Michaelskapelle, in dem seit dem 18. Jh. die kunstvoll bemalten Schädel der Toten aufbewahrt werden, die bei der Neubelegung eines Grabes exhumiert wurden. Da wir sowieso wegen der prähistorischen Vergangenheit der Stadt gekommen waren – schließlich gibt Hallstatt einer ganzen Epoche ihren Namen – , fuhren wir hinauf auf den Salzberg. Dort befanden sich in einem Hochtal neben dem Salzbergwerk, das wohl das älteste der Welt und noch heute in Betrieb ist, in der Bronze- und Eisenzeit die Siedlung der Bergarbeiter und das zugehörige Gräberfeld, von dem bisher ca. 1500 Bestattungen freigelegt wurden. Leider erinnert heute nur noch wenig an diese bedeutende Stätte. Selbst im Bergwerk erfährt man kaum etwas darüber, denn die 1,5-stündige Führung war der reinste Touri-Nepp. Untertage wurden uns mehrere aufwendige, aber uninformative Animationen, eine Licht-Show und Werbefilme für die Betreiberfirma des Bergwerks präsentiert. Definitives Highlight war die im Berg ausgegrabene Holzstiege aus dem Jahr 1344 v. Chr., die in einem “Bronzezeit-Kino” präsentiert wird. Als wir wieder aus dem Berg auftauchten, schien die Sonne, und wir konnten den wunderschönen Blick über den Hallstätter See genießen. Im Museum unten im Ort gab es dann wenigstens noch ein bißchen Hallstatt-Kultur zu sehen mit einigen wenigen Funden aus dem Bergwerk (die meisten Funde sind wohl in Wien) und zahlreichen imposanten Grabbeigaben aus der Nekropole.
Wir flohen jedenfalls aus Hallstatt ins nahe gelegene Bad Ischl, wo wir auf den Spuren von Sisi und Franz Josef – sie hatten dort eine ihrer Sommerresidenzen – in der ehemaligen k. u. k. Hofzuckerbäckerei Zauner den berühmten und ganz köstlichen Zaunerstollen kosteten.

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Mauthausen

Über Mauthausen zu schreiben fällt mir schwer. Zu belastend und beschämend ist das Grauen, das durchdachte, perfide durchorganisierte Leiden und Töten, das sich in dem ehemaligen KZ noch gut nachverfolgen läßt. Aber darüber möchte ich hier gar nicht schreiben – es ist hinlänglich bekannt, was sich in solchen Vernichtungslagern abgespielt hat.

Lieber kommentiere ich die in Mauthausen gepflegte Erinnerungskultur. Mauthausen ist die einzige Gedenkstätte dieser Art in Österreich (die zugehörigen Zweig- und Außenlager sind nicht erhalten). Dennoch fährt dort kein Bus hin. Wer die Gedenkstätte besuchen will, muß fast 2 km den Berg hinauf wandern oder mit dem Auto fahren. Während man sich in Deutschland – vor allem in Berlin – ja manchmal vor Mahnmalen und Gedenktafeln kaum retten kann, sind in Österreich Monumente, die der Verbrechen der Nazizeit gedenken, doch eher spärlich gesäht. Diese andernorts schmerzlich fehlenden Monumente scheinen nun alle in Mauthausen zu sein – fast jedes Land und jede Opfergruppe hat dort in einem regelrechten “Mahnmalhain” ihr eigenes Denkmal. Die meisten Monumente sind schon älter – einige Staaten, deren Mahnmale dort stehen, gibt es nicht mehr -, andere Monumente – von neu gegründeten Staaten – sind erst in jüngerer Zeit hinzugekommen. Und jedes Land pflegt die Erinnerung auf seine eigene Weise. So ist Mauthausen auch ein wahres Museum der Erinnerungskultur.