Häferlkaffee


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New York Teil 3 – Stadtspaziergänge

An einem freien Nachmittag machte ich mich auf zum World Trade Center. An der Stelle der Twin Towers befinden sich heute zwei tiefen Wasserbecken, in deren Umfassungen die Namen aller Opfer eingeschnitten sind. Ich versuchte einen Augenblick innezuhalten und mich an 9/11 zu erinnern – aber unmöglich im Touristentrubel. Drum herum sind neue Gebäude im Bau, das glänzende verglaste One World Trade Center steht schon. In der benachbarten St. Paul’s Church, in der bereits George Washington den Gottesdienst besuchte, wird das Gedenken an die Opfer und Helfer wachgehalten. Das neu eröffnete 9/11 Museum hinterließ bei mir gemischte Gefühle: im ersten Teil, einem weiten, offenen Raum, waren einzelne Bauelemente des alten World Trade Centers in den Neubau integriert, wie eine Betonwand aus dem Fundament und die Treppe, über die viele der Überlebenden doch noch aus einem der Türme entkommen konnten. Ganz sparsam waren dort nur einige wenige Exponate ausgestellt, wie der letzte Pfeiler, an den Angehörige Erinnerungsbilder geklebt hatten, oder eine Multimediainstallation, in der man seine Gedanken hinterlassen konnte. Sehr interessant fand ich, wie dieses Museum ganz gezielt Oral History sammelt: man hätte sogar in einem Aufnahmestudio seine eigenen Erinnerungen aufzeichnen können. Auf diesen sehr reduzierten und dadurch doch sehr berührenden Teil der Ausstellung folgte dann der absolute Overkill: in einem weiteren Bereich, in dem man leider nicht fotografieren dürfte, war jeder nur erdenkliche Schnipsel zusammengetragen, um jede Sekunde des Geschehens aus sämtlichen Blickwinkeln nachverfolgen zu können, von blutigen Schuhen, angeschmorten Papieren, die aus dem Fenster gefallen waren, über Bruchstücke der Flugzeuge, bis hin zu den Aufnahmen der Attentäter aus den Überwachungskameras am Flughafen. Es gab sogar eine Abteilung zur Entstehung der al-Qaida inklusive eines Ziegels aus dem Haus Osama Bin Ladens (den habe ich in der Flut an Exponaten leider übersehen). Tonaufnahmen mit den Erinnerungen der Überlebenden und die Notrufe der Eingeschlossenen, erschütternde Fotos aus allen möglichen Blickwinkel schürten Emotionen. Viele Besucher, vor allem diejenigen, die zu jung waren, um 9/11 miterlebt zu haben, weinten. Für sie, dachte ich mir, damit sie nachempfinden können, was dieses Ereignis für ein Trauma war, braucht man vielleicht ein solches Museum, für mich war es too much.

Im nahe gelegenen China Town fühlte ich mich dann wieder wie in Südostasien. Sogar Durian Eis hätte ich hier genießen können, aber das konnte ich mir dann doch gerade noch verkneifen ;-)

An einem weiteren Nachmittag, als die Konferenz zuende war, machte ich einen ausführlichen Spaziergang durch Chelsea, West Village, Nolita und den Flatiron District, aß zwischendrin einen New York Cheesecake – massiv! – am Broadway, schaute – und hörte (eine assyrische Klanginstallation!!) – zeitgenössische Kunst im stylischen New Museum an der Bowery. Vorher gab es aber noch ein Taco, in das ich mich hätte reinlegen können, so herrlich mürbe war das Rippchenfleisch und unwiderstehlich knackig der Salat.

Kurz vor dem Abflug ging es dann noch ins MoMa, das ich allerdings kaum noch richtig genießen konnte, so sehr taten mir von all den Spaziergängen der letzten Tage die Füße weh. Und ich muß zugeben: das Gebäude mit seinen vielen Ebenen und immer wieder überraschend sich ergebenden Durchblicken faszinierte mich weit mehr als die darin ausgestellte Kunst. New York hat mir wahnsinnig gut gefallen! Als schließlich über den Spitzen Manhattans wieder die Sonne unterging, hob ich ab zurück in die Alte Welt.

 

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New York Teil 2 – Lady Liberty

Am nächsten Tag erfüllte ich mir einen Traum und besuchte die Statue of Liberty. Es regnete, und die Spitzen Manhattans hüllten sich in Wolken. Mit der Fähre fuhr ich auf das kleine Liberty Island. Dort beleuchtet ein kleines Museum im Sockel der Statue deren Entstehungsgeschichte: Wie ich vorher nicht wußte, scheiterte die Aufstellung der von Frédéric Auguste Bartholdi geschaffenen Figur, die in Frankreich zur Probe bereits zusammengesetzt worden war, beinahe daran, daß die USA keine Finanzierung für den Sockel aufbringen konnte. Erst durch eine vom Verleger Joseph Pulitzer initiierte Spendenaktion konnte schließlich das Geld aufgetrieben werden und die Statue 1886 endlich aufgebaut werden. Ich stieg im Innern der Statue bis in ihre Krone hinauf. Von dort aus blickt man von New York weg, sozusagen den Einwandererschiffen entgegen. Aber wegen des Ausblicks war ich ja nicht gekommen ;-) Mit der nächsten Fähre ging es weiter zur Nachbarinsel Ellis Island, wo zwischen 1892 und 1954 über 12 Millionen Einwanderer ankamen. Im Empfangsgebäude wurden sie im gewaltigen “Registry Room” auf Krankheiten untersucht, in kleineren Räumen befragt, und einige mußten in Massenschlafsälen übernachten. In diesem Gebäude befindet sich heute ein umfangreiches Einwanderermuseum. Die umliegenden Gebäude des ehemaligen Krankenhauses kann man leider nicht besuchen.

Zurück in Manhattan spazierte ich noch durch die Straßenschluchten rund um die Wall Street, und zum Abendessen gab es dann im Meatpacking District einen himmlischen Burger: mit Cheddar und Maple Sirup, dazu Sweet Potatoe Fries – mmmh, lecker!

 


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Spätantike in New York – Teil 1

Empfang im Institute for the Study of the Ancient World

Im Juni war ich zur Tagung “Property and Power in Late Antiquity” des International Late Antiquity Network in New York. Vier bzw. weil ich gleich noch einen Workshop zum multilingualen spätantiken und frühislamischen Ägypten mitgenommen habe, sogar fünf Tage geballtes Vortragsprogramm, das einen Überblick darüber gab, was für Themen in den verschiedenen Disziplinen der Spätantike-Forschung gerade en vogue sind.

Daneben nutzte ich jede freie Gelegenheit, um die Stadt zu erkunden. Ich war bereits ein paar wenige Tage früher angereist und wohnte am Ufer des Hudsen River in demselben Hotel wie einst die Titanic-Überlebenden. Von dort, am Rande des Meatpacking District, waren es nur wenige Schritte zur High Line, einer stillgelegten und zu einem Park umfunktionierten Hochbahntrasse, auf der man nun  zwischen den Häuserschluchten hindurch flanieren kann. Am ersten Tag traf ich mich mit einem Freund im Metropolitan Museum und war förmlich erschlagen. Schon in der Antikenabteilung wußte ich nicht, wohin ich zuerst schauen sollte, so bedeutend sind alle dort ausgestellten Stücke. Wir kämpften uns tapfer durch die Bestände und schafften es sogar noch ein bißchen in andere Abteilungen, doch es war aussichtslos. Obwohl wir fast den ganzen Tag dort verbrachten, haben wir kaum etwas von diesem gewaltigen Museum gesehen. Ich bin noch ein zweites Mal hingegangen, aber auch das reichte nichtmal ansatzsweise… Nachdem man uns aus dem Museum geschmissen hatte, fuhren wir zum Times Square mit seinen Menschenmassen und blinkenden Leuchtreklamen. Als es schon dunkel wurde, erklommen wir das Empire State Building, das seit dem Bau des One World Trade Center zwar nicht mehr das höchste Gebäude der Stadt ist, uns aus dem 86. Stock in 320 m Höhe aber dennoch einen fantastischen Blick über das nächtlich erleuchtete Manhattan bot.