Häferlkaffee


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Eis Südostasiens

Was wäre ein Reisebericht aus fernen Ländern ohne einen Post zum dortigen Eis ;-) Am besten schmeckte mir das kleine Schokoladeneis am Stiel im Bankong-Tempel in Angkor – der Eisverkäufer mit seiner Fahrrad-Gelateria tauchte aber auch genau im richtigen Moment auf, als wir vor Hitze schon beinahe umgekommen wären. In Vietnam gab es dann wegen des kühlen Wetters erstmal eine Eispause, bis wir in Hoi An das nächste Eis – Kem auf Vietnamesisch – aus einer Fahrrad-Kühltruhe probierten…und diesmal war es ein Reinfall. Das eine Eis war lila (damals wußten wir noch nicht, daß es Taro-Eis war), das andere cremefarben, roch und schmeckte grauenvoll und landete sofort im Müll. Bei der französischen Eiskette Fanny in Ho Chi Minh City, die Eis aus 100% natürlichen Zutaten herstellt, fanden wir heraus, daß es sich um Durian-Eis gehandelt hatte. Das übrige Eis war schon gut, wenn auch sündhaft teuer, fast wie in den heimischen Edeleisdielen – schräg war nur, daß die vielen Eissorten in der großen Eistruhe im Verkaufsraum nur zum Anschauen waren. Beim etwas lokaler anmutenden Eissalon Bach Dang ein paar Ecken weiter konnten wir dann alle vietnamesichen Eisspezialitäten probieren: Durian, Taro, Pandanus und eine vierte Sorte, die ich schonwieder vergessen habe. Gutes Eis gab es überraschend auch in Mui Ne (überhaupt das beste, was man dort in der kulinarischen Einöde zu essen bekam), bei Bellany, wo ich unter anderem Schwarzes Sesam- und Salziges Erdnußeis probierte. Schleckerlecker!

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Kontraste

Zu den Tempeln von Angkor fährt man vom benachbarten Städtchen Siem Reap. Dort hat man sich gänzlich auf den Tourismus eingestellt, und so findet sich im Zentrum ein Party-Viertel mit westlichen Restaurants und Bars, Souvenirläden und Massagesalons. Dessen Herz bildet die blinkende “Pub Street”, in der sich die Touristen drängen. Besonders abschreckend waren für uns die berüchtigten “Night Markets”, Märkte mit Touri-Nepp, die bis spät in die Nacht geöffnet haben und auf denen sich gefühlt jedes Stück letztendlich auf 1 $ herunterhandeln ließ. Wir drehten dort nur kurze Runden, die aber wenigstens dazu reichten, einmal eine totfrittierte Schlange zu probieren – schmeckte wie eine Mischung aus Hühnchen und Fisch und war, wie gesagt, so knusprig, daß ich sie dann doch nicht aufessen mochte. Wir hatten bereits in Phnom Penh die Tourimeile am Ufer des Mekong gemieden – zu sehr hatte es uns irritiert, daß Touristen tausende von Kilometern reisen, um dann in Bars einzukehren, die so aussehen wie zuhause, während davor auf der Straße ganze Familien wohnen und darauf hoffen, wenigstens ein bißchen Kleingeld von den Touristen zu ergattern. Von den alten Herren mit junger kambodschanischer Damenbegleitung ganz zu schweigen… Zum Glück lag unser Hotel in Siem Reap etwas abseits des Tourizentrums. Dennoch war es gar nicht so leicht, dort irgendetwas “Normales” zu finden. Um die Ecke unseres Hotels lag immerhin der älteste Tempel der Stadt, der Wat Bo. Das alte Tempelgebäude aus dem 19. Jh., das von einem Friedhof mit unzähligen Stupas umgeben ist, wird leider gerade von einem Neubau aus Beton abgelöst. Den Zugang ziert eine sehr schicke Hecke in Form einer Naga, einer mehrköpfigen Schlange, wie sie normalerweise Brücken und Wege säumt.

Sehr irritierend war für uns auch unser letztes Reiseziel in Kambodscha: Weil wir nach den letzten Tempeln noch etwas Zeit hatten bis zum Abflug, brachte unser Tuktuk-Fahrer uns zum schwimmenden Dorf Kopong Phluk. An einer Staubstraße wurden uns zunächst 25 $ pro Person als Eintritt abgenommen. Dann fuhren wir weiter zu einem Bootsanlegeplatz, wo wir einen klapprigen Kahn mit zwei jungen Bootsführern bestiegen. Der ältere der beiden war praktisch die ganze Fahrt über damit beschäftigt, den Motor am Laufen zu halten, während sein kleiner Kompagnon tapfer das Steuer übernahm. Uns war schon recht mulmig, als wir auf einem Zufluß des großen Tonle Sap Sees das Dorf erreichten, das ganz auf Stelzen errichtet ist. Da gerade Trockenzeit und folglich der Wasserspiegel des Sees niedrig war, standen die Stelzen jedoch kaum im Wasser. Wir fuhren nun also an den Dorfbewohnern vorbei, die doch in recht ärmlichen Verhältnissen lebten, schauten zu, wie Fischer auf einen Fang lauerten und Kinder das dreckige Wasser aus dem Fluß tranken – von unseren 50 $ schien hier jedenfalls nur sehr wenig anzukommen. Es war zwar interessant, diese Architektur und Lebensweise zu sehen, aber in unserer Rolle als Voyeure fühlten wir uns doch recht unwohl…


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Ein Ausflug jenseits von Angkor

An einem Tag machten wir einen Ausflug zum kleinen Tempel Banteay Srei aus der 2. Hälfte des 10. Jhs., etwa 20 km nördlich von Angkor am Fuße der Kulen-Hügel gelegen. Im Unterschied zu den Tempeln von Angkor war dies kein königlicher Tempel, sondern war von Yajñavaraha, einem Berater des Königs Rajendravarman und Guru des späteren Königs Jayavarman V., und seinem jüngeren Bruder errichtet worden. Die kleine Anlage ist wie üblich von einem Wassergraben umgeben. Der eigentliche Tempel besteht aus mehreren kleinen Schreinen, die von mythischen Tempelwächtern, halb Mensch, halb Tier, bewacht werden. Die Bauornamentik war hier besonder reich und die fantastisch übereinander gestaffelten Giebel besonders fantasievoll. Besonders gut gefiel mir der Giebel einer der ‘Bibliotheken’ mit der Darstellung eines Waldes: Indra auf seinem dreiköpfigen Elefanten Airavata ließ es regnen, um ein Feuer im Khandava-Wald zu löschen, das der Gott Agni gelegt hatte, um die Naga Taksaka zu töten, die in dem Wald lebte. Agni rief daraufhin Krishna und Balarama um Hilfe, um die Tiere daran zu hindern, aus dem Wald zu fliehen, und um Pfeile auf den Regen zu schießen, damit dieser nicht weiter auf den Wald herabfiel. Agni und seine Verbündeten gewannen schließlich den Kampf und brannten den gesamten Khandava-Wald nieder. Als wir den Tempel besuchten, war es malwieder unerträglich heiß, und so konnte Christian nicht widerstehen, als uns plötzlich ein fliegender Händler am Wegesrand Palmsaft anbot. Wir kosteten einmal den Saft von der männlichen, einmal von der weiblichen Palmfrucht. Beide schmeckten süß und vor allem rauchig – jedenfalls gewöhnungsbedürftig…

Wir fuhren noch ein paar Kilometer weiter nach Kbal Spean, zum ‘Fluß der Tausend Lingas’. Etwa eine halbe Stunde wanderten wir durch den Wald, um an einen kleinen Flußlauf zu gelangen, wo tausende Lingas, phallusförmige Symbole des Gottes Shiva, aus den Steinen des Flußbettes herausgemeißelt sind. Außerdem sind mehrere Reliefs des schlafenden Vishnu in das Flußbett eingemeißelt. Vishnu erträumt die Erschaffung des Kosmos, während seine Ehefrau Lakshmi ihm die Beine massiert und Brahma in einer Lotusblüte aus seinem Nabel herauswächst. Hier konnten wir an dem ruhig plätschernden Bächlein, den von den Wellen überspülten Reliefs, den Bäumen und bunten Schmetterlingen einwenig Natur erleben.


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Tempel des 9. und 10. Jhs.

Noch besser als die Tempel des 12. Jhs gefielen mir eigentlich die früheren Tempel aus dem 9. und 10. Jh. Drei Tempe aus dem 9. Jh., Preah Ko, Bakong und Lolei, lagen etwas abseits, südöstlich von Angkor Wat, und bildeten die sog. Roluos-Gruppe. Durch die etwas abgeschiedene Lage waren hier deutlich weniger Touristen unterwegs – sehr angenehm. Außerdem bestanden in den Tempelbezirken des Bakong und des Lolei noch aktive buddhistische Klöster, die einen reizvollen Kontrast zu den alten Khmer-Tempeln bildeten. Am Preah Ko befanden sich außerdem eine Bildhauerwerkstatt und eine Werkstatt, in der Schattenpuppen hergestellt wurden. Zwei der Tempel aus dem mittleren 10. Jh., East Mebon und Pre Rup, befanden sich im Ostteil des Parks von Angkor. In all diesen frühen Tempeln fehlten zwar die aufwendigen Reliefzyklen wie in Angkor Wat und im Bayon, das Besondere an ihnen war jedoch, daß sie teilweise aus Ziegeln errichtet waren. Wie an den späteren Tempeln waren die Türen von Reliefs mit Tänzerinnen, den Apsaras, und Tempelwächtern, den Dvarapalas, flankiert. Diese Reliefs bestanden entweder aus Stein und waren in die Ziegelmauern eingesetzt, während Stuckreliefs die übrige Wandfläche überzogen, oder die Reliefs waren in den Ziegeln vormodelliert und dann mit Stuck überzogen, was im Pre Rup und im Preah Ko besonders gut erhalten war. Auch andere Elemente wie Scheintüren, die sie flankierenden Säulen und Giebel waren aus Stein eingesetzt. Die steinernen Giebel mit ihrem kleinteiligen, flammenartigen Dekor, in den kleine Figürchen eingesetzt waren, gefielen mir an den Bauten dieser Periode besonders gut.


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Tempel des 12. Jhs.

Aus derselben Zeit wie der Bayon stammen noch weitere, im selben Stil errichtete Tempelanlagen in Angkor. Besonders gut gefiel uns Preah Khan, eine Stadtanlage ganz im Norden des Areals, die laut der Gründungsinschrift offenbar an der Stelle einer wichtigen Schlacht der Khmer gegen die Cham errichtet worden war. Bemerkenswert sind die vielen kleinen Schreine, die nach und nach im Innern des Tempelbezirks errichtet wurden. Sie stehen so dicht aneinander, daß zwischen ihnen teilweise nur ein schmaler Gang frei geblieben ist, der nicht einmal genügend Platz geboten hatte, um die Reliefs auszuarbeiten. Scheinbar hatte hier eine besonders große Konkurrenz geherrscht, den die Reliefs, mit denen die Außenseiten aller Schreine überzogen sind, sind besonders fantasievoll. Außergewöhnlich ist auch ein zweigeschossiges Gebäude im äußeren Tempelbezirk, das auf Säulen steht.

Völlig von einem Baum überwuchert war das Tor des kleinen Tempels Ta Som im Nordosten Angkors. Die in alle vier Himmelsrichtungen blickenden Gesichter waren wie eine kleine Ausgabe des Bayon.

In Ta Prohm, das wegen seiner Nähe zu Angkor Thom weit besser besucht ist als die Tempel im Norden, wurde uns erst richtig klar, in was für einem Disney World man sich im Park von Angkor eigentlich befindet. Preah Khan hatte schon erahnen lassen, daß die Tempel keineswegs so gut erhalten aufgefunden wurden, wie Angkor Wat sich heute präsentiert. Im Gegenteil, es wird wiederaufgebaut, was das Zeug hält… In Ta Prohm waren die Restaurierungsarbeiten gerade in vollem Gange (die “Anastilosis”, die große Errungenschaft für die Bewahrung Angkors, wie unser Lonely Planet es nannte). Dennoch präsentiert sich alles ganz naturbelassen, und zwischen den wiederaufgebauten Mauern vermitteln die gewaltigen Wurzeln, die die Ruinen überwuchern und die Dächer unter sich zusammenbrechen ließen, ein bizarres Bild von Ruinenromantik: denn während die Touris vor den malerischen Wurzeln posieren, sind die Bäume selbst längst abgetötet, und ihnen fehlt die Krone. Das war auch schon in den anderen Tempeln der Fall gewesen, aber hier in Ta Prohm mit seinen Touristenmassen, die sich auf der Jagd nach dem besten Foto vor die Wurzeln schoben, wurde die Situation schier unerträglich.


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Angkor Thom

Am ersten Tag muteten wir uns viel zu und erkundeten nach Angkor Wat auch noch Angkor Thom. Diese im späten 12. Jh. von Jayavarman VII gegründete Anlage war eine der größten Städte der Khmer und blieb wohl bis ins 17. Jh. ihre Hauptstadt. Schon die Toranlagen sind beeindruckend. Die Brücken über den Wassergraben sind von Göttern und Dämonen gesäumt, die jeweils an einer siebenköpfigen Schlange, einer Naga, ziehen. Den Tordurchgang bekrönen Köpfe mit vier Gesichtern, die in alle Himmelsrichtungen und somit in alle Ecken des Reiches blicken.

Dies ist auch das Charakteristikum des Bayon-Tempels, des Staatstempels von Jajavarman VII und seinen Nachfolgern. Hier gab es noch mehr Reliefs zu bestaunen, sowohl in der äußeren als auch der inneren Galerie um den Tempel herum. Die Reliefs der äußeren Galerie aus dem frühen 13. Jh. zeigen hauptsächlich die Kämpfe gegen die Cham (die wir später in Vietnam besuchten – aber dazu an anderer Stelle), angereichert mit allerhand Szenen aus dem täglichen Leben. Teilweise sind die unzähligen Reliefs nichtmal fertig geworden. Die Reliefs der inneren Galerie sind hingegen erst aus der 2. Hälfte des 13. Jhs., als der Bayon in ein hinduistisches Heiligtum umgewandelt worden war; sie zeigen Szenen aus der hinduistischen Mythologie. Am beeindruckendsten war aber der Tempel selbst, auf dessen Dach uns von den Türmen unzählige Gesichter in der Sonne anlachten.

Neben dem Bayon befindet sich ein älterer Tempel, der in die spätere Stadtanlage von Angkor Thom integriert wurde: der Bapuon, bereits in der Mitte des 11. Jhs. errichtet. Von diesem insgesamt etwas weniger gut erhaltenen Tempel hat man zumindest einen schönen Blick über den Wald – und natürlich gibt es auch hier wieder viele Reliefs ;-) Auf einer Terrasse, die mit großen, plastisch gestalteten Elefantenfiguren und Garudas, Mischwesen aus Mensch und Vogel, geschmückt ist, befindet sich der Königspalast. Wir waren leider mit unseren Kräften schon vollkommen am Ende, weshalb wir nicht mehr ins Palastareal vordrangen. Das nächste Mal… ;-) Stattdessen ging es, nach einem kurzen Blick auf eine riesige Buddha-Statue aus dem 16. Jh., zurück in unser Hotel und ab an den Pool!


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Angkor Wat

Nach anderthalb Tagen in Phnom Penh ging es weiter nach Siem Reap. Dort, im Gebiet von Angkor, befand sich vom 9.-15. Jh. das Zentrum des Königreichs der Khmer. Schon sehr lange hatte ich davon geträumt, einmal die Tempel von Angkor mit ihren unzähligen Reliefs besuchen zu können, und nur die Sommerhitze hatte mich auf dem Reisestipendium daran gehindert, weiter nach Osten vorzudringen. Nun sollte dieser Traum endlich in Erfüllung gehen!

Als allererstes machten wir uns daher auf den Weg nach Angkor Wat, den wohl berühmtesten und vor allem meistbesuchten Tempel von Angkor. Diese im frühen 12. Jh. errichtete Anlage war wohl eigentlich mehr eine Stadt als ein Tempel, wie der Name besagt (Angkor=Stadt, Wat=Tempel). Da es aber den Göttern vorbehalten war, in Gebäuden aus Stein zu leben, waren die Wohnhäuser wohl aus Holz oder anderen ephemeren Materialien errichtet, von denen man offenbar noch keine Spuren gefunden hat (oder vielleicht auch noch gar nicht danach gesucht hat). Die verschiedenen Tempel- bzw. Stadtanlagen auf den Gebiet von Angkor entsprechen größtenteils einem recht einheitlichen Schema, so auch Angkor Wat: Es handelt sich um eine quadratische, ummauerte Anlage, die von einem breiten Wassergraben umgeben ist. Ein Steg führt auf die künstliche Insel, zunächst in ein Eingangsgebäude (gopura), von dem aus eine gepflasterte Straße auf den Tempel zuführt. Dieser ist wiederum von einer Galerie, einer Säulenhalle, umgeben, deren Rückwand mit Reliefs geschmückt ist. Detailliert wiedergegeben sind mythische Schlachtenszenen, eine Prozession von König Suryavarman II, dem Erbauer von Angkor Wat, und die 32 Höllen, in die die Sünder je nach ihrem Vergehen geschickt werden – wir konnten uns nicht sattsehen! Der eigentliche Tempel besteht aus einem Podium mit zwei Ebenen, dessen steile Stufen wir erklommen, bis wir ganz nah am zentralen Turm des Tempels waren. Beim Hinabsteigen dann passierte etwas Unerwartetes: bis dahin hatten wir uns stets in einem Pulk von Menschen bewegt – nun fanden wir uns plötzlich, abseits des Hauptweges, ganz allein in der Tempelumfriedung wieder und erkundeten eine der sogenannten Bibliotheken, der kleineren freistehenden Gebäude im Tempelareal, bei denen es sich wahrscheinlich ebenfalls um Schreine handelte.