Häferlkaffee


Leave a comment

Jordanien – Mosaiken ohne Ende

Schießlich blieb mir in Jordanien noch ein Tag für einen Ausflug nach Madaba, in die Stadt der Mosaiken. Obwohl ich schon mehrmals dort gewesen war, gab es auch diesmal Neues für mich zu entdecken. Zum Beispiel die Märtyrerkirche und den “Burnt Palace”, ein luxuriös ausgestattetes Wohngebäude aus dem späten 6./frühen 7. Jh. – von dem vermeintlich verschlossenen Tor ließ ich mich diesmal zurecht nicht abhalten. Außerdem erklomm ich zum ersten Mal den Turm der Kirche Johannes des Täufers, von dem sich ein toller Blick über die Stadt bot. Natürlich waren auch die Mosaik-Landkarte in der Georgskirche oder die übereinandergeschichteten Mosaiken im Archäologischen Park, an denen sich die Entwicklung vom figürlichen, sogar noch mythologischen zum rein geometrischen Dekor ablesen läßt, wieder sehr beeindruckend! Und immer stellt sich die Frage, warum einige Figuren nachträglich von Ikonoklasten zerstört wurden, während andere – teilweise auf ein und demselben Mosaik – verschont blieben…

Das wahre Highlight des Tages waren jedoch die Mosaiken in der Moseskirche auf dem Berg Nebo. Nach 10-jähriger Restaurierung war die Kirche gerade erst wieder eröffnet. Die Mosaiken, die ich bisher nur aus Büchern kannte und vollkommen unterschätzt hatte, strahlen geradezu und sind zudem von Ikonoklasten unberührt geblieben. Es fiel mir wirklich schwer, mich loszureißen!

Am nächsten Morgen ging es dann leider schonwieder zurück nachhause. Es hat Spaß gemacht, endlich malwieder ein bißchen Orient zu genießen. Und was ich hier im grauen Wiener bezw. Berliner Winterwetter besonders vermisse, ist das helle jordanische Licht!

Advertisements


Leave a comment

Jordanien – dem Ende der Antike auf der Spur

Anfang November war ich nach langer Zeit endlich malwieder im Nahen Osten unterwegs, in Jordanien, wo ich für meine Arbeit nochmal die ‘Wüstenschlösser’ besuchen wollte. Amman ist in den letzten Jahren unglaublich gewachsen, was die Stadt nah an den Verkehrkollaps geführt und die Fahrten durch die Stadt schrecklich anstrengend hat werden lassen. Ich brauchte einige Tage, um mich wieder an das nahöstliche Tempo zu gewöhnen, und natürlich war die Woche dafür viel zu kurz, denn kaum richtig eingelebt, war sie auch schonwieder rum…

Die als ‘Wüsteschlösser’ bekannten Großbauten wurden von den Umayyaden erbaut, der ersten islamischen Dynastie, die vom mittleren 7. bis mittleren 8. Jh. von der Levante aus die islamische Welt regierte. Die Umayyaden stehen im Nahen Osten am Ende der Antike, weil ihre Nachfolger, die Abbadisiden, das Zentrum ihres Reiches nach Baghdad verlegten, aber auch, weil sich die Region nach einigen schweren Erdbeben Mitte des 8. Jhs. nicht wieder erholen konnte. Besonders neugierig war ich auf die frisch restaurierten Fresken des kleinen Badehäuschens Qusayr Amra. Es ist unglaublich, wieviele Details die Restaurierungen der letzten Jahre hervorgebracht haben – ich konnte mich an den bislang unbekannten Gewandmustern und Gesichtsaudrücken gar nicht satt sehen! Überrascht war ich auch von dem mir bisher noch unbekannten Qastal. Halb vom modernen Haus eines lokalen Scheihs überbaut, hatte ich nicht erwartet, daß die Anlage noch so gut erhalten ist und vor allem so viel verrückte Bauornamentik aufweist! Schließlich mußte ich natürlich noch ‘meinem’ Wüstenschloß , dem nahegelegenen Mschatta, eine Stippvisite abstatten, das ich auch noch nicht im fertig restaurierten Zustand gesehen hatte. Bei aufziehendem Regen lag es ganz verwaist da.

In Hallabat, einem weiteren Wüstenschloß, sind sekundär einzelne Blöcke einer monumentalen griechischen Inschrift vermauert, die ein Edikt des oströmischen Kaisers Anastasios I. wiedergeben. Ich konnte das Team des “Stunde Null”-Projekts des DAIs bei ihrer Suche nach weiteren Inschriftenfragmenten auf dem Gelände begleiten. Die Inschriftenblöcke stammen aus Umm el-Jimal, einer antiken Stadt direkt an der syrischen Grenze, die wie die jeneits der Grenze gelegenen antiken Stätten des Hauran und Jebel al-Arab ganz aus dem lokal anstehenden Basalt errichtet ist. Die Stadt ist wahnsinnig gut erhalten und regt die Fantasie an! Die Häuser – zumindest ihre Fassaden – stehen teilweise noch über mehrere Etagen aufrecht, und Umbauten aus verschiedenen Epochen lassen sich ausmachen. Die Umayyaden, die die Stadt weiter nutzten, statteten zum Beispiel ein großes kaiserzeitliches Gebäude, bei dem es sich wahrscheinlich um das Praetorium, das Zentrum der Militärverwaltung, handelte, mit neuen Fußböden und Wandmalereien wie ein Wüstenschloß aus, bevor auch diese einst prosperierende Stadt Mitte des 8. Jhs. aufgegeben wurde.