Häferlkaffee


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Wanderung für Pufferküsser

An einem Sonntag im Juli wollte ich mit einer Freundin der Hitze der Großstadt entfliehen, und so fuhren wir zum Semmering. Wir hatten uns den Bahnwanderweg entlang der 1848-1854 erbauten Semmering-Bahnlinie vorgenommen. Der Bau dieser Bahntrasse über den Berg war zu der damaligen Zeit ein ziemliches Wagnis – ihr Architekt Carl von Ghega (dessen Ehrengrab ich übrigens schon auf dem Zentralfriedhof besucht hatte) unternahm zur Vorbereitung extra eine Studienreise nach Nordamerika, wo es bereits solche Hochgebirgsbahnen gab. Gleichzeitig war der Bahnbau eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme infolge der Märzrevolution von 1848. Um 1900 kamen mit der Bahn dann auch die Touristen, und der Semmering wurde zu einer beliebten Luftkurregion, wovon heute noch etliche, leider größtenteils leerstehende Hotels zeugen.

Angefangen am Ghega-Denkmal auf dem Bahnhof Semmering führte der Wanderweg in wunderschöner Alpenlandschaft die Bahntrasse entlang vorbei an Tunneln und Viadukten. Unterwegs mutierten wir zu wahren Pufferküssen und drückten jedesmal kräftig auf den Auslöser, wenn ein Zug über eines der Viadukte fuhr. Zunächst ging es vorbei an den Monumenten des Tourismusbooms vergangener Tage, dem riesigen, heute leer stehenden Kurhaus oder der zu einem Wohnhaus umfunktionierten Wäscherei der Semmering-Hotelerie. Es folgte der großartig inszenierte 20-Schilling-Blick auf die Viadukte über die Kalte Rinne und über die Krauselklause, benannt nach dem ehemaligen Motiv auf dem Geldschein. In einem alten Bahnwärterhäuschen oberhalb des Viadukts über die Kalte Rinne ist heute ein kleines von einem privaten Verein betriebenes Ghega-Museum mit einer kleinen Wirtschaft eingerichtet – hier kehrten wir zu einer kurzen Mittagsjause ein und beobachteten dabei die Züge, die über die Brücke brausten.

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Spätantike in New York – Teil 1

Empfang im Institute for the Study of the Ancient World

Im Juni war ich zur Tagung “Property and Power in Late Antiquity” des International Late Antiquity Network in New York. Vier bzw. weil ich gleich noch einen Workshop zum multilingualen spätantiken und frühislamischen Ägypten mitgenommen habe, sogar fünf Tage geballtes Vortragsprogramm, das einen Überblick darüber gab, was für Themen in den verschiedenen Disziplinen der Spätantike-Forschung gerade en vogue sind.

Daneben nutzte ich jede freie Gelegenheit, um die Stadt zu erkunden. Ich war bereits ein paar wenige Tage früher angereist und wohnte am Ufer des Hudsen River in demselben Hotel wie einst die Titanic-Überlebenden. Von dort, am Rande des Meatpacking District, waren es nur wenige Schritte zur High Line, einer stillgelegten und zu einem Park umfunktionierten Hochbahntrasse, auf der man nun  zwischen den Häuserschluchten hindurch flanieren kann. Am ersten Tag traf ich mich mit einem Freund im Metropolitan Museum und war förmlich erschlagen. Schon in der Antikenabteilung wußte ich nicht, wohin ich zuerst schauen sollte, so bedeutend sind alle dort ausgestellten Stücke. Wir kämpften uns tapfer durch die Bestände und schafften es sogar noch ein bißchen in andere Abteilungen, doch es war aussichtslos. Obwohl wir fast den ganzen Tag dort verbrachten, haben wir kaum etwas von diesem gewaltigen Museum gesehen. Ich bin noch ein zweites Mal hingegangen, aber auch das reichte nichtmal ansatzsweise… Nachdem man uns aus dem Museum geschmissen hatte, fuhren wir zum Times Square mit seinen Menschenmassen und blinkenden Leuchtreklamen. Als es schon dunkel wurde, erklommen wir das Empire State Building, das seit dem Bau des One World Trade Center zwar nicht mehr das höchste Gebäude der Stadt ist, uns aus dem 86. Stock in 320 m Höhe aber dennoch einen fantastischen Blick über das nächtlich erleuchtete Manhattan bot.


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Zu Besuch bei den Gegnern der Khmer

Von Hoi An aus machten wir einen Ausflug nach My Son. Diese Tempelanlage am Fuße des Heiligen Berges Mahaparvata war die heiligste Stätte der Cham. Als ich noch zuhause dieses Ausflugsziel ausgesucht hatte, war mir gar nicht bewußt gewesen, daß wir uns dort die Tempel derjenigen anschauen würden, die wir auf den Schlachtendarstellungen in den Tempeln von Angkor als Gegner der Khmer kennengelernt hatten! Das zu besuchende Areal ist jedenfalls deutlich weniger weitläufig als der Park von Angkor, und die weitaus kleineren Tempelbezirke aus dem 8.-14. Jh. liegen sehr viel näher beeinander. Wie in Angkor bestehen diese jeweils aus mehreren Schreinen bzw. “Kalan”, wie die Cham sie nennen. Wie die frühen Khmer-Tempel sind diese Schreine aus Ziegeln errichtet, auch die Reliefs sind aus den Ziegeln herausgeschnitten, wobei einzelne dekorative Bauglieder wie Säulen an den Türen, Tympana (im Museum) und zum Teil auch die Köpfe der Tempelwächter in Stein eingesetzt sein konnten. Die Cham verehrten Shiva ganz besonders, weshalb sich Lingas und Yonis in vielen Tempeln in My Son finden. Viele der Tempel sind völlig zerfallen und vom Wald überwuchert. Auf den Steinen sonnen sich große Eidechsen. Doch bald wird es auch mit dieser Ruinen-Idylle vorbei sein, denn wie in Angkor wird auch hier kräftig restauriert…


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Ein Ausflug jenseits von Angkor

An einem Tag machten wir einen Ausflug zum kleinen Tempel Banteay Srei aus der 2. Hälfte des 10. Jhs., etwa 20 km nördlich von Angkor am Fuße der Kulen-Hügel gelegen. Im Unterschied zu den Tempeln von Angkor war dies kein königlicher Tempel, sondern war von Yajñavaraha, einem Berater des Königs Rajendravarman und Guru des späteren Königs Jayavarman V., und seinem jüngeren Bruder errichtet worden. Die kleine Anlage ist wie üblich von einem Wassergraben umgeben. Der eigentliche Tempel besteht aus mehreren kleinen Schreinen, die von mythischen Tempelwächtern, halb Mensch, halb Tier, bewacht werden. Die Bauornamentik war hier besonder reich und die fantastisch übereinander gestaffelten Giebel besonders fantasievoll. Besonders gut gefiel mir der Giebel einer der ‘Bibliotheken’ mit der Darstellung eines Waldes: Indra auf seinem dreiköpfigen Elefanten Airavata ließ es regnen, um ein Feuer im Khandava-Wald zu löschen, das der Gott Agni gelegt hatte, um die Naga Taksaka zu töten, die in dem Wald lebte. Agni rief daraufhin Krishna und Balarama um Hilfe, um die Tiere daran zu hindern, aus dem Wald zu fliehen, und um Pfeile auf den Regen zu schießen, damit dieser nicht weiter auf den Wald herabfiel. Agni und seine Verbündeten gewannen schließlich den Kampf und brannten den gesamten Khandava-Wald nieder. Als wir den Tempel besuchten, war es malwieder unerträglich heiß, und so konnte Christian nicht widerstehen, als uns plötzlich ein fliegender Händler am Wegesrand Palmsaft anbot. Wir kosteten einmal den Saft von der männlichen, einmal von der weiblichen Palmfrucht. Beide schmeckten süß und vor allem rauchig – jedenfalls gewöhnungsbedürftig…

Wir fuhren noch ein paar Kilometer weiter nach Kbal Spean, zum ‘Fluß der Tausend Lingas’. Etwa eine halbe Stunde wanderten wir durch den Wald, um an einen kleinen Flußlauf zu gelangen, wo tausende Lingas, phallusförmige Symbole des Gottes Shiva, aus den Steinen des Flußbettes herausgemeißelt sind. Außerdem sind mehrere Reliefs des schlafenden Vishnu in das Flußbett eingemeißelt. Vishnu erträumt die Erschaffung des Kosmos, während seine Ehefrau Lakshmi ihm die Beine massiert und Brahma in einer Lotusblüte aus seinem Nabel herauswächst. Hier konnten wir an dem ruhig plätschernden Bächlein, den von den Wellen überspülten Reliefs, den Bäumen und bunten Schmetterlingen einwenig Natur erleben.


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Férias em Portugal: Praia da Areia Branca

Im September fuhren wir endlich malwieder nach Portugal, zuerst an unseren angestammten Ferienort, nach Praia da Areia Branca nördlich von Lissabon. Zuerst erkannten wir den Ort vor lauter Surfhostels nicht wieder und fürchteten einen riesigen Rummel, doch den hatten wir zum Glück anscheinend schon verpaßt, und so war dann doch wieder alles so wie immer. Vielleicht mit der Ausnahme, daß wir uns diesmal Zeit nahmen für ausgedehnte Spaziergänge den scheinbar endlosen Strand entlang bis nach Peralta.


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Auf dem Wasserleitungsweg durch die Weinberge

Entlang der 1. Wiener Hochquellwasserleitung, die seit 1873 frisches Quellwasser vom Schneeberg, der Rax und der Schneealpe nach Wien bringt, ging es am Wochenende mit Besuch von Baden nach Gumpoldskirchen im Südwesten Wiens. Der Weg führte durch die Weinberge, die Rebstöcke von dicken Trauben in allen Farben behangen. Immer wieder war ein Buschenschank zwischen den Reben aufgebaut. Dort tranken wir den ersten Sturm des Jahres und kosteten so manchen heurigen Wein, ehe wir in Gumpoldskirchen (letzte drei Bilder) beim Heurigen in einem sehr schönen Garten einkehrten, und noch mehr Weine kosteten, bis es dunkel wurde. Übrigens: auch im Wienerwald begegnen einem interessante Heuschrecken ;-)


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Fauna Umbriens

Abgesehen von Backsteinstädtchen und etruskischen Gräbern gab es in Umbrien vor allem eine bunte Tierwelt zu erkunden. Wir beobachteten drei verschiedene Arten Heuschrecken, große Käfer, Eidechsen, Schmetterlinge und einen kolibri-artigen Falter, der über dem Lavendel an unserem Pool schwirrte, um mit seinem Rüssel den Nektar aus den Blüten zu saugen (Bild 9). Die größte Raupe, die ich jemals gesehen habe, fraß sich an den Blättern eines unserer Olivenbäume satt. Aus unserem Pool mußten wir kleine Frösche retten, einmal hatte sich sogar eine große Kröte in die Pumpe verirrt. An den lauen Abenden lauschten wir dem beruhigenden Zirpen der Zickaden, die uns in Perugia auch endlich einmal vor der Linse sitzen blieben (Bild 13). Nur der Eichelhäher, der jeden Morgen in unserem Garten herumflog, wollte sich partout nicht fotografieren lassen ;-)