Häferlkaffee


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Jordanien – dem Ende der Antike auf der Spur

Anfang November war ich nach langer Zeit endlich malwieder im Nahen Osten unterwegs, in Jordanien, wo ich für meine Arbeit nochmal die ‘Wüstenschlösser’ besuchen wollte. Amman ist in den letzten Jahren unglaublich gewachsen, was die Stadt nah an den Verkehrkollaps geführt und die Fahrten durch die Stadt schrecklich anstrengend hat werden lassen. Ich brauchte einige Tage, um mich wieder an das nahöstliche Tempo zu gewöhnen, und natürlich war die Woche dafür viel zu kurz, denn kaum richtig eingelebt, war sie auch schonwieder rum…

Die als ‘Wüsteschlösser’ bekannten Großbauten wurden von den Umayyaden erbaut, der ersten islamischen Dynastie, die vom mittleren 7. bis mittleren 8. Jh. von der Levante aus die islamische Welt regierte. Die Umayyaden stehen im Nahen Osten am Ende der Antike, weil ihre Nachfolger, die Abbadisiden, das Zentrum ihres Reiches nach Baghdad verlegten, aber auch, weil sich die Region nach einigen schweren Erdbeben Mitte des 8. Jhs. nicht wieder erholen konnte. Besonders neugierig war ich auf die frisch restaurierten Fresken des kleinen Badehäuschens Qusayr Amra. Es ist unglaublich, wieviele Details die Restaurierungen der letzten Jahre hervorgebracht haben – ich konnte mich an den bislang unbekannten Gewandmustern und Gesichtsaudrücken gar nicht satt sehen! Überrascht war ich auch von dem mir bisher noch unbekannten Qastal. Halb vom modernen Haus eines lokalen Scheihs überbaut, hatte ich nicht erwartet, daß die Anlage noch so gut erhalten ist und vor allem so viel verrückte Bauornamentik aufweist! Schließlich mußte ich natürlich noch ‘meinem’ Wüstenschloß , dem nahegelegenen Mschatta, eine Stippvisite abstatten, das ich auch noch nicht im fertig restaurierten Zustand gesehen hatte. Bei aufziehendem Regen lag es ganz verwaist da.

In Hallabat, einem weiteren Wüstenschloß, sind sekundär einzelne Blöcke einer monumentalen griechischen Inschrift vermauert, die ein Edikt des oströmischen Kaisers Anastasios I. wiedergeben. Ich konnte das Team des “Stunde Null”-Projekts des DAIs bei ihrer Suche nach weiteren Inschriftenfragmenten auf dem Gelände begleiten. Die Inschriftenblöcke stammen aus Umm el-Jimal, einer antiken Stadt direkt an der syrischen Grenze, die wie die jeneits der Grenze gelegenen antiken Stätten des Hauran und Jebel al-Arab ganz aus dem lokal anstehenden Basalt errichtet ist. Die Stadt ist wahnsinnig gut erhalten und regt die Fantasie an! Die Häuser – zumindest ihre Fassaden – stehen teilweise noch über mehrere Etagen aufrecht, und Umbauten aus verschiedenen Epochen lassen sich ausmachen. Die Umayyaden, die die Stadt weiter nutzten, statteten zum Beispiel ein großes kaiserzeitliches Gebäude, bei dem es sich wahrscheinlich um das Praetorium, das Zentrum der Militärverwaltung, handelte, mit neuen Fußböden und Wandmalereien wie ein Wüstenschloß aus, bevor auch diese einst prosperierende Stadt Mitte des 8. Jhs. aufgegeben wurde.


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Drei-Länder-Urlaub 3b: Slowenien – Kalter Fluß und wunderschöne Landschaft

In Slowenien ersetzte die Nadiža unseren italienischen Pool. Ich konnte es selbst kaum glauben, aber mit etwas Überwindung konnte ich tatsächlich in diesem gar nicht mal sooo kalten Bergfluß schwimmen! Auf dem Rückweg von unseren Ausflügen machten wir daher meist an unserer Lieblingsbadestelle an der Napoleon-Brücke halt, um uns zu erfrischen oder um stundenlang einfach nur die kleinen Welse im Wasser zu beobachten. Perfekt getarnt lagen sie auf der Lauer und versuchten, noch kleinere Fische zu erwischen (was ihnen zumindest in unserer Gegenwart leider nie gelang). Die wildere Soča erkundeten wir eines Tages mit dem Kanu – wenn auch nicht auf dem schnellen Teil, sondern auf dem etwas “gemütlicheren” zwischen Kobarid und Tolmin, wo es für meinen Geschmack aber immer noch zuviele Wildwasserstrudel gab. Einen ganzen Tag verbrachten wir auf und im ;-) Wasser, rasteten auf Kiesbänken und in verwunschenen kleinen Buchten und genossen – wenn wir uns nicht zu sehr auf das Wildwasser konzentrieren mußten – das Bergpanorama um uns herum.

Und dann waren da noch die schönen Wasserfälle, die wir auf unseren Wanderungen erkundeten, und die wilde Tolminka-Schlucht, die stellenweise so eng ist, daß sie an den Siq in Petra erinnert!

Insgesamt sind wir nicht so viel herumgekommen und haben nicht so viel von Slowenien gesehen, wie wir uns ursprünglich vorgenommen hatten. Dafür war es in unserer idyllischen Bergwelt einfach zu schön! Nur einmal wagten wir uns aus unserem Nest hinaus und nahmen die weite Fahrt ins Karstgebiet auf uns, um die Höhle von Postojna zu besichtigen. Die riesige Tropfsteinhöhle ist seit den 1870er/80er Jahren, als eine Höhlenbahn und elektrischen Licht installiert wurden, eine Touristenattraktion und heute vollkommen auf Besuchermassen ausgerichtet. In den immerhin 5 der erforschten 24 km Höhlengänge, die wir mit einer Führung besichtigen konnten, war es wuseliger als auf einem Flughafen – und dennoch waren die großen Säle und vielfältigen Tropfsteinformationen wirklich beeindruckend. Besonders hatten es mir auch die Grottenolme angetan, die man in einem Aquarium in der Höhle beobachten konnte. Absolutes Disneyland erwartete uns dann in der nahegelegenen Burg Predjama. Die Burg, die in ihrem heutigen Zustand aus dem 16. Jh. stammt, ist in bzw. an eine natürliche Höhle herangebaut, was aus der Ferne durchaus malerisch wirkt. Wäre da nicht wieder der ganze Rummel und das funkelnagelneue, völlig frei erfundene Pseudo-Mittelalter im Innern der Burg. Irgendwelche soliden historischen Fakten suchte man jedenfalls vergebens…

Insgesamt hat uns Slowenien sehr gut gefallen, und da wir so vieles noch nicht gesehen haben, müssen wir wohl einfach nochmal wiederkommen!


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Drei-Länder-Urlaub 2: Italien – Weinberge, Pool und Langobarden

Als nächstes gönnten wir uns drei Tage im italienischen Friaul. Durch Zufall waren wir auf ein traumhaftes Agriturismo gestoßen – ein wahres Juwel! Unser Domizil war ein abgelegenes Weingut in der Nähe von Faedis, in einem alten, unheimlich geschmackvoll eingerichteten Steinhaus inmitten der Weinberge. Das Highlight aber war der umwerfend schöne Pool mit weitem Blick über die Ebene und bei klaren Wetter auf die Berge am Horizont. Von diesem Pool konnten wir gar nicht genug bekommen und reduzierten sogar unser Ausflugsprogramm auf ein Minimum, nur damit wir soviel Zeit wie möglich in diesem Paradies verbringen konnten. Am ersten Tag hatten wir den Pool sogar ganz für uns allein – herrlich! Abends genossen wir auf der Terrasse den hauseigenen Wein und kosteten das vorzügliche hauseigene Olivenöl. Nur einmal wurde unsere Idylle kurz getrübt, als plötzlich ein kleiner Skorpion unter dem Sofa hervorgeschossen kam – wahrscheinlich genau so erschrocken über uns wie wir über ihn… Zum Glück ließ er sich gut einfangen und nach draußen umsiedeln (während ich sicheren Abstand hielt ;-) ).

Ein Ausflugsziel wollte ich trotz Pool aber auf keinen Fall auslassen: Cividale und seinen langobardischen Tempietto. Schließlich waren die Langobarden in etwa Zeitgenossen der Umayyaden, und in der kleinen, ungewöhnlicherweise mit Stuck verzierten Kirche, die man als Palastkapelle deutet, finden sich teilweise dieselben Ornamente wie im Stuckdekor der umayyadischen Wüstenschlösser. Wie läßt sich dieser “stucco belt” im 8. Jh. erklären? Dieses Rätsel konnten wir bei unserem Besuch natürlich auch nicht lösen. Dafür konnten wir im Museum schier endlose Fibeln und andere Grabbeigaben aus den langobardischen Nekropolen der Stadt bewundern. Und auch sonst war Cividale ein reizendes kleines Städtchen mit seinen kleinen mittelalterlichen Häuschen am türkis-blauen Natisone (der uns später in Slowenien als Nadiža wiederbegegnen sollte).

Ein weiterer Ausflug führte uns in die venezianische Festungsstadt Palmanova. Die im späten 16.-17. Jh. errichtete Stadt ist winzig, als Planstadt aber vollkommen regelmäßig angelegt mit Straßen, die radial von einem zentralen Platz ausgehen, und sternförmigen Befestigungsanlagen, die immer wieder nach dem neuesten Stand ausgebaut wurden. Wir spazierten auf den Wällen und im Graben herum und genossen das italienische Leben in der erstaunlich wuseligen Miniaturstadt.

Und zum dolce vita unser Soundtrack des Spätsommers: Quello che resta del sole…


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Schottische Partie II: Islay

Von Edinburgh ging es mit dem Mietwagen in einer langen Fahrt entlang des Loch Lomond nach Kennacraig, von wo aus wir mit der Fähre zur Insel Islay vor der Westküste Schottlands übersetzten. Wir wohnten in einem wunderschönen Bed-and-Breakfast etwas außerhalb der Inselhauptstadt Bowmore. Vor unserem Fenster wuchs ein Gerstenfeld für die Whisky-Produktion auf der Insel, und in der Bucht konnten wir die Vögel beobachten. Abgesehen vom Whisky (dazu später mehr), hatte die Insel auch landschaftlich einiges zu bieten. Meist ging es über “single track roads”, einspurige Straßen mit Ausweichbuchten, bis in die entlegendsten Winkel der Insel. Mal steckten wir auf so einer Straße fest, weil ein aufgebrachter Bulle uns den Weg versperrte, und mußten das Auto abstellen. Mal begegnete uns ein Rehbock am Rand der Straße, die zu allem Überfluß auch genau dort auf beiden Seiten eingezäunt war. Eine ganze Weile hüpfte er vor unserem Auto her, bis er endlich entkommen konnte.

Wir erkundeten zunächst Loch Gruinart im Norden der Insel. Die tiefe Bucht verwandelt sich bei Ebbe vollkommen in eine Sandfläche. Ganz so lange blieben wir zwar nicht, aber doch lang genug für einen Strandspaziergang, bei dem wir die Austernfischer und andere Vögel beim Picken im Sand beobachten konnten. In der Bucht werden außerdem Austern gezüchtet, die man in einer Farm in Craigens an der Südspitze der Bucht erwerben kann. Es war schon eine besondere Atmosphäre dort: wir stapften zunächst über die Farm, die Bäuerin war gerade mit den Kühen im Stall beschäftigt und kam dann rüber in den kleinen Verkaufsraum, wo in einem Wasserbecken die Austern lagerten. Sie machte uns ein paar auf, die wir gleich vor Ort schlürften. Meine ersten Austern, und ich war begeistert! Gar nicht glitschig, sondern schön fest, und so ein frischer Geschmack nach Meer :-)

Eigentlich hatten wir ja in Loch Gruinart auch Seehunde sehen wollen, aber die zeigten sich uns dort nicht. Auch in der Bucht in der Nähe der Kildalton Chapel fanden wir sie nicht. An dem aufgelassenen, malerischen Kirchlein steht dafür eines der keltischen Kreuze der Insel aus dem 8. Jh. Seine bemerkenswerten Reliefs zeigen neben Rankenwerk biblische Szenen. Die ersten Seehunde sahen wir erst ein paar Kilometer weiter in einer Bucht bei Ardbeg. Das richtige Seehund-Paradies entdeckten wir aber schließlich in der idyllischen Bucht von Portnahaven. In diesen klitzekleinen, verträumten Ort mit seiner malerischen Hafenbucht mit kleinem Sandstrand habe ich mich sofort verliebt. Auch die Seehunde fühlten sich dort sichtlich wohl. Die putzigen Tiere tummelten sich nicht nur auf den Felsen der gegenüber gelegenen Leuchtturminsel, sondern auch mitten im Hafen. Während die Ebbe offenbar einige Felsen in der Bucht freispülte, ließen sich darauf direkt vor unserer Nase erst ein, dann zwei Seehunde die Sonne auf den Bauch scheinen. Ich konnte mich gar nicht sattsehen! Und das verrückteste war: nachdem man sie einmal erkannt hatte, entdeckte man plötzlich überall in der Ferne Seehunde auf den Felsen.

Uns hat Islay jedenfalls ausgesprochen gut gefallen! Und die vier Tage auf der Insel reichten keinesfalls, um alles zu erkunden, was Islay zu bieten hat. Grund genug, um vielleicht noch einmal wiederzukommen ;-)


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Ruinenromantik am Kalenderberg

An einem sonnigen Sonntag im April bestieg ich den Kalenderberg bei Mödling. Im Gelände verstreut sind künstliche Ruinen, die Fürst Johann Josef I. von und zu Liechtenstein Anfang des 19. Jhs. anlegen ließ. Der Weg führte zunächst durch felsige Landschaft über Stiegen, vorbei an im Wind gebogenen Föhren, wo ich mich fast in der Sächsischen Schweiz wähnte. Dramatisch am Hang liegt der Schwarze Turm, als erste der künstlichen Ruinen 1809 erbaut und heute noch bewohnt (ich wurde ganz neidisch ;-) ). Es folgten das Pfefferbüchsel, eine kleine Kapelle, von der heute jedoch nur noch wenig übrig ist, und die Römerwand, die ich nach langem Suchen endlich unter einem Antennenmast aufstöberte. Von hier aus machte ich einen Abstecher zur Seegrotte in der Vorderbrühl, trotz des romatischen Namens keine weitere Ruine, sondern ein stillgelegtes Gipsbergwerk. 1912 gab es dort auf der unteren Stollenebene einen Wassereinbruch, woraufhin der Betrieb eingestellt wurde. Im 2. Weltkrieg wurde in der oberen Ebene eine unterirdische Flugzeugfabrik der Heinkel AG eingerichtet, in der von KZ-Häftlingen aus Mauthausen Rumpfteile der Heinkel HE 162 gebaut wurden. Heute wird der untere Stollen soweit freigepumpt, daß man mit dem Boot darin fahren kann – angeblich ist es der größte unterirdische See Europas, der auch schon häufig als Filmkulisse herhalten mußte, so in der Disney-Verfilmung der “Drei Musketiere”, wovon noch etliche zurückgelassene Kulissen zeugen. Nach der kleinen Bootsfahrt wanderte ich zurück zum Kalenderberg und beschloß die Runde an den Bögen des Amphitheaters – sehr gut getroffen – und dem klassizistischen Schloß mit der gegenüber gelegenen, auf mittelalterlichen Resten erbauten Burg Liechtenstein. Sie von innen zu besichtigen habe ich mich allerdings fürs nächste Mal aufgehoben ;-)


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In den Felsen I

Am nächsten Tag war plötzlich wieder Sommer, und so blieb es nun an all unseren Tagen in der Sächsischen Schweiz. Wir wohnten in einer netten Ferienwohnung mit Blick auf den imposant aufragenden Lilienstein, den wir sogleich erklommen. Durch Wälder ging es hinauf auf den Tafelberg. Von oben konnten wir uns nun endlich ein Bild von der gegenüber liegenden Festung Königstein machen. Was die Sächsische Schweiz abgesehen von den fantastischen Felsformationen so faszinierend machte, war daß wir dank der in Felsspalten und Klüfte hineingebauten Stiegen, Leitern, kleinen Brücken und in den Fels gehauenen Stufen bis ganz oben auf die Felsspitzen steigen konnten, wobei sich immer wieder neue Ausblicke ergaben. Wir waren sozusagen den Felsen ganz nah. Vom Lilienstein ging es über eine steile Treppe hinunter ins Elbtal. Noch lange war der kleine Obelisk, der anläßlich des Besuchs August des Starken 1708 auf dem Plateau errichtet worden war, in der Ferne sichtbar. An der Elbe entlang spazierten wir dann bis nach Rathen und fuhren mit dem Zug zurück.

Als nächstes fuhren wir mit der traditionellen, seit 1898 verkehrenden Kirnitzschtal-Bahn zum Lichtenhainer Wasserfall. Das Bächlein, normalerweise ein kleines Rinnsal, wird durch ein aufziehbares Stauwehr alle halbe Stunde zu einem veritablen Wasserfall – seit 1830 eine Touristenattraktion. Von dort aus wanderten wir in einer Runde zunächst zum Kuhstall, einem gewaltigen Felsentor, überzogen von Graffiti von Generationen von Reisenden. Die schmale “Himmelsleiter”, über die wir durch eine winzige Felsspalte auf das Plateau des Neuen Wildensteins hinaufstiegen, brachte uns dann aber doch an unsere Grenzen… Weiter ging es über die gegenübergelegenen Affensteine zum Frienstein, wo wir uns dann aber doch nicht auf dem schmalen, ungesichterten Felsvorsprung in die Idagrotte wagten. Der Blick aber war atemberaubend!


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Wien von oben

Anfang August, als das Wetter noch schön war, machte ich auf zum Wiener Gallitzinberg. Zunächst ging es durch den Dehnepark, einen um 1800 angelegten Landschaftsgarten, vorbei an künstlicher Ruinenvilla und Silbersee. Dann erreichte ich die Jubiläumswarte. Ursprünglich war an dieser Stelle 1898 zum 50-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josefs I ein Holzturm errichtet worden, der nicht lange hielt. Ein Jahr später wurde dann ein eiserner Turm aufgestellt, der ursprünglich während der ebenfalls zu Ehren des Kaisers abgehaltenen Jubiläumsausstellung im Prater gestanden hatte. Doch auch dieser rostete und wurde abgerissen, als in den 1950er Jahren das inzwischen frisch renovierte Ungetüm aus Stahlbeton errichtet wurde. Schön ist sie ja nicht, die Warte, aber sie überragt alles, und so hat man von der 31 m hohen Aussichtsplattform einen wunderschönen Rundumblick über Wien und den Wienerwald :-)


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Wanderung für Pufferküsser

An einem Sonntag im Juli wollte ich mit einer Freundin der Hitze der Großstadt entfliehen, und so fuhren wir zum Semmering. Wir hatten uns den Bahnwanderweg entlang der 1848-1854 erbauten Semmering-Bahnlinie vorgenommen. Der Bau dieser Bahntrasse über den Berg war zu der damaligen Zeit ein ziemliches Wagnis – ihr Architekt Carl von Ghega (dessen Ehrengrab ich übrigens schon auf dem Zentralfriedhof besucht hatte) unternahm zur Vorbereitung extra eine Studienreise nach Nordamerika, wo es bereits solche Hochgebirgsbahnen gab. Gleichzeitig war der Bahnbau eine gewaltige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme infolge der Märzrevolution von 1848. Um 1900 kamen mit der Bahn dann auch die Touristen, und der Semmering wurde zu einer beliebten Luftkurregion, wovon heute noch etliche, leider größtenteils leerstehende Hotels zeugen.

Angefangen am Ghega-Denkmal auf dem Bahnhof Semmering führte der Wanderweg in wunderschöner Alpenlandschaft die Bahntrasse entlang vorbei an Tunneln und Viadukten. Unterwegs mutierten wir zu wahren Pufferküssen und drückten jedesmal kräftig auf den Auslöser, wenn ein Zug über eines der Viadukte fuhr. Zunächst ging es vorbei an den Monumenten des Tourismusbooms vergangener Tage, dem riesigen, heute leer stehenden Kurhaus oder der zu einem Wohnhaus umfunktionierten Wäscherei der Semmering-Hotelerie. Es folgte der großartig inszenierte 20-Schilling-Blick auf die Viadukte über die Kalte Rinne und über die Krauselklause, benannt nach dem ehemaligen Motiv auf dem Geldschein. In einem alten Bahnwärterhäuschen oberhalb des Viadukts über die Kalte Rinne ist heute ein kleines von einem privaten Verein betriebenes Ghega-Museum mit einer kleinen Wirtschaft eingerichtet – hier kehrten wir zu einer kurzen Mittagsjause ein und beobachteten dabei die Züge, die über die Brücke brausten.


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Spätantike in New York – Teil 1

Empfang im Institute for the Study of the Ancient World

Im Juni war ich zur Tagung “Property and Power in Late Antiquity” des International Late Antiquity Network in New York. Vier bzw. weil ich gleich noch einen Workshop zum multilingualen spätantiken und frühislamischen Ägypten mitgenommen habe, sogar fünf Tage geballtes Vortragsprogramm, das einen Überblick darüber gab, was für Themen in den verschiedenen Disziplinen der Spätantike-Forschung gerade en vogue sind.

Daneben nutzte ich jede freie Gelegenheit, um die Stadt zu erkunden. Ich war bereits ein paar wenige Tage früher angereist und wohnte am Ufer des Hudsen River in demselben Hotel wie einst die Titanic-Überlebenden. Von dort, am Rande des Meatpacking District, waren es nur wenige Schritte zur High Line, einer stillgelegten und zu einem Park umfunktionierten Hochbahntrasse, auf der man nun  zwischen den Häuserschluchten hindurch flanieren kann. Am ersten Tag traf ich mich mit einem Freund im Metropolitan Museum und war förmlich erschlagen. Schon in der Antikenabteilung wußte ich nicht, wohin ich zuerst schauen sollte, so bedeutend sind alle dort ausgestellten Stücke. Wir kämpften uns tapfer durch die Bestände und schafften es sogar noch ein bißchen in andere Abteilungen, doch es war aussichtslos. Obwohl wir fast den ganzen Tag dort verbrachten, haben wir kaum etwas von diesem gewaltigen Museum gesehen. Ich bin noch ein zweites Mal hingegangen, aber auch das reichte nichtmal ansatzsweise… Nachdem man uns aus dem Museum geschmissen hatte, fuhren wir zum Times Square mit seinen Menschenmassen und blinkenden Leuchtreklamen. Als es schon dunkel wurde, erklommen wir das Empire State Building, das seit dem Bau des One World Trade Center zwar nicht mehr das höchste Gebäude der Stadt ist, uns aus dem 86. Stock in 320 m Höhe aber dennoch einen fantastischen Blick über das nächtlich erleuchtete Manhattan bot.


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Zu Besuch bei den Gegnern der Khmer

Von Hoi An aus machten wir einen Ausflug nach My Son. Diese Tempelanlage am Fuße des Heiligen Berges Mahaparvata war die heiligste Stätte der Cham. Als ich noch zuhause dieses Ausflugsziel ausgesucht hatte, war mir gar nicht bewußt gewesen, daß wir uns dort die Tempel derjenigen anschauen würden, die wir auf den Schlachtendarstellungen in den Tempeln von Angkor als Gegner der Khmer kennengelernt hatten! Das zu besuchende Areal ist jedenfalls deutlich weniger weitläufig als der Park von Angkor, und die weitaus kleineren Tempelbezirke aus dem 8.-14. Jh. liegen sehr viel näher beeinander. Wie in Angkor bestehen diese jeweils aus mehreren Schreinen bzw. “Kalan”, wie die Cham sie nennen. Wie die frühen Khmer-Tempel sind diese Schreine aus Ziegeln errichtet, auch die Reliefs sind aus den Ziegeln herausgeschnitten, wobei einzelne dekorative Bauglieder wie Säulen an den Türen, Tympana (im Museum) und zum Teil auch die Köpfe der Tempelwächter in Stein eingesetzt sein konnten. Die Cham verehrten Shiva ganz besonders, weshalb sich Lingas und Yonis in vielen Tempeln in My Son finden. Viele der Tempel sind völlig zerfallen und vom Wald überwuchert. Auf den Steinen sonnen sich große Eidechsen. Doch bald wird es auch mit dieser Ruinen-Idylle vorbei sein, denn wie in Angkor wird auch hier kräftig restauriert…