Häferlkaffee


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Flüssiges Manner II

Passend zu den frostigen Temperaturen und dem Schneegriesel der letzten Tage haben wir am Wochenende endlich das Bier verkostet, das wir von unserem letzten Wienbesuch mitgebracht haben: ein Imperial Stout mit dem Namen “Schnittenfahrt” – ja, Schnitten, nicht Schlitten, denn dieses Winterbier vom Brauwerk, einer zu Ottakringer gehörenden Kleinbrauerei in Wien, ist quasi eine flüssige Mannerschnitte. Neben Waffelbröseln wurden Schokolade, Vanille und Haselnüsse verbraut. Ich war ja zunächst skeptisch, als ich die Zutatenliste las, und nahm das Bier nur mit, um auch diesen Aggregatzustand der Mannerschnitte zu probieren. Aber dann war ich angenehm überrascht: Das Bier schmeckt lecker schokoladig, ohne süß oder gar zu vanillig zu sein. So jedenfalls schmeckt die Schnitte ;-)

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Die ultimative Aachener Printenverkostung

Von Anfang an war ich in Aachen ein großer Fan der Printen – insbesondere seitdem uns auf dem Balkon gelegentlich der Printenduft der benachbarten Printenbäckerei in die Nase stieg. Die gewürzten Honigkuchen, deren Rezept Kaiser Karl sogar mit ins Grab genommen haben soll, hat hier in Aachen fast jeder Bäcker im Repertoire. Diesen Sommer hatten wir uns die ultimative Challenge vorgenommen: wir wollten die beste Printe Aachens küren. Zu allen der um die 40 Printenbäcker (einige werden hier vorgestellt) haben wir es zwar leider nicht geschafft, da auch nicht mehr alle existieren und wir uns mehr oder weniger auf Bäcker aus dem Stadtgebiet konzentrierten. In den letzten Jahren haben wir auch solche aus Simmerath oder Monschau probiert, diese sind nun leider nicht zum Zuge gekommen. Aber immerhin aus 18 verschiedenen Bäckereien haben wir die Printen verkostet. Dazu gehörten die großen, in der Stadt omnipräsententen Anbieter wie Drouven, Kickartz, Klein, Leo, Moss, Nobis, Roderberg oder das auch überregional bekannte Lambertz. Außerdem klapperten wir zahlreiche kleinere Betriebe mit nur einer Filiale ab, nämlich van den Daele, Dahmen, Eschweiler, Esser, Wilhelm Kaussen, Lammerskötter, Mannebach, Mehlkopf, Middelberg und Simais, wobei wir so manche uns zuvor völlig unbekannte Bäckerei entdeckten.

Printen werden in allerhand Varianten angeboten, weich oder hart, mit Schokolade, Nüssen und anderen Leckereien überzogen. Wir wählten jedoch die klassische harte Kräuterprinte für unsere Verkostung, um die best mögliche Vergleichbarkeit herzustellen. Preislich rangiert eine Packung Kräuterprinten zumeist um die 3 Euro, dabei waren die Printen der Bäckerei Simais mit 3,75 Euro die teuersten im Test, die zum Kampfpreis von 1 Euro angeboteten von Lambertz die günstigsten.
Trotz der ähnlichen Rezeptur war jede Printe ein bißchen anders. Es gibt Printen, bei denen einzelne Gewürze besonders stark hervorschmecken, wie z.B. bei Drouven, Kaussen oder Moss, und andere, bei denen die Gewürze etwas ausgewogener sind. Manche Printen sind insgesamt sehr stark gewürzt, z.B. von Lammerskötter oder Nobis, während andere, wie von Dahmen, Mehlkopf, Lambertz oder Simais, eher zurückhaltend sind. Auch in der Konsistenz unterscheiden sie sich: Manche Printen sind eher weich, so bei Esser, Lambertz, Nobis oder Roderburg, andere eher hart, wie die Printen von Eschweiler, Klein oder Mehlkopf. Manche Printenbissen waren zudem beim Kauen sehr klebrig, was insbesondere bei Kaussen und Kickarzt auffiel. Optisch gab es helle (vor allem von Lambertz und Leo) und dunkle Printen (besonders von Nobis und Roderberg). Sie zeichnen sich größtenteils durch eine glatte, zum Teil aber auch durch eine eher rissige Oberfläche wie z.B. bei Drouven, Lammerskötter oder Mannebach aus. Die meisten Printen sind zudem mit einem Printenglanz aus Kartoffelstärke überzogen, nur die Printen von van den Daele und Middelberg haben eine matte Oberfläche. Außerdem unterscheiden sich die Printen in Bezug auf die Größe der charakteristischen mitgebackenen Kandisstücke. Bei einigen der Großbäckereien wie Leo und Lambertz fiel zudem auf, dass Glukose-Fruktose-Sirup und ähnliche optimierte Zutaten verwendet wurden.

Für uns war das Ergebnis des Geschmackstests am Ende überraschend: “die beste Printe” gibt es nicht! Alleine für sich gekostet schmeckte eigentlich fast jede Printe gut, erst im unmittelbaren Vergleich zeigten sich die Unterschiede. Welche Printe man dann bevorzugt, kommt auch darauf an, ob man gerade auf mehr oder weniger Gewürze Lust hat. Wir hatten außerdem erwartet, geschmacklich einen deutlichen Unterschied zwischen den Printen der großen Ketten und den Printen der weniger bekannten kleineren Bäcker auszumachen, doch auch das war nicht der Fall. Es gab allerdings einige Printen, die so langweilig schmeckten, dass wir sie nicht noch einmal kaufen würden. Überhaupt nicht überzeugen konnten uns leider die Printen von Eschweiler, Esser, Leo und Simais. Diesen Printen fehlte irgendwie der Charakter, denn sie waren geschmacklich fad und vordergründig eher süß als würzig bzw. kamen die Gewürze erst sehr spät durch.

Sehr gut geschmeckt haben uns hingegen die Printen von Klein, Lammerskötter, Mannebach und Nobis, bei denen die Gewürze besonders ausgewogen sind. Dabei sind die Printen von Klein und Mannebach etwas milder im Geschmack, diejenigen von Nobis und Lammerskötter etwas stärker gewürzt. Die Printen der Bäckerei Mannebach sind geschmacklich zunächst etwas zurückhaltend, bevor der Anisgeschmack hervortritt. Die Printen der Bäckerei Klein, die als letzte der großen Anbieter noch im Stadtzentrum backt, sind sehr hart und eher keksig (können aber, worauf die Verkäufer stets hinweisen, mithilfe eines Apfelstückchens in der Dose schön weich gemacht werden). Sie haben einen angenehmen, unaufdringlichen Geschmack und eine helle, glatte Oberfläche. Die Printen der Bäckerei Nobis, die in der Stadt wohl am meisten Präsenz zeigt, sind hingegen für eine Hartprinte sehr weich, außerdem fällt in der Zutatenliste auf, daß auch Roggenmehl verwendet wird. Die Printen der Bäckerei Lammerskötter in Burtscheid schließlich haben einen satten, ausgewogenen Kräutergeschmack und zeichnen sich durch besonders große Kandisstückchen aus. Mir schmeckten auch die Printen von Drouven ziemlich gut, allerdings ist der Geschmack weniger ausgewogen und man sollte ein Freund des Kardamons sein, der sehr stark hervortritt. Durchaus wieder kaufen würden wir auch die Kräuterprinten der Alt Aachener Kaffeestuben van den Daele, auch wenn sie streng genommen weniger Printen als gewürzte Kekse sind und tatsächlich auch in Belgien und nicht in Aachen produziert werden. Sie sind zudem deutlich kleiner als die üblichen Printen und dazu sehr hart und keksig.

Die Wahl fällt nun jedenfalls deutlich schwerer, wenn es darum geht, Aachener Printen zum Kaffee zu kaufen ;-)


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Ausflug ins Salz

Mit gemischten Gefühlen kamen wir von einem Wochenende im Salzkammergut zurück. Einerseits war da diese wunderschöne Landschaft. Wir wohnten in einem Traditionshaus in Bad Goisern, an dessen Stelle sich bereits in der Römerzeit eine Herberge befunden haben soll ;-) , und aus dem Fenster bot sich uns ein herrlicher Blick ins Grüne auf ein kleines Kirchlein. Als wir an den Hallstätter See fuhren, präsentierte sich dieser zunächst dramatisch wolkenverhangen, darüber lugten die verschneiten Bergspitzen hervor. Es war so schön, ich hätte sofort den nächsten Urlaub in der Region buchen können! Anderseits war da dieser unerträgliche Touristenrummel. In Hallstatt selbst, dem eigentlichen Ziel unseres Ausflugs, reihten sich Souvenirgeschäfte und Gaststätten mit immer gleichem, nichtssagendem Angebot aneinander, dazwischen wimmelte es von selfie-knipsenden Gästen aus aller Welt. Dabei ist der kleine Ort, dessen Holzhäuser sich malerisch am Seeufer an den Hang schmiegen, eigentlich recht niedlich. Sehenswert war zumindest das Beinhaus der Michaelskapelle, in dem seit dem 18. Jh. die kunstvoll bemalten Schädel der Toten aufbewahrt werden, die bei der Neubelegung eines Grabes exhumiert wurden. Da wir sowieso wegen der prähistorischen Vergangenheit der Stadt gekommen waren – schließlich gibt Hallstatt einer ganzen Epoche ihren Namen – , fuhren wir hinauf auf den Salzberg. Dort befanden sich in einem Hochtal neben dem Salzbergwerk, das wohl das älteste der Welt und noch heute in Betrieb ist, in der Bronze- und Eisenzeit die Siedlung der Bergarbeiter und das zugehörige Gräberfeld, von dem bisher ca. 1500 Bestattungen freigelegt wurden. Leider erinnert heute nur noch wenig an diese bedeutende Stätte. Selbst im Bergwerk erfährt man kaum etwas darüber, denn die 1,5-stündige Führung war der reinste Touri-Nepp. Untertage wurden uns mehrere aufwendige, aber uninformative Animationen, eine Licht-Show und Werbefilme für die Betreiberfirma des Bergwerks präsentiert. Definitives Highlight war die im Berg ausgegrabene Holzstiege aus dem Jahr 1344 v. Chr., die in einem “Bronzezeit-Kino” präsentiert wird. Als wir wieder aus dem Berg auftauchten, schien die Sonne, und wir konnten den wunderschönen Blick über den Hallstätter See genießen. Im Museum unten im Ort gab es dann wenigstens noch ein bißchen Hallstatt-Kultur zu sehen mit einigen wenigen Funden aus dem Bergwerk (die meisten Funde sind wohl in Wien) und zahlreichen imposanten Grabbeigaben aus der Nekropole.
Wir flohen jedenfalls aus Hallstatt ins nahe gelegene Bad Ischl, wo wir auf den Spuren von Sisi und Franz Josef – sie hatten dort eine ihrer Sommerresidenzen – in der ehemaligen k. u. k. Hofzuckerbäckerei Zauner den berühmten und ganz köstlichen Zaunerstollen kosteten.


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Roma – immer etwas Neues zu entdecken!

Anfang Februar gönnte ich mir nach anderthalbjähriger Abstinenz endlich wieder ein verlängertes Wochenende in meiner Lieblingsstadt Rom. Wie immer hatte ich mir viel zuviel vorgenommen, denn neben zahlreichen Treffen mit all meinen lieben Freunden wollte ich natürlich auch allen vertrauten Orten einen Besuch abstatten – eine Mission, die natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Dennoch schaute ich ins Pantheon hinein – vielleicht ein letztes Mal, bevor es ab nächstem Jahr möglicherweise Eintritt kostet -, trank bei S. Eustacchio einen Cappuccino (diesmal enttäuschend verwässert), genoß meine geliebten Puntarelle im Traditionslokal am Largo dei Librari, warf eine Münze in die dank Fendi frisch restaurierte Fontana di Trevi, damit ich auch ja wiederkommen werde usw. usw. Außerdem wäre Rom ja nicht Rom, gäbe es neben diesem Fix-Programm nicht immer noch Neues zu entdecken. Dieses Mal konnte ich endlich Sa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum besuchen, eine der ältesten Kirchen Roms, die im 6. Jh. in einige Räumlichkeiten am Fuße des Palatins hineingebaut wurde. Normalerweise ist die Kirche für das Publikum geschlossen, und ich hatte bisher immer alle Gelegenheiten verpaßt, um mal hineinzuschauen. Aber jetzt war sie im Rahmen einer Ausstellung geöffnet. Ich war vollkommen überwältigt von der Fülle an Wandmalereien aus dem 6.-8. Jh. und deren guten Erhaltungszustand, die teilweise erstaunlich gute Parallelen für meine schließlich zeitgleichen Umayyaden abgeben ;-)

Pünktlich zu meinem Besuch eröffnete außerdem eine neue ‘passeggiata archeologica’, die über eine Reihe von Stegen vom Forum Romanum neben der Basilica Aemilia über das Caesarforum und durch die mit unzähligen Fundkästen gefüllten Keller der mittelalterlichen Häuser des Quartiere Alessandrino aufs Trajansforum führt. Jeden 1. Sonntag im Monat wird sie nun kostenfrei zugänglich sein. Viel Neues gab es dort zwar nicht zu sehen, aber irgendwie hatte es doch etwas, das Caesarforum zumindest fast aus der Perspektive eines antiken Römers wahrzunehmen.

Was ich auch unbedingt hatte sehen wollen, war das reverse graffiti, das der südafrikanische Künstler William Kentridge im letzten Jahr an der Tiberbefestigung hat entstehen lassen. Auf etwa 500 m entstand durch selektives Entfernen des jahrelang angesammelten Schmutzes auf der Mauer eine Erzählung der Geschichte Roms, gespickt mit allerhand Anspielungen. Alles war noch gut zu erkennen, und so spazierte ich am Tiberufer entlang und versuchte, die Bilder zu entschlüsseln.

Schließlich besuchte ich mit einer Führung noch den ‘Bunker’ in der Villa Ada, den sich die Königsfamilie der Savoyen auf dem Grundstück ihrer Villa im 2. Weltkrieg angelegt hat. Streng genommen handelt es sich gar nicht um einen Bunker, denn das ‘refugio’ ist nicht aus Beton errichtet, sondern in den anstehenden Tuff eines Hügels hineingeschnitten und mit Ziegeln verkleidet. Schutz vor Bomben sollte lediglich ein auf der Hügelkuppe errichtetes ‘Dach’ aus einer auf Stelzen stehenden Betonplatte gewährleisten. Ob das wohl funktioniert hätte? Insgesamt ist die Anlage sehr eigenwillig gebaut. Sie ist ringförmig angelegt und so breit, daß man mit dem Auto hineinfahren konnte. Das eigentliche ‘refugio’ war dann nur ein kleiner Raum, ein Durchgangszimmer, das gerade mal Platz für eine Sitzgruppe geboten haben kann, dafür aber mit einem Filtersystem gegen Gasangriffe und angeschlossenenem WC ausgestattet war. Dadurch wird klar, daß es sich hier um kein Notquartier gehandelt haben kann, sondern höchstens um einen Unterstand bei Fliegeralarm. Leider weiß man nichts Genaues über Einrichtung und Nutzung des Baus, es wird jedoch angenommen, daß die Königsfamilie 1943 während der Bombardierung von San Lorenzo dort Zuflucht suchte. Also kein Bunker, aber dennoch sehr sehenswert! Außerdem nutzte ich meinen Ausflug in diese Gegend Roms für einen Besuch im Stammhaus meiner Lieblings-Eisdiele Fatamorgana. Sie haben umgebaut, und alles wirkte ein bißchen moderner, doch wie früher gab es dort die ultimative Auswahl an Eissorten. Ich konnte gar nicht anders, als noch einen Nachschlag zu nehmen!


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Drei-Länder-Urlaub 3a: Slowenien – An der Isonzo-Front

Die längste Zeit unseres Urlaubs verbrachten wir in Slowenien im kleinen, abgelegenen Dörfchen Robidišce in den Bergen oberhalb des Natisone, der jetzt Nadiža hieß, kaum 500 m von der italienischen Grenze entfernt. In dem verschlafenen Örtchen mit seinen alten Steinhäusern fühlten wir uns wie am Ende der Welt. Außer einigen rasenmähenden Nachbarn, krähenden Hähnen und einem mysteriösen Lastwagen, der das Dorf als verbotene Abkürzung nach Italien nutzte, war dort nämlich absolut nix los. Wie wir diese Ruhe genossen! Wir wohnten wieder in einem alten Steinhaus, das zwar etwas kleiner und weniger luxuriös war als in Italien. Dafür aber gehörten dazu eine wunderschöne, große Wiese und ein Gemüsegarten, aus dem wir uns nach Herzenslust bedienen durften. Wir schwelgten in frischen Salaten direkt aus dem Garten, und zum Frühstück gab es frische Eier von den hauseigenen Hühnern – ein absolutes Highlight!

In Slowenien war das großes Thema, das bis heute die Landschaft prägt und uns auf unseren Ausflügen beinahe auf Schritt und Tritt begleitete, der 1. Weltkrieg. Von Mai 1915 bis Oktober 1917 verlief in den Julischen Alpen und entlang des Flusses Soča/Isonzo die Front zwischen Österreich-Ungarn und Italien. In erbitterten Kämpfen in bis zu 2000 m Höhe und bei schwierigsten Witterungsverhältnissen fielen dort auf beiden Seiten hunderttausende Soldaten – für minimale Gebietsgewinne. Erst im Herbst 1917 gelang es den Österreichern mithilfe der Deutschen, Kobarid einzunehmen und bis an die Piave vorzudringen. Aufgrund dieser wechselhaften Geschichte haben alle Orte in der Region auch italienische und deutsche Namen. Ehemalige Stellungen der Österreicher und Italiener durchziehen die Landschaft und führen mit ihrer traumhaften Aussicht und wunderschönen Bergkulisse die Absurdität des Krieges vor Augen. Vor allem aber erschütterten uns die Toten, die uns immer wieder auf Gefallenenfriedhöfen begegneten. Kobarid – italienisch Caporetto, deutsch Karfreit -, das von unserem Bergdörfchen aus der nächstgrößere Ort war, fiel nach dem 1. Weltkrieg an Italien. Unter Mussolini wurde dort die Antoniuskirche zu einem Beinhaus umgebaut. Bedrückend, die Namen der über 7000 gefallenen Soldaten zu lesen, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Deutschen errichteten 1936-1938 in der Nähe von Tolmin ihr Beinhaus, in dem etwa 1000 Soldaten beigesetzt sind. In Einklang mit nationalsozialistischer Ideologie wird das Grab des unbekannten Soldaten nur bei Sonnenwende von Sonnenstrahlen beschienen. An einen kleinen Teil der österreichischen Gefallenen erinnert die kleine Heiliggeist-Kirche in Javorca bei Tolmin. Es war eine abenteuerliche Fahrt auf schlechter, schmaler Straße, bis wir diese Kirche auf einer Alm mitten im Nirgendwo erreichten. Einst standen dort österreich-ungarische Baracken, jetzt steht die Kirche fast allein in friedlicher Landschaft. Weder kann man sich vorstellen, was sich dort während des Krieges abspielte. Noch rechnet man damit, dort plötzlich auf schönsten Wiener Jugendstil zu treffen, in dem der Wiener Maler und Bühnenbildner Remigius Geyling, damals Oberleutnant, die Kirche ausstattete. Die Tafeln an den Wänden nennen die Gefallenen – 2564 Namen sind dort verzeichnet. Nach dem Krieg verlief in diesem Gebiet dem Vertrag von Rapallo zufolge die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien, von der auf der Polog Alm hinter der Kirche zahlreiche italienische Bunker zeugen. Die anschließende Wanderung nach unserem Kirchenbesuch gehörte dann zu den schönsten des Urlaubs: fast ganz allein wanderten wir bei traumhafter Bergkulisse über Almen und durch Wälder und überquerten mit einer Handseilbahn den Fluß Tolminka.

Nur eines muß eine Legende sein: Daß Hemingway, der als Freiwilliger auf Seiten der Italiener als Krankenwagenfahrer am Krieg teilnahm, selbst in Kobarid stationiert war und sich eventuell in dem Haus am Stadtrand, in dem sich heute das hervorragende Lokal Hiša Franko befindet, sogar von einer Kriegsverletzung erholt hat. In seinem Roman “A Farewell to Arms”, den ich nach der Reise verschlang, schreibt Hemingway zwar in den Worten seines Protagonisten Frederic zu Caporetto/Kobarid: “I remembered it as a little white town with a campanile in a valley. It was a clean little town and there was a fine fountain in the square.” 1918 jedoch, als Hemingway an die Front kam, war Kobarid bereits von den Österreichern besetzt. Die Geschehnisse, die sein Protagonist Frederic 1915-1917 an der Isonzo-Front durchsteht, hat er also nicht selbst erlebt – zu diesem Zeitpunkt war Hemingway noch auf der Highschool.

 


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Drei-Länder-Urlaub 1: Österreich – In der Provinz Noricum

Unser Sommerurlaub führte uns dieses Jahr mal in ein anderes Dreiländereck: nach Österreich, Italien und Slowenien. Als Auftakt ging es ins österreichische Kärnten, wo ich endlich die bedeutenden Stätten der römischen Provinz Noricum sehen wollte, von denen ich in unzähligen Diplomprüfungen schon so viel gehört hatte. Wir wohnten im Mölltal in einer gemütlichen Ferienwohnung, von deren einem Balkon (es gab gleich zwei!) wir einen herrlichen Blick auf die umliegenden Berge hatten – unser Lieblingsplätzchen für einen Kaffee mit Kärntner Reindling und ein gutes Buch.

Einen Tag widmeten wir den Römerstädten im Osten Kärntens. Wir begannen am Magdalensberg, wo sich römische Präsenz, noch bevor Noricum um 15 v. Chr. ins Römische Reich eingegliedert wurde, manifestiert. Unterhalb des Gipfels, der einen fantastischen Rundumblick bietet, entstand ein römischer Handelsstützpunkt für die Verarbeitung und den Handel mit norischem Eisen. Im Zentrum steht ein gewaltiger Tempel, den man einst von weit im Tal aus gesehen haben muß. Unter Claudius wurde die Siedlung auf dem Magdalensberg aufgegeben und im Tal am Zollfeld Virunum als neue Hauptstadt der inzwischen Provinz Noricum errichtet. Von der Stadt Virunum ist heute nur noch das etwas eigentümliche, weil merkwürdig langgestreckte und asymmetrische Amphitheater zu sehen. Was jedoch vom Reichtum und der romanitas der Bewohner zeugt, sind die zahlreichen ‘Römersteine’, die überall am Zollfeld als Spolien verbaut sind. Besonders idyllisch ist das ‘Prunnerkreuz’, eine kleine Kapelle, Ende des 17. Jhs. von einem der ersten Erforscher der Römerstadt, Johann Dominikus Prunner, errichtet. Er glaubte jedoch noch, dort die Stadt Sala lokalisieren zu können, wie auch eine Inschrift auf einem der eingemauerten Grabsteine verkündet. Mit besonders beeindruckenden Römersteinen wartet die Kirche von Maria Saal auf. An den Außenmauern sind die schönsten Stücke vermauert, aber auch im Innern ist vom Weihwasserbecken bis zum Opferstock alles Römerstein, sogar einen römischen Kindersarkophag gibt es beim Grab des Heiligen Modestus! Zuletzt fuhren wir zum Hemmaberg, wo sich ein gewaltiges Pilgerzentrum aus dem 6. Jh. erstreckt. Gleich vier große Kirchen wurden dort errichtet: eine Doppelkirchenanlage für die katholische und eine für die arianische Gemeinde, denn das Gebiet gehörte ab 493 für einige Jahrzehnte zum arianischen Ostgotenreich Theoderichs. Woher kamen all die Pilger? Heute ist es jedenfalls herrlich ruhig dort oben. Am Fuß des Berges sind in Globasnitz, dem römischen Iuenna, die Mosaiken und weitere Funde aus den Kirchen ausgestellt. Als Abschluß des langen Tages kehrten wir schließlich noch im Fischrestaurant der Familie Sicher in Tainach ein. Der Gastgarten war wie ein kleines Paradies, der Saiblingskaviar auf Saiblingscarpaccio aus eigener Zucht mit einem Hauch von Wildkräutersalat ein Gedicht – für mich das beste Gericht des ganzen Urlaubs!

Ganz in der Nähe von unserem Domizil lag Teurnia/St. Peter in Holz. Auch dies war einst eine bedeutende Stadt, die in den letzten Jahren römischer Herrschaft sogar Virunum als Provinzhauptstadt ablöste. In der Friedhofskirche ist in einer der Seitenkapellen ein wirklich schräges Mosaik erhalten, das in seeehr provinziellen Stil einerseits altbekannte Motive, andererseits kreative Neuschöpfungen wiedergibt. Auch die Bischofskirche beeindruckte wieder mit ihrer enormen Größe. Besonders gut gefiel uns das Museum, das in einer ehemaligen Scheune untergebracht ist und wieder viele schöne Römersteine barg. Zu Teurnia gehörte wohl auch das Heiligtum auf dem Danielsberg. Dieser 966 m hohe kegelförmige Hügel erhebt sich mitten im Mölltal – prädestiniert für ein Heiligtum. Auch heute steht oben noch eine Kirche, die man schon von Weitem sieht, wenn man ins Tal hineinfährt. Ich konnte mir richtig vorstellen, wie ein Tempel an ihrer Stelle ins Tal gestrahlt haben muß. Wie eine in der Kirche vermauerte Inschrift vermuten läßt, war er Hercules geweiht. Der Aufstieg begann quasi vor unserer Haustür und war gar nicht so leicht, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Dafür wurden wir oben mit einem fantastischen Blick über das Mölltal, einigen schönen Römersteinen in der Kirche und einem netten Lokal belohnt.

Ganz ohne Römer ging es schließlich noch zum Großglockner, mit 3798 m Österreichs höchster Berg. Naja, so richtig rauf wagten wir uns dann doch nicht, sondern genossen den Blick auf seine verschneite Spitze lieber vom gegenübergelegene Schareck. Dort kann man bequem von Heiligenblut aus mit der Bergbahn bis auf etwa 2600 m Höhe hinauffahren. Oben angekommen gingen wir einen Rundwanderweg in unwirtlicher, karger, doch dadurch auch umso faszinierenderer Landschaft, vorbei an Karsthöhlen, Felsspalten und der tiefen Mauskarscharte, die man über einem ganz schmalen Grad passierte. Das Szenario war im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend!


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Schwelgen in den Früchten aus dem Paradies

Einen Tag vor meinem Geburtstag besuchten wir im Juli wieder den Paradeiser-Kaiser Erich Stekovics am Neusiedler See. Dieses Mal waren wir besser vorbereitet und hatten schon im letzten Jahr eine der begehrten Genuss-Stunden gebucht. Die fiel nun ausgerechnet auf einen der heißesten Tage des Monats… Am Vormittag radelten wir auf geliehenen Fahrrädern noch einwenig am See entlang und genossen den Fahrtwind. Unterwegs begegneten uns Fasane, Falken und sogar Wiedehopfe in den Weingärten und Feldern. Schließlich kehrten wir noch im netten Heurigen des Weinguts Hölle ein, von dessen Terrasse man sogar ausnahmsweise mal den eigentlichen See sieht. Nachmittags um 4 fanden wir uns dann auf dem Hof in Frauenkirchen ein, wo uns Erich Stekovics persönlich in die Geheimnisse seines Tomatenanbaus einführte, während im Hintergrund gerade Knoblauchzöpfe geflochten wurde. Dann fuhren wir mit dem Meister zu seinem Schaufeld – “Schau”feld deshalb, weil dort hunderte verschiedene Tomatensorten nebeneinander angebaut werden. Erich Stekovics baut die Tomaten mit großem Abstand zueinander an und beschneidet sie nicht. Auch gießt er die Pflanzen nicht, sondern bettet sie in Stroh, so daß keine Feuchtigkeit an die Wurzeln kommt und die Sonnenstrahlen reflektiert werden. Wir kamen jedenfalls ordentlich ins Schwitzen! Einige Pflanzen waren richtig ausladende Büsche, die sich in der Fläche ausbreiteten, andere wuchsen nach oben, wieder andere waren ganz klein und hatten kaum Blätter usw. An allen hingen Tomaten: große und kleine, grün-rote, kleine gelbe in Kugel- oder Birnenform und andere, die im unreifen Zustand zunächst violett sind, bevor sie rot werden. Und wir dürften uns durchkosten – “Esst soviel ihr wollt!” wurden wir gleich zu Beginn aufgefordert und ließen uns nicht zweimal bitten. Nach einem ausgedehnten – heißen – Spaziergang ging es weiter zu den Gewächshäusern des Betriebs, wo die Samen gewonnen und Chilis angepflanzt werden und wir noch mehr verschiedene Tomatensorten probieren dürften. Zum Abschluß gab es zurück auf dem Hof noch eine Verkostung seiner Marmeladen und eingelegten Tomatenkreationen. Vier Stunden dauerte die ganze Tour. Sehr imposant, und ich glaube, ich habe tatsächlich noch nie soviele Tomaten gegessen wie an diesem Tag!!