Häferlkaffee


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Schwelgen in den Früchten aus dem Paradies

Einen Tag vor meinem Geburtstag besuchten wir im Juli wieder den Paradeiser-Kaiser Erich Stekovics am Neusiedler See. Dieses Mal waren wir besser vorbereitet und hatten schon im letzten Jahr eine der begehrten Genuss-Stunden gebucht. Die fiel nun ausgerechnet auf einen der heißesten Tage des Monats… Am Vormittag radelten wir auf geliehenen Fahrrädern noch einwenig am See entlang und genossen den Fahrtwind. Unterwegs begegneten uns Fasane, Falken und sogar Wiedehopfe in den Weingärten und Feldern. Schließlich kehrten wir noch im netten Heurigen des Weinguts Hölle ein, von dessen Terrasse man sogar ausnahmsweise mal den eigentlichen See sieht. Nachmittags um 4 fanden wir uns dann auf dem Hof in Frauenkirchen ein, wo uns Erich Stekovics persönlich in die Geheimnisse seines Tomatenanbaus einführte, während im Hintergrund gerade Knoblauchzöpfe geflochten wurde. Dann fuhren wir mit dem Meister zu seinem Schaufeld – “Schau”feld deshalb, weil dort hunderte verschiedene Tomatensorten nebeneinander angebaut werden. Erich Stekovics baut die Tomaten mit großem Abstand zueinander an und beschneidet sie nicht. Auch gießt er die Pflanzen nicht, sondern bettet sie in Stroh, so daß keine Feuchtigkeit an die Wurzeln kommt und die Sonnenstrahlen reflektiert werden. Wir kamen jedenfalls ordentlich ins Schwitzen! Einige Pflanzen waren richtig ausladende Büsche, die sich in der Fläche ausbreiteten, andere wuchsen nach oben, wieder andere waren ganz klein und hatten kaum Blätter usw. An allen hingen Tomaten: große und kleine, grün-rote, kleine gelbe in Kugel- oder Birnenform und andere, die im unreifen Zustand zunächst violett sind, bevor sie rot werden. Und wir dürften uns durchkosten – “Esst soviel ihr wollt!” wurden wir gleich zu Beginn aufgefordert und ließen uns nicht zweimal bitten. Nach einem ausgedehnten – heißen – Spaziergang ging es weiter zu den Gewächshäusern des Betriebs, wo die Samen gewonnen und Chilis angepflanzt werden und wir noch mehr verschiedene Tomatensorten probieren dürften. Zum Abschluß gab es zurück auf dem Hof noch eine Verkostung seiner Marmeladen und eingelegten Tomatenkreationen. Vier Stunden dauerte die ganze Tour. Sehr imposant, und ich glaube, ich habe tatsächlich noch nie soviele Tomaten gegessen wie an diesem Tag!!

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Von Paradeisern und Vögeln am Neusiedler See

Ein Traum wurde wahr: wir besuchten den Paradeiser-Kaiser Erich Stekovics in Frauenkirchen nahe dem Neusiedler See. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, wieviele verschiedene und exotische Sorten Paradeiser (zu deutsch: Tomaten) und Pfefferoni (zu deutsch: Chilis) aus allen Teilen der Welt er züchtet und als kleine Pflänzchen auf seinem Hof verkauft! Uns blutete das Herz, daß wir selbst keine Pflanzen mitnehmen konnten, denn bekanntlich gedeiht auf meinem Wiener Schattenbalkon außer Fleißigen Lieschen ja überhaupt nichts. Dafür schlugen wir bei den eingelegten Chilis und Marmeladen ordentlich zu, und ich gönnte mir wenigstens einen ausgefallenen Basilikum.Zum Abschied dürften wir sogar dem Meister persönlich die Hand schütteln!

Wir fuhren weiter an das Südostende des Neusiedler Sees in den Nationalpark Seewinkel. Dort liehen wir uns ein Fernglas aus und beobachteten die unzähligen Vögel an den Salzlacken. Vor allem Graugans-Familien bevölkerten die Wiesen und Lacken und spazierten zwischen den Weinstöcken umher. Dazwischen unzählige Kiebitze und Säbelschnäbler und auch so manch anderer Vogel. Ich war begeistert! Zum Abschluß eines gelungenen Tages kehrten wir im Arche-Hof “Zur Grube” ein, der es sich zur Aufgabe gemacht haben, bedrohte Ziegen- und Schafrassen vor dem Aussterben zu bewahren. Die hauseigenen Käsekreationen waren ein wahrer Genuß! Ganz beseelt fuhren wir am späten Nachmittag nach Wien zurück.


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Erster Ausflug nach Ungarn

An Ferragosto machte ich meinen ersten Ausflug nach Ungarn, ins kleine Städtchen Sopron. Eigentlich hätte die Stadt, auf Deutsch Ödenburg genannt, nach dem 1. Weltkrieg die Hauptstadt des Burgenlandes werden sollen, aber dann stimmten die Bürger in einer Volksabstimmung für Ungarn… Das Wahrzeichen der Stadt ist der Feuerturm, den ich natürlich sofort erklimmen mußte, um über die Dächer der Stadt zu blicken (Bilder 1-2). In der Römerzeit lag hier das antike Scarbantia, eine blühende Handelstadt an der Bernsteinstraße, der Verbindungsroute von der Nord- und Ostsee ans Mittelmeer. Unter einer Weinhandlung in einem unscheinbaren Neubau kann man zu einem Teil des antiken Forums hinabsteigen (Bilder 3-4). Weitere Ausläufer des Forums mit diversen Wohnbauten sind in einem kleinen Park an der Stadtmauer erhalten (Bild 5). Diese Mauer ist auf den Fundamenten der römischen Befestigung errichtet, teilweise sogar mit deren Quadern (Bild 6). Im Forumstempel wurde eine beeindruckende Statuengruppe der Capitolinischen Trias gefunden, die man heute – leider in ganz schlecht ausgeleuchteter Schatzkammeratmosphäre – im Lapidarium des Archäologischen Museums besichtigen kann (Bild 7). Auf dem Hauptplatz (Bild 8) gönnte ich mir ein Kürtőskalács, ein Baumstriezel aus einer Art Brandteig, der auf ein Rundholz gedreht über Feuer gebacken wird (Bilder 9-10) – mmmmh! Das war eine sehr lohnende Tagestour!


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Zu Besuch bei den Esterházys

Nach Eisenstadt, in die Hauptstadt des Burgenlandes, war ich ja eigentlich gekommen, um endlich die Mosaiken und Wandmalereien aus der Villa von Bruckneudorf, die ich zu Pfingsten besucht hatte, im Landesmuseum anzusehen (Bilder 2-4)! Hinter dem Museum, im Schatten des Krankenhauses, liegt ein alter jüdischer Friedhof (Bild 5). Darüber hinaus ist Eisenstadt aber vor allem als Residenzstadt der Fürsten Esterházy bekannt. Die Esterházys führen sich bis auf die Hunnen zurück, darunter auch Hunnenkönig Attila, dessen Büste unter anderen die Fassade ihres prächtigen Barockschlosses schmückt (Bilder 1, 6-7). An der Wende zum 19. Jh. ließ Fürst Nikolaus II. den Garten nach englischer Mode samt Tempelchen und Teichen umgestalten (Bild 8). Im Dienste der Esterházys stand viele Jahre lang auch Joseph Haydn, der unweit des Schlosses in der Bergkirche (Bild 9) bestattet ist – seit 1932 in einem eigenen Mausoleum in einer Seitenkapelle (Bild 10). Die Kirche aus dem 18. Jh. ist ganz und gar von einem Kalvarienberg umbaut – daher ihre merkwürdige Form: in künstlichen Stiegen, Höhlengängen und Grotten läßt sich um die Kirche wandern und in 20 Stationen mit großen Figuren die Passion Christi erleben (Bilder 11-12). Insgesamt eine wirklich nette, sehenswerte kleine Stadt!


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Palast oder Villa? Von Bruck an den Neusiedler See

Sozusagen als Nachtrag zu unserer Serbienexkursion im letzten Sommer, die ja unter dem Thema spätantike Kaiserpaläste stand, wollte ich nun endlich auch die österreichische “Kaiservilla” in Bruckneudorf besuchen, und so machte ich mich am Pfingstmontag mit Zug und Fahrrad auf nach Bruck an der Leitha. Dort gab es erstmal ein richtig hübsches Barockkirchlein mit Säulenmonumenten, das eine sogar für das Überwinden nicht nur der Pest, sondern auch der Türkenbelagerung 1683 (Bilder 1-2) und ein gewaltiges Monument für die Gefallenen des 1. Weltkriegs, 1915/16 angeblich nach Vorbild des Leipziger Völkerschlachtdenkmals errichtet (Bild 3), zu bestaunen. Dann ging es mit dem Fahrrad über die Felder zur Villa von Bruckneudorf. Die Mauern sind alle wiederaufgebaut, die Mosaiken im Museum, die Lage zwischen Autobahn und summenden Hochspannungsmasten idyllisch, doch man bekommt schon einen guten Eindruck von der absurden Größe des Apsidensaals im Vergleich zum Rest der Villa – vielleicht der provisorische Sitz des Statthalters von Oberpannonien, als sein Palast in Carnuntum gerade von einem Erdbeben zerstört in Trümmern lag, wie Ausgräber Zabelihlicky vermutet (Bilder 4-5)? An geschlossenen Shoppingcentern vorbei ging es dann weiter nach Neusiedl am See. Den Ort überragt in einem Blumenmeer die Ruine Tabor, ein Wehrturm aus dem 14. Jh., von der aus man einen hervorragenden Blick über den See hat (Bilder 6-8). Der Neusiedler See ist ja ein flacher Steppensee, und so geht es unten zunächst durch unzählige Meter Schilf, der stellenweise auch abgebaut wird (Bild 9), bis man an einen der raren Wasserzugänge gelangt.