Häferlkaffee


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Ruinenromantik am Kalenderberg

An einem sonnigen Sonntag im April bestieg ich den Kalenderberg bei Mödling. Im Gelände verstreut sind künstliche Ruinen, die Fürst Johann Josef I. von und zu Liechtenstein Anfang des 19. Jhs. anlegen ließ. Der Weg führte zunächst durch felsige Landschaft über Stiegen, vorbei an im Wind gebogenen Föhren, wo ich mich fast in der Sächsischen Schweiz wähnte. Dramatisch am Hang liegt der Schwarze Turm, als erste der künstlichen Ruinen 1809 erbaut und heute noch bewohnt (ich wurde ganz neidisch ;-) ). Es folgten das Pfefferbüchsel, eine kleine Kapelle, von der heute jedoch nur noch wenig übrig ist, und die Römerwand, die ich nach langem Suchen endlich unter einem Antennenmast aufstöberte. Von hier aus machte ich einen Abstecher zur Seegrotte in der Vorderbrühl, trotz des romatischen Namens keine weitere Ruine, sondern ein stillgelegtes Gipsbergwerk. 1912 gab es dort auf der unteren Stollenebene einen Wassereinbruch, woraufhin der Betrieb eingestellt wurde. Im 2. Weltkrieg wurde in der oberen Ebene eine unterirdische Flugzeugfabrik der Heinkel AG eingerichtet, in der von KZ-Häftlingen aus Mauthausen Rumpfteile der Heinkel HE 162 gebaut wurden. Heute wird der untere Stollen soweit freigepumpt, daß man mit dem Boot darin fahren kann – angeblich ist es der größte unterirdische See Europas, der auch schon häufig als Filmkulisse herhalten mußte, so in der Disney-Verfilmung der “Drei Musketiere”, wovon noch etliche zurückgelassene Kulissen zeugen. Nach der kleinen Bootsfahrt wanderte ich zurück zum Kalenderberg und beschloß die Runde an den Bögen des Amphitheaters – sehr gut getroffen – und dem klassizistischen Schloß mit der gegenüber gelegenen, auf mittelalterlichen Resten erbauten Burg Liechtenstein. Sie von innen zu besichtigen habe ich mich allerdings fürs nächste Mal aufgehoben ;-)

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Festung im Nebel

An unserem ersten Tag in der Sächsischen Schweiz regnete es, und wir erklommen die Festung Königstein. Der Tafelberg war gespenstisch in Nebel gehüllt – wie imposant er über der Elbe thront, sollte sich uns erst auf unseren Wanderungen der nächsten Tage offenbaren. Seit dem 12. Jh. gab es wohl eine Burg auf dem Plateau, das Kurfürst Christian I. Ende des 16. Jhs. zur stärksten Festung Sachsens ausbauen ließ. Der Königstein galt als uneinnehmbar. Als Sachsen Mitglied des Rheinbundes wurde, soll 1813 sogar Napoleon dort vorbeigeschaut haben. Nach 1870 wurde die Festung noch einmal ausgebaut. Zufällig waren wir am Tag des offenen Denkmals auf der Burg und hatten so die Gelegenheit, in einige dieser Ende des 19. Jhs. neu angelegten Kasematten hineinzuschauen. In den hohen, überwölbten Gängen fühlten wir uns sofort an das ungefähr zeitgleich errichtete Fort Loncin erinnert. Und der Königstein blieb eine Festung: eine dieser Kasematten war zu DDR-Zeiten zu einem Zivilschutzbunker ausgebaut worden.


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Grenzgänge

Mein Ausflug zu Ferragosto in diesem Jahr: Aachen ganz im Zeichen Karls des Großen. Die Stadt feiert den 1200. Todestag ihres legendären Kaisers mit drei Ausstellungen, die ich unbegingt sehen wollte. Gut, die Ausstellungen zu “Verlorenen Schätzen” in der Domschatzkammer (eher dürftig), “Karls Kunst” mit wunderschönen Elfenbeinen und Handschriften (aber viel zu wenig Erläuterungen) und “Orten der Macht” (einfach zu vollgestellt) waren dann doch erschreckend provinziell. Aber dafür war das Wochenendprogramm im Aachener Umland dann umso schöner.

Unser nächster Tag war einem ganz anderen Jubiläum gewidmet, dem Gedenken an den 1. Weltkrieg. Wir fuhren nach Belgien, ins nahegelegene Liège. Dort bummelten wir zunächst durch die schöne Altstadt und probierten allerhand Leckereien – unwiderstehliches Gebäck und ein grünes Spargeleis (!), von dem ich ausnahmsweise sagen muß, daß es doch nicht ganz mein Fall war ;-) Auf einer schier endlos wirkenden Treppe erklommen wir die Zitadelle, auf der ein Obelisk an den 1. Weltkrieg erinnert und einen herrlichen Blick über die Stadt bietet. Dann fuhren wir zum Fort von Loncin. Die 1888 in einfachem Beton errichtete Festung gehörte zu einem Verteidigungsring rund um Liège. Bereits in den ersten Kriegstagen im August 1914 wurde sie von den Deutschen belagert und konnte standhalten, bis schwere Artillerie schließlich die Munitionskammer traf. Das Fort flog beinahe vollkommen in die Luft und begrub 350 Soldaten unter sich. Bei dem Fort handelt es sich um eine dreieckige Anlage umgeben von einem großen Graben. Im Innern der wenigen erhaltenen Räume erkennt man, im Vergleich zu den Bauten des 2. Weltkriegs dieser Art, an den hohen Gewölben sofort das 19. Jahrhundert. Draußen bietet sich ein Bild der Zerstörung. Anstelle des zentralen Traktes befindet sich ein riesiger Krater, die gewaltigen Kuppeln aus Kruppstahl mit den Haubitzen sind umgefallen wie Spielzeuge und rosten dahin. Ein beklemmender Anblick. Neben dem Fort erinnert ein Mahnmal an die dort gefallenen Helden.

Am Sonntag wagten wir uns noch einmal ins Hochmoor des Hohen Venn an der deutsch-belgischen Grenze. Es war unglaublich windig, aber immerhin regnete es diesmal nicht. Dick eingemummelt wanderten wir über die Stege. Uns begleitete das Rauschen der Pfeifengräser, Heidekraut umgab das Moor mit einem lila Schimmer, und am Wegesrand gab es Heidelbeeren zu naschen.


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Uneinnehmbar

Letztes Wochenende besuchten wir von Aachen aus das Fort Eben-Emael, 10 km von Maastricht entfernt auf der belgischen Seite der Maas. Das gigantische Bunkerfort, dessen endlose Gänge sich in 3 Etagen auf 75 ha verteilen, wurde 1932-39 errichtet. Es hat eine kurze und tragische Geschichte: Am 10. Mai 1940 eroberte eine 82 Mann starke deutsche Einheit binnen etwas mehr als einem Tag das bis dahin als uneinnehmbar geltende Fort. Die Deutschen kamen aus der Luft, lautlos in Lastenseglern, und landeten auf dem Dach des Forts. Im Gepäck hatten sie Hohlladungswaffen, damals noch”Geheimwaffen”, die hier erstmalig zum Einsatz kamen und die Geschütztürme und gepanzerten Beobachtungsstände schnell außer Kraft setzten. Der Druck der Detonationen tötete einige Soldaten im Innern des Forts. Völlig überrumpelt konnte die über 1000 Mann starke Besatzung des Forts die Lage nicht einschätzen und ergab sich schließlich – eine Entscheidung, die in Belgien offenbar noch heute als große Schande wahrgenommen wird. Wir waren knapp 3 Stunden in der Anlage und haben doch nur einen winzigen Bruchteil gesehen! Zunächste gelangt man in die unterirdischen Quartiere und die Kommandozentrale (Bilder 2-3). Weiter hinein in das labyrinthische Gangsystem ging es nur mit einer Führung. Im Innern ist noch die volle Bewaffnung erhalten, so auch die Geschütze in den Kasematten (Bild 8 und 12). In einem anderen Geschützturm sieht man die Folgen einer Hohlladung (Bilder 9-10). Anschließend liefen wir draußen das Dach des Forts ab. Zwischen Bäumen und aus einem Feld ragen die Kasematten und Beobachtungskuppeln hervor. Deutlich sind die Abdrücke der angesetzten Hohlladungswaffen zu erkennen (Bild 14). Außerhalb des Forts, aber mit einem unterirdischen Gang damit verbunden, blickt eine Spähkuppel über den Albertkanal (Bild 19). Eine unwirkliche Stimmung…


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Bunkerwanderung im Schnee

Eine weitere Etappe entlang des Westwalls, auf dem Buhlert oberhalb von Simonskall. Hier blickt an scheinbar abgelegener Stelle eine Reihe Bunker ins Tal. Nicht immer sahen wir die Betonriesen unter dem Schnee sofort. Bedrückend die engen Unterstände, die Schießscharten, die Einschußlöcher an den Außenwänden. Einfach unbegreiflich bleibt mir, wie man in so etwas Destruktives wie Krieg einen solchen Aufwand, an Material, an ausgeklügelter Technik, investieren kann… Am Ende unserer Wanderung kam dann sogar noch die Sonne heraus.


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In der Eifel unterwegs, den Westwall entlang

Ich war malwieder in Aachen, um meine “Daheimgebliebenen” zu besuchen. Diesmal machten wir einen Ausflug in die Eifel, wo wir nach kurzem Spaziergang bei Simmerath auf den Westwall trafen – ein ca. 630 km langes Bollwerk, das Hitler 1938-1940 entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches errichten ließ, auch Siegfriedlinie genannt. Unfaßbar, wieviele Tonnen Beton dort in die Panzersperren geflossen sind! Unkaputtbar durchschneiden sie noch immer Felder und Viehweiden – man hat sich offensichtlich mit den Spitzen arrangiert – und das Moor. Ein Teil des Walls verläuft nämlich im Hochmoor des Hohen Venn (Bilder 3-4) – auf dem Wall kann man durch die Sumpflandschaft mit ihren Bächlein und bunten Blumen spazieren. Beeindruckend – und vor allem besänftigend -, wie sich die Natur dieses Unbauwerk zurückerobert! Ein absolut faszinierender Spaziergang!

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