Häferlkaffee


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Roma – immer etwas Neues zu entdecken!

Anfang Februar gönnte ich mir nach anderthalbjähriger Abstinenz endlich wieder ein verlängertes Wochenende in meiner Lieblingsstadt Rom. Wie immer hatte ich mir viel zuviel vorgenommen, denn neben zahlreichen Treffen mit all meinen lieben Freunden wollte ich natürlich auch allen vertrauten Orten einen Besuch abstatten – eine Mission, die natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Dennoch schaute ich ins Pantheon hinein – vielleicht ein letztes Mal, bevor es ab nächstem Jahr möglicherweise Eintritt kostet -, trank bei S. Eustacchio einen Cappuccino (diesmal enttäuschend verwässert), genoß meine geliebten Puntarelle im Traditionslokal am Largo dei Librari, warf eine Münze in die dank Fendi frisch restaurierte Fontana di Trevi, damit ich auch ja wiederkommen werde usw. usw. Außerdem wäre Rom ja nicht Rom, gäbe es neben diesem Fix-Programm nicht immer noch Neues zu entdecken. Dieses Mal konnte ich endlich Sa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum besuchen, eine der ältesten Kirchen Roms, die im 6. Jh. in einige Räumlichkeiten am Fuße des Palatins hineingebaut wurde. Normalerweise ist die Kirche für das Publikum geschlossen, und ich hatte bisher immer alle Gelegenheiten verpaßt, um mal hineinzuschauen. Aber jetzt war sie im Rahmen einer Ausstellung geöffnet. Ich war vollkommen überwältigt von der Fülle an Wandmalereien aus dem 6.-8. Jh. und deren guten Erhaltungszustand, die teilweise erstaunlich gute Parallelen für meine schließlich zeitgleichen Umayyaden abgeben ;-)

Pünktlich zu meinem Besuch eröffnete außerdem eine neue ‘passeggiata archeologica’, die über eine Reihe von Stegen vom Forum Romanum neben der Basilica Aemilia über das Caesarforum und durch die mit unzähligen Fundkästen gefüllten Keller der mittelalterlichen Häuser des Quartiere Alessandrino aufs Trajansforum führt. Jeden 1. Sonntag im Monat wird sie nun kostenfrei zugänglich sein. Viel Neues gab es dort zwar nicht zu sehen, aber irgendwie hatte es doch etwas, das Caesarforum zumindest fast aus der Perspektive eines antiken Römers wahrzunehmen.

Was ich auch unbedingt hatte sehen wollen, war das reverse graffiti, das der südafrikanische Künstler William Kentridge im letzten Jahr an der Tiberbefestigung hat entstehen lassen. Auf etwa 500 m entstand durch selektives Entfernen des jahrelang angesammelten Schmutzes auf der Mauer eine Erzählung der Geschichte Roms, gespickt mit allerhand Anspielungen. Alles war noch gut zu erkennen, und so spazierte ich am Tiberufer entlang und versuchte, die Bilder zu entschlüsseln.

Schließlich besuchte ich mit einer Führung noch den ‘Bunker’ in der Villa Ada, den sich die Königsfamilie der Savoyen auf dem Grundstück ihrer Villa im 2. Weltkrieg angelegt hat. Streng genommen handelt es sich gar nicht um einen Bunker, denn das ‘refugio’ ist nicht aus Beton errichtet, sondern in den anstehenden Tuff eines Hügels hineingeschnitten und mit Ziegeln verkleidet. Schutz vor Bomben sollte lediglich ein auf der Hügelkuppe errichtetes ‘Dach’ aus einer auf Stelzen stehenden Betonplatte gewährleisten. Ob das wohl funktioniert hätte? Insgesamt ist die Anlage sehr eigenwillig gebaut. Sie ist ringförmig angelegt und so breit, daß man mit dem Auto hineinfahren konnte. Das eigentliche ‘refugio’ war dann nur ein kleiner Raum, ein Durchgangszimmer, das gerade mal Platz für eine Sitzgruppe geboten haben kann, dafür aber mit einem Filtersystem gegen Gasangriffe und angeschlossenenem WC ausgestattet war. Dadurch wird klar, daß es sich hier um kein Notquartier gehandelt haben kann, sondern höchstens um einen Unterstand bei Fliegeralarm. Leider weiß man nichts Genaues über Einrichtung und Nutzung des Baus, es wird jedoch angenommen, daß die Königsfamilie 1943 während der Bombardierung von San Lorenzo dort Zuflucht suchte. Also kein Bunker, aber dennoch sehr sehenswert! Außerdem nutzte ich meinen Ausflug in diese Gegend Roms für einen Besuch im Stammhaus meiner Lieblings-Eisdiele Fatamorgana. Sie haben umgebaut, und alles wirkte ein bißchen moderner, doch wie früher gab es dort die ultimative Auswahl an Eissorten. Ich konnte gar nicht anders, als noch einen Nachschlag zu nehmen!

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Drei-Länder-Urlaub 3a: Slowenien – An der Isonzo-Front

Die längste Zeit unseres Urlaubs verbrachten wir in Slowenien im kleinen, abgelegenen Dörfchen Robidišce in den Bergen oberhalb des Natisone, der jetzt Nadiža hieß, kaum 500 m von der italienischen Grenze entfernt. In dem verschlafenen Örtchen mit seinen alten Steinhäusern fühlten wir uns wie am Ende der Welt. Außer einigen rasenmähenden Nachbarn, krähenden Hähnen und einem mysteriösen Lastwagen, der das Dorf als verbotene Abkürzung nach Italien nutzte, war dort nämlich absolut nix los. Wie wir diese Ruhe genossen! Wir wohnten wieder in einem alten Steinhaus, das zwar etwas kleiner und weniger luxuriös war als in Italien. Dafür aber gehörten dazu eine wunderschöne, große Wiese und ein Gemüsegarten, aus dem wir uns nach Herzenslust bedienen durften. Wir schwelgten in frischen Salaten direkt aus dem Garten, und zum Frühstück gab es frische Eier von den hauseigenen Hühnern – ein absolutes Highlight!

In Slowenien war das großes Thema, das bis heute die Landschaft prägt und uns auf unseren Ausflügen beinahe auf Schritt und Tritt begleitete, der 1. Weltkrieg. Von Mai 1915 bis Oktober 1917 verlief in den Julischen Alpen und entlang des Flusses Soča/Isonzo die Front zwischen Österreich-Ungarn und Italien. In erbitterten Kämpfen in bis zu 2000 m Höhe und bei schwierigsten Witterungsverhältnissen fielen dort auf beiden Seiten hunderttausende Soldaten – für minimale Gebietsgewinne. Erst im Herbst 1917 gelang es den Österreichern mithilfe der Deutschen, Kobarid einzunehmen und bis an die Piave vorzudringen. Aufgrund dieser wechselhaften Geschichte haben alle Orte in der Region auch italienische und deutsche Namen. Ehemalige Stellungen der Österreicher und Italiener durchziehen die Landschaft und führen mit ihrer traumhaften Aussicht und wunderschönen Bergkulisse die Absurdität des Krieges vor Augen. Vor allem aber erschütterten uns die Toten, die uns immer wieder auf Gefallenenfriedhöfen begegneten. Kobarid – italienisch Caporetto, deutsch Karfreit -, das von unserem Bergdörfchen aus der nächstgrößere Ort war, fiel nach dem 1. Weltkrieg an Italien. Unter Mussolini wurde dort die Antoniuskirche zu einem Beinhaus umgebaut. Bedrückend, die Namen der über 7000 gefallenen Soldaten zu lesen, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Die Deutschen errichteten 1936-1938 in der Nähe von Tolmin ihr Beinhaus, in dem etwa 1000 Soldaten beigesetzt sind. In Einklang mit nationalsozialistischer Ideologie wird das Grab des unbekannten Soldaten nur bei Sonnenwende von Sonnenstrahlen beschienen. An einen kleinen Teil der österreichischen Gefallenen erinnert die kleine Heiliggeist-Kirche in Javorca bei Tolmin. Es war eine abenteuerliche Fahrt auf schlechter, schmaler Straße, bis wir diese Kirche auf einer Alm mitten im Nirgendwo erreichten. Einst standen dort österreich-ungarische Baracken, jetzt steht die Kirche fast allein in friedlicher Landschaft. Weder kann man sich vorstellen, was sich dort während des Krieges abspielte. Noch rechnet man damit, dort plötzlich auf schönsten Wiener Jugendstil zu treffen, in dem der Wiener Maler und Bühnenbildner Remigius Geyling, damals Oberleutnant, die Kirche ausstattete. Die Tafeln an den Wänden nennen die Gefallenen – 2564 Namen sind dort verzeichnet. Nach dem Krieg verlief in diesem Gebiet dem Vertrag von Rapallo zufolge die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien, von der auf der Polog Alm hinter der Kirche zahlreiche italienische Bunker zeugen. Die anschließende Wanderung nach unserem Kirchenbesuch gehörte dann zu den schönsten des Urlaubs: fast ganz allein wanderten wir bei traumhafter Bergkulisse über Almen und durch Wälder und überquerten mit einer Handseilbahn den Fluß Tolminka.

Nur eines muß eine Legende sein: Daß Hemingway, der als Freiwilliger auf Seiten der Italiener als Krankenwagenfahrer am Krieg teilnahm, selbst in Kobarid stationiert war und sich eventuell in dem Haus am Stadtrand, in dem sich heute das hervorragende Lokal Hiša Franko befindet, sogar von einer Kriegsverletzung erholt hat. In seinem Roman “A Farewell to Arms”, den ich nach der Reise verschlang, schreibt Hemingway zwar in den Worten seines Protagonisten Frederic zu Caporetto/Kobarid: “I remembered it as a little white town with a campanile in a valley. It was a clean little town and there was a fine fountain in the square.” 1918 jedoch, als Hemingway an die Front kam, war Kobarid bereits von den Österreichern besetzt. Die Geschehnisse, die sein Protagonist Frederic 1915-1917 an der Isonzo-Front durchsteht, hat er also nicht selbst erlebt – zu diesem Zeitpunkt war Hemingway noch auf der Highschool.

 


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Grenzspaziergänge zu Ostern

Die Ostertage verbrachten wir dieses Jahr in Aachen. Begleitet von vorzeitigem Aprilwetter machten wir uns am Karfreitag auf dem Weg nach Belgien – von den jüngsten Ereignissen wollten wir uns nicht aufhalten lassen. Unser Ziel war das Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve, dem “neuen Leuven“, einer Planstadt, die als neue Bleibe des französischsprachigen Teils der Uni Leuven gegründet worden war, nachdem sich dieser in den 1960er Jahren im Zuge des flämisch-wallonischen Konflikts vom flämischsprachigen Teil abgespalten hatte. Die Stadt präsentierte sich uns in ihrer einheitlich fantasielosen Backstein-Architektur wahnsinnig steril, wirkte aber für das uninspirierende Ambiente recht lebhaft. Umso mehr vermochte uns das erst 2009 eröffnete Museum zu begeistern! Es verwahrt Hergés Nachlaß aus seinem Studio: Modelle und Zeichnungen in allen Arbeitsstadien, die es ermöglichten, Hergés Arbeitsweise und den Entstehungsprozeß der Comics nachzuvollziehen. Fotos, allerlei Hintergrundinformationen und viele liebenswürdige kleine Gimmicks – z.B. liegt das Museum in der Rue Labrador Nr. 26, hat also dieselbe Adresse wie Tim in Brüssel – ließen das Herz eines echten Tim-und-Struppi-Fans wie mir höher schlagen! Schön war auch, daß es nicht nur um Tim und Struppi ging, sondern auch die anderen Serien von Hergé beleuchtet wurden. Ein ausnahmsweise mal wirklich informativer und nett gemachter Audioguide leitete durch die Ausstellung. Abschließend dürfte ich mich meiner Leidenschaft im gut sortierten Museumsshop hingeben :-)

Am Samstag nutzten wir das gute Wetter zu einem Spaziergang rund um den deutsch-belgischen Grenzübergang Köpfchen an Aachens Stadtgrenze. Ausgehend vom ehemaligen Personenkontrollkiosk, der heute als Kunstgalerie genutzt wird, führte der Weg uns zu den Grenzanlagen vergangener Jahrhunderte. Zunächst gelangten wir zu den verknorzelten Grenzbuchen des Aachener Landgrabens, der etwa vom 15.-18. Jh. die Grenzen des Aachener Reiches gesichert hatte und durch die einst dichte Buchenhecke quasi unpassierbar war. Auch ein Grenzstein mit dem Aachener Adler fand sich noch im Gelände. Am anderen Ende des Weges stießen wir dann mitten im Wald auf die Panzersperren des Westwalls, der durch seine unkaputtbare Präsenz immer wieder aufs Neue fasziniert.

Auf der Rückfahrt machten wir noch kurz Halt am Aachener Bismarck-Turm, einem einzigartigen, aber zugleich auch besonders kitschigen Exemplar dieser Gedenktürme. Der von dem Aachener Architekten Georg Frentzen in den Jahren 1905-1907 auf dem Ehrenfriedhof errichtete Turm hat nämlich die Form eines stilisierten B, geschmückt mit Büsten von Bismarck, Moltke und Roon über den Torbögen. Leider ist der Turm nur wochentags geöffnet, weshalb wir uns die Turmbesteigung für ein anderes Mal aufsparen mußten.

Unser Ostersonntagsausflug führte uns schließlich nach Köln. Anlaß war die Agrippina-Ausstellung des Römisch-Germanischen Museums, in der zum allerersten Mal der römische Körper und der Kopenhagener Kopf der schwarzen Agrippina-Statue zusammen zu sehen waren. In Wien hatte ich mich extra schon mit dem Besuch von Händels Oper “Agrippina” auf diesen Ausstellungsbesuch vorbereitet, und in Aachen hatten wir am Vorabend den neuen Kölner “Mamma Nero” Kräuterlikör gekostet. Aber alles half nichts. Die schwarze Agrippina war es natürlich wert, aber ansonsten war die Ausstellung ziemlich klein, und darüber, was die restlichen Exponate zusammenhielt, konnten wir nur mutmaßen. Insgesamt blieb Agrippina jedenfalls erstaunlich blass. Also hatten wir noch genügend Zeit, um ein Sonnenloch für einen Osterspaziergang auf der andere Seite des Rheins zu nutzen. An einem Hang im Rheinpark gingen wir unserem traditionellen Ostereierrollen nach und verspeisten die Verlierereier mit der ebenso traditionellen selbstgemachten Grünen Soße.


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Nachtrag zum Wiener Luftschutz

Neulich bin ich im 2. Bezirk vor einem Schaufenster zufällig über ein Gitter mit der Aufschrift “Mannesmann Luftschutz” gestolpert. Solche von den Mannesmann-Stahlwerken hergestellte Gitter wurden über Notausgängen und Lüftungsschächten von Luftschutzkellern angebracht, wie ich sie im letzten Jahr in der Postgasse besichtigen konnte. Hinter dem Gitter befand sich ein Rahmen mit einer Stahlklappe, die im Bedarfsfall von innen zu öffnen war. Dadurch sammelte sich in dem Rahmen Wasser, wodurch ein gasdichter Abschluß der Luke erreicht werden konnte. Die Gitter wiesen zusammen mit einem an den Hauseingängen angebrachten Leitsystem den Menschen den Weg zu den Luftschutzräumen. Ein Blick ins Internet zeigt, daß sie scheinbar in allen deutschen Städten verbreitet waren.IMG_20160319_110921


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Wiener Luftschutz

Beim letzten Tag des Denkmals in Wien besichtigte ich die Luftschutzkeller unter der ehemaligen Wiener Hauptpost. Der Gebäudekomplex in der Postgasse im 1. Bezirk besteht aus mehreren, ursprünglich getrennten Bauteilen unterschiedlichen Datums, die im 19. Jh. mit einer einheitlichen Fassade versehen wurden. Entsprechend waren auch die Keller untereinander ursprünglich nicht verbunden. Erst im 2. Weltkrieg wurden sie zu einem zusammenhängenden Netzwerk aus Luftschutzräumen umgebaut, das heute noch gut erhalten ist. Damals muß die ganze Wiener Innenstadt mit einem solchen Netz aus unterirdischen Gängen verbunden gewesen sein. Da wegen der dichten Bebauung keine Bunker – mit Ausnahme der Flaktürme (s.u.) – angelegt werden konnten, wurden die vorhandenen Keller zu Luftschutzräumen umfunktioniert, die wohl nur unzureichend Schutz boten. Die Durchbrüche und Gänge zwischen den Kellern der einzelnen Häuser wurden nach dem 2. Weltkrieg aus Sicherheitsgründen wieder zugemauert. In der Hautpost weisen noch heute Beschriftungen an den Wänden der leeren Kellerräume den Weg zu Aufenthaltsräumen, Sanitäranlagen und Notausgängen; ein Leitsystem aus mit fluoriszierender Farbe gemalten Feldern, das noch heute funktioniert, sollte bei Stromausfall die Orientierung sichern und ein bißchen Licht in die Räume bringen. Die äußerst schmalen Verbindungsgänge zwischen den unterschiedlich hohen Kellerräumen der einzelnen Gebäudeteile, die zudem auf unterschiedlichen Niveaus liegen, verstärkten das beklemmende Gefühl auf unserem Rundgang.

Luftschutzräume gab es ansonsten nur in den Flaktürmen, die in Wien – wie sonst nur in Berlin und Hamburg – zwischen 1942 und 1945 errichtet wurden. Insgesamt gibt es in Wien sechs solche Hochbunker, wobei jeweils ein Gefechtsturm und ein Leitturm ein Paar bilden. Auf dem Dach des Gefechtsturms standen jeweils vier große Fliegerabwehrgeschütze, auf dem Dach des Leitturms ein Funkmessgerät. Wegen der starken Erschütterungen konnten die Geschütze nicht auf demselben Turm montiert sein wie die sensiblen Messgeräte. Auf den Auskragungen der unteren Plattformen aller Türme standen kleinere Flakgeschütze, um eventuelle Tieffliegerangriffe abzuwehren. In den unteren Etagen der Hochbunker befanden sich Luftschutzräume für die Zivilbevölkerung, die insgesamt Platz für 40.000 Personen boten, sowie Spitäler, und erst in den oberen Etagen lagen administrative und militärische Räumlichkeiten. Die Bunkerpaare sind in einem Dreieck um die Innenstadt herum angeordnet. Sie wurden dort gebaut, wo gerade Platz war, meist in Parkanlagen. Als erstes wurde die Anlage im 3. Bezirk errichtet. Im kleinen Arenbergpark stehen die beiden Türme ungewöhnlich nah beieinander. Der Gefechtsturm ist zugleich der größte der sechs Wiener Hochbunker. Heute wird der Turm durch die zeitgenössische Sammlung des Museums für Angewandte Kunst genutzt, die jedoch derzeit nicht zugänglich ist, weil der Turm wegen erheblicher Sicherheitsmängel saniert werden muß.

Bei den vier später errichteten Flaktürmen mußte Material gespart werden, weshalb sie einen anderen Grundriß aufweisen. Die Gefechtstürme sind nicht mehr viereckig wie derjenige im Arenbergpark, sondern fast rund, und an den Leittürmen sind die Auskragungen für die unteren Flakgeschütze an den Ecken statt an den Langseiten angebracht. Als erstes wurde auf diese Weise das Bunkerpaar um die Mariahilfer Str. gebaut. Der Leitturm im winzigen Esterházy Park beherbergt heute das Haus des Meeres, ein Aquarium und kleiner Indoor-Zoo mit einer außen an den Turm angebauten Tropenhalle, in der Äffchen herumturnen. Ich bestieg an einem brennend heißen Sommertag die untere Plattform, von der aus man einen hervorragenden Blick über die Stadt hat. Der zugehörige Gefechtsturm liegt in der Stiftskaserne und wird noch heute militärisch genutzt. Angeblich befinden sich darin auch Schutzräum für die Staatsspitze..

Das jüngste und zugleich höchste Bunkerpaar liegt nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt im Augarten. Die beiden Türme sind ungenutzt, der Gefechtsturm ist außerdem im oberen Bereich beschädigt, seit 1946 spielende Kinder mit darin gelagerter Munition eine Explosion auslösten. Der Augarten besticht übrigens nicht nur durch seine bizarre Mischung aus Barockgarten und Betonkolossen, sondern auch durch die Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, die Sammlung von Francesca Habsburg, die kleine, aber feine wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigt, und ihr Museumslokal “Die Au”, auf dessen idyllischer, schattiger Terrasse sich so manche Köstlichkeit genießem läßt!


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Tag des offenen Denkmals in NRW: Von römischen Kalköfen bis Astropeiler

Als ich in Aachen war, war zufällig auch gerade Tag des offenen Denkmals. Da dies mein erster Denkmaltag in NRW war, gab es eine Menge zu entdecken. Wir begannen mit dem Bunker Isweiler bei Frauwüllesheim im Kreis Düren. Der kleine unterirische Bunker war 1939 als Kommandostand für verschiedene Flak-Batterien in der Umgebung gebaut worden. Heute nutzt ihn ein Verein für Luftkriegsgeschichte, der sich hauptsächlich damit beschäftigt, das Schicksal vermisster Besatzungen von Flugzeugabstürzen aus dem 2. Weltkrieg aufzuklären. Die Vereinsmitgleider führten durch den engen Bunker und erläuterten die diversen darin ausgestellten, durch den Verein geborgenen Wrackteile.

Eine wahre Entdeckung war dann die römische Kalkbrennerei in Iversheim bei Bad Münstereifel. Dort wurde bei Bauarbeiten eine antike Kalkfabrik entdeckt, bestehend aus sechs nebeneinander liegenden Kalkbrennöfen. Darin wurde vermutlich in der Zeit von 150-300 n. Chr. von Soldaten der Legio XXX Ulpia Victrix und der Legio I Minervia Kalk aus Dolomit gebrannt, der in Steinbrüchen oberhalb der Fabrik abgebaut wurde. Drei der Kalkbrennöfen sind heute in einem Schutzbau erhalten, ein vierter wurde restauriert, um darin den Brennvorgang experimental nachzuvollziehen. Auch an den konservierten Öfen läßt sich die Funktionsweise mit einer umlaufenden aufgemauerten Bank, auf der ein Lehrgerüst aus Holz auflag, auf dem dann wiederum aus dem Dolomitgestein ein selbsttragendes Gewölbe errichtet wurde, noch gut erkennen. Ich wußte jedenfalls gar nicht, daß es so etwas in diesem Erhaltungszustand gibt!

Den Abschluß des Tages bildete dann der Astropeiler auf dem Stockert, einem Berg bei Bad Münstereifel. Die Anlage wurde 1955/56 für radioastronomische Messungen errichtet, d.h. für die Erforschung des Weltalls mittels Radiowellen. Sie besteht aus einer imposanten drehbaren Antennenschüssel und einem innovativen, pyramidenförmigen Ständer, der Büros und Technik beheimatet. Da die Messinstrumente inzwischen nicht mehr dem neusten Stand der Technik entsprechen, wurde die Anlage in den 1990er Jahren von der Uni Bonn aufgegeben und wird seither von einem Verein betrieben, der dort weiterhin radioastronomische Messungen durchführt, Studentenpraktika betreut und Schulklassen und anderen Interessierten wie uns die Anlage erklärt. Ich habe jedenfalls viel gelernt an diesem Tag!


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Strandbefestigung: Der Atlantikwall bei Oostende

Nach dem Westwall bei Aachen besichtigten wir in Oostende an der belgischen Nordseeküste ein weiteres nationalsozialistisches Bollwerk: dort ist ein Abschnitt des Atlantikwalls erhalten geblieben, der 2685 km langen Linie von befestigten Stellungen, die zwischen 1942 und 1944 entlang der Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee zum Schutz vor einer alliierten Invasion errichtet wurden. Die 60 Bauwerke, die den Strand überragen und untereinander über 2 km verbunden sind, sind museal aufbereitet. Wir brauchten fast 3 Stunden, um diese eindrucksvolle, jedoch beklemmende Anlage zu durchwandern. Immer wieder öffneten sich die niedrigen Tunnel und schmalen Gräben zu Geschützstellungen, Versorgungsbauten und Mannschaftsquartieren. Teile der Bauten, wie die Batterie Aachen, stammen sogar noch aus dem 1. Weltkrieg. Nach dem D-Day, der Landung der alliierten Truppen in der Normandie, wurden hastig weitere, landeinwärts gerichtete Stellungen gebaut, da man einen Angriff auch von dieser Seite erwartete. Aus Mangel an Zement wurden diese Bauten jedoch aus Ziegeln errichtet und nur mit einer dünnen Zementschicht überzogen, um ihnen den Anschein stabiler Bunkeranlagen zu verleihen.

Nachdem wir den Strand zunächst fast nur durch die schmalen Schlitze und Fenster der Stellungen gesehen hatten, gönnten wir uns nach der Besichtigung einen Spaziergang an Oostendes breitem Sandstrand. An der Strandpromenade, an der der einstige Prunk schon etwas bröckelt, verwöhnten wir uns mit einer ordentlichen Portion Muscheln – und weil mir das natürlich noch nicht genug Fisch war, gab es am Hafen von Oostende gleich noch Nordseekrabben. Ein rundum lohnendes Ausflugsziel!