Häferlkaffee


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Roma – immer etwas Neues zu entdecken!

Anfang Februar gönnte ich mir nach anderthalbjähriger Abstinenz endlich wieder ein verlängertes Wochenende in meiner Lieblingsstadt Rom. Wie immer hatte ich mir viel zuviel vorgenommen, denn neben zahlreichen Treffen mit all meinen lieben Freunden wollte ich natürlich auch allen vertrauten Orten einen Besuch abstatten – eine Mission, die natürlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Dennoch schaute ich ins Pantheon hinein – vielleicht ein letztes Mal, bevor es ab nächstem Jahr möglicherweise Eintritt kostet -, trank bei S. Eustacchio einen Cappuccino (diesmal enttäuschend verwässert), genoß meine geliebten Puntarelle im Traditionslokal am Largo dei Librari, warf eine Münze in die dank Fendi frisch restaurierte Fontana di Trevi, damit ich auch ja wiederkommen werde usw. usw. Außerdem wäre Rom ja nicht Rom, gäbe es neben diesem Fix-Programm nicht immer noch Neues zu entdecken. Dieses Mal konnte ich endlich Sa Maria Antiqua auf dem Forum Romanum besuchen, eine der ältesten Kirchen Roms, die im 6. Jh. in einige Räumlichkeiten am Fuße des Palatins hineingebaut wurde. Normalerweise ist die Kirche für das Publikum geschlossen, und ich hatte bisher immer alle Gelegenheiten verpaßt, um mal hineinzuschauen. Aber jetzt war sie im Rahmen einer Ausstellung geöffnet. Ich war vollkommen überwältigt von der Fülle an Wandmalereien aus dem 6.-8. Jh. und deren guten Erhaltungszustand, die teilweise erstaunlich gute Parallelen für meine schließlich zeitgleichen Umayyaden abgeben ;-)

Pünktlich zu meinem Besuch eröffnete außerdem eine neue ‘passeggiata archeologica’, die über eine Reihe von Stegen vom Forum Romanum neben der Basilica Aemilia über das Caesarforum und durch die mit unzähligen Fundkästen gefüllten Keller der mittelalterlichen Häuser des Quartiere Alessandrino aufs Trajansforum führt. Jeden 1. Sonntag im Monat wird sie nun kostenfrei zugänglich sein. Viel Neues gab es dort zwar nicht zu sehen, aber irgendwie hatte es doch etwas, das Caesarforum zumindest fast aus der Perspektive eines antiken Römers wahrzunehmen.

Was ich auch unbedingt hatte sehen wollen, war das reverse graffiti, das der südafrikanische Künstler William Kentridge im letzten Jahr an der Tiberbefestigung hat entstehen lassen. Auf etwa 500 m entstand durch selektives Entfernen des jahrelang angesammelten Schmutzes auf der Mauer eine Erzählung der Geschichte Roms, gespickt mit allerhand Anspielungen. Alles war noch gut zu erkennen, und so spazierte ich am Tiberufer entlang und versuchte, die Bilder zu entschlüsseln.

Schließlich besuchte ich mit einer Führung noch den ‘Bunker’ in der Villa Ada, den sich die Königsfamilie der Savoyen auf dem Grundstück ihrer Villa im 2. Weltkrieg angelegt hat. Streng genommen handelt es sich gar nicht um einen Bunker, denn das ‘refugio’ ist nicht aus Beton errichtet, sondern in den anstehenden Tuff eines Hügels hineingeschnitten und mit Ziegeln verkleidet. Schutz vor Bomben sollte lediglich ein auf der Hügelkuppe errichtetes ‘Dach’ aus einer auf Stelzen stehenden Betonplatte gewährleisten. Ob das wohl funktioniert hätte? Insgesamt ist die Anlage sehr eigenwillig gebaut. Sie ist ringförmig angelegt und so breit, daß man mit dem Auto hineinfahren konnte. Das eigentliche ‘refugio’ war dann nur ein kleiner Raum, ein Durchgangszimmer, das gerade mal Platz für eine Sitzgruppe geboten haben kann, dafür aber mit einem Filtersystem gegen Gasangriffe und angeschlossenenem WC ausgestattet war. Dadurch wird klar, daß es sich hier um kein Notquartier gehandelt haben kann, sondern höchstens um einen Unterstand bei Fliegeralarm. Leider weiß man nichts Genaues über Einrichtung und Nutzung des Baus, es wird jedoch angenommen, daß die Königsfamilie 1943 während der Bombardierung von San Lorenzo dort Zuflucht suchte. Also kein Bunker, aber dennoch sehr sehenswert! Außerdem nutzte ich meinen Ausflug in diese Gegend Roms für einen Besuch im Stammhaus meiner Lieblings-Eisdiele Fatamorgana. Sie haben umgebaut, und alles wirkte ein bißchen moderner, doch wie früher gab es dort die ultimative Auswahl an Eissorten. Ich konnte gar nicht anders, als noch einen Nachschlag zu nehmen!

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Schwelgen in den Früchten aus dem Paradies

Einen Tag vor meinem Geburtstag besuchten wir im Juli wieder den Paradeiser-Kaiser Erich Stekovics am Neusiedler See. Dieses Mal waren wir besser vorbereitet und hatten schon im letzten Jahr eine der begehrten Genuss-Stunden gebucht. Die fiel nun ausgerechnet auf einen der heißesten Tage des Monats… Am Vormittag radelten wir auf geliehenen Fahrrädern noch einwenig am See entlang und genossen den Fahrtwind. Unterwegs begegneten uns Fasane, Falken und sogar Wiedehopfe in den Weingärten und Feldern. Schließlich kehrten wir noch im netten Heurigen des Weinguts Hölle ein, von dessen Terrasse man sogar ausnahmsweise mal den eigentlichen See sieht. Nachmittags um 4 fanden wir uns dann auf dem Hof in Frauenkirchen ein, wo uns Erich Stekovics persönlich in die Geheimnisse seines Tomatenanbaus einführte, während im Hintergrund gerade Knoblauchzöpfe geflochten wurde. Dann fuhren wir mit dem Meister zu seinem Schaufeld – “Schau”feld deshalb, weil dort hunderte verschiedene Tomatensorten nebeneinander angebaut werden. Erich Stekovics baut die Tomaten mit großem Abstand zueinander an und beschneidet sie nicht. Auch gießt er die Pflanzen nicht, sondern bettet sie in Stroh, so daß keine Feuchtigkeit an die Wurzeln kommt und die Sonnenstrahlen reflektiert werden. Wir kamen jedenfalls ordentlich ins Schwitzen! Einige Pflanzen waren richtig ausladende Büsche, die sich in der Fläche ausbreiteten, andere wuchsen nach oben, wieder andere waren ganz klein und hatten kaum Blätter usw. An allen hingen Tomaten: große und kleine, grün-rote, kleine gelbe in Kugel- oder Birnenform und andere, die im unreifen Zustand zunächst violett sind, bevor sie rot werden. Und wir dürften uns durchkosten – “Esst soviel ihr wollt!” wurden wir gleich zu Beginn aufgefordert und ließen uns nicht zweimal bitten. Nach einem ausgedehnten – heißen – Spaziergang ging es weiter zu den Gewächshäusern des Betriebs, wo die Samen gewonnen und Chilis angepflanzt werden und wir noch mehr verschiedene Tomatensorten probieren dürften. Zum Abschluß gab es zurück auf dem Hof noch eine Verkostung seiner Marmeladen und eingelegten Tomatenkreationen. Vier Stunden dauerte die ganze Tour. Sehr imposant, und ich glaube, ich habe tatsächlich noch nie soviele Tomaten gegessen wie an diesem Tag!!


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Schottische Partie II: Islay

Von Edinburgh ging es mit dem Mietwagen in einer langen Fahrt entlang des Loch Lomond nach Kennacraig, von wo aus wir mit der Fähre zur Insel Islay vor der Westküste Schottlands übersetzten. Wir wohnten in einem wunderschönen Bed-and-Breakfast etwas außerhalb der Inselhauptstadt Bowmore. Vor unserem Fenster wuchs ein Gerstenfeld für die Whisky-Produktion auf der Insel, und in der Bucht konnten wir die Vögel beobachten. Abgesehen vom Whisky (dazu später mehr), hatte die Insel auch landschaftlich einiges zu bieten. Meist ging es über “single track roads”, einspurige Straßen mit Ausweichbuchten, bis in die entlegendsten Winkel der Insel. Mal steckten wir auf so einer Straße fest, weil ein aufgebrachter Bulle uns den Weg versperrte, und mußten das Auto abstellen. Mal begegnete uns ein Rehbock am Rand der Straße, die zu allem Überfluß auch genau dort auf beiden Seiten eingezäunt war. Eine ganze Weile hüpfte er vor unserem Auto her, bis er endlich entkommen konnte.

Wir erkundeten zunächst Loch Gruinart im Norden der Insel. Die tiefe Bucht verwandelt sich bei Ebbe vollkommen in eine Sandfläche. Ganz so lange blieben wir zwar nicht, aber doch lang genug für einen Strandspaziergang, bei dem wir die Austernfischer und andere Vögel beim Picken im Sand beobachten konnten. In der Bucht werden außerdem Austern gezüchtet, die man in einer Farm in Craigens an der Südspitze der Bucht erwerben kann. Es war schon eine besondere Atmosphäre dort: wir stapften zunächst über die Farm, die Bäuerin war gerade mit den Kühen im Stall beschäftigt und kam dann rüber in den kleinen Verkaufsraum, wo in einem Wasserbecken die Austern lagerten. Sie machte uns ein paar auf, die wir gleich vor Ort schlürften. Meine ersten Austern, und ich war begeistert! Gar nicht glitschig, sondern schön fest, und so ein frischer Geschmack nach Meer :-)

Eigentlich hatten wir ja in Loch Gruinart auch Seehunde sehen wollen, aber die zeigten sich uns dort nicht. Auch in der Bucht in der Nähe der Kildalton Chapel fanden wir sie nicht. An dem aufgelassenen, malerischen Kirchlein steht dafür eines der keltischen Kreuze der Insel aus dem 8. Jh. Seine bemerkenswerten Reliefs zeigen neben Rankenwerk biblische Szenen. Die ersten Seehunde sahen wir erst ein paar Kilometer weiter in einer Bucht bei Ardbeg. Das richtige Seehund-Paradies entdeckten wir aber schließlich in der idyllischen Bucht von Portnahaven. In diesen klitzekleinen, verträumten Ort mit seiner malerischen Hafenbucht mit kleinem Sandstrand habe ich mich sofort verliebt. Auch die Seehunde fühlten sich dort sichtlich wohl. Die putzigen Tiere tummelten sich nicht nur auf den Felsen der gegenüber gelegenen Leuchtturminsel, sondern auch mitten im Hafen. Während die Ebbe offenbar einige Felsen in der Bucht freispülte, ließen sich darauf direkt vor unserer Nase erst ein, dann zwei Seehunde die Sonne auf den Bauch scheinen. Ich konnte mich gar nicht sattsehen! Und das verrückteste war: nachdem man sie einmal erkannt hatte, entdeckte man plötzlich überall in der Ferne Seehunde auf den Felsen.

Uns hat Islay jedenfalls ausgesprochen gut gefallen! Und die vier Tage auf der Insel reichten keinesfalls, um alles zu erkunden, was Islay zu bieten hat. Grund genug, um vielleicht noch einmal wiederzukommen ;-)


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Hadrian’s Wall, 6.+7. Etappe: Zieleinlauf über Carlisle nach Bowness-on-Solway

Die letzten beiden Etappen der Wanderung zogen sich etwas. Von der Mauer selbst sah man nun nichts mehr. Zunächst wanderten wir von Walton aus über weitere endlose Weiden und Farmen und schließlich entlang des Flusses Eden zu unserem Etappenziel Carlisle, dem antiken Luguvalium. Nachdem wir uns in der Markthalle mit Fish and Chips gestärkt hatten, besuchten wir das Tullie House Museum mit seiner hervorragenden Abteilung zum Hadrianswall. Neben unzähligen Steinmonumenten waren hier auch Kleinfunde aus dem Umfeld des Walls ausgestellt, darunter ein hölzernes Übungsschwert und eine Kasserolle mit Emaildekor und Inschrift, die verschiedene Grenzforts auflistete – ein Souvenir vom Hadrianswall!

Am nächsten Tag wanderten wir zunächst durch die Örtchen Beaumont, dessen Kirche direkt auf dem Hadrianswall erbaut ist, und Burgh by Sands, wo König Edward I. 1307 auf seinem Feldzug gegen die Schotten verstarb. Dann passierten wir auf einer schnurgeraden Straße eine riesige, schier endlos erscheinende Salzwiese, bis wir am verlandeten Hafen von Port Carlisle (er war im 19. Jh. gerademal 34 Jahre in Betrieb gewesen) den Solway Firth erreichten. Wie zu Beginn unserer Tour war gerade Ebbe, und die Vögel pickten im Sand. Nach einer weiteren Meile waren wir dann endlich am Ziel unserer 8-tägigen Wanderung angekommen, in Bowness-on-Solway, einem verschlafenen Örtchen, errichtet auf dem römischen Fort Maia. Unsere Tour endete hier, der Hadrianswall selbst ging aber noch einige Kilometer entlang der Küste von Cumbria weiter. Im örtlichen Pub holten wir uns unsere Plaketten ab und feierten abends, erleichtert und stolz, daß wir tatsächlich 135 km bewältigt hatten, bei New World Bier und saftigem, fangfrischem Solway Lachs :-)


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Hadrian’s Wall, 1. Etappe: die Tyne entlang von Wallsend bis Heddon-on-the-Wall

Unser diesjähriger Sommerurlaub führte uns nach England. Zunächst hatten wir uns vorgenommen, die Nordgrenze des Römischen Reiches, den Hadrianswall, abzuwandern – und zwar “coast to coast”, 135 km von Wallsend im Osten nach Bowness-on-Solway im Westen, und das in 8 Tagen. Unsere erste Nacht verbrachten wir zwar nicht direkt am Hadrianswall, dafür idyllisch am Strand, in Whitley Bay, einem Vorort von Newcastle. Mit der U-Bahn ging es von dort aus am nächsten Morgen zum offiziellen Beginn unserer Tour nach Wallsend, wie der Name schon sagt, ans Ende der nach 122 n. Chr. als Folge eines Aufstandes der Briten errichteten Grenzmauer. Dort, im antiken Segedunum, befindet sich das erste Fort der Strecke. Von einem hohen Aussichtsturm blickten wir hinunter auf die in Fundamenten erhaltenen Gebäude des Lagers, dessen Gesamtaufbau sich auf diese Weise gut erschloß (im Laufe der Reise sollte uns die römische Militärarchitektur noch vertraut werden). Eine Rekonstruktion vermittelte einen Eindruck davon, wie der Hadrianswall ausgesehen haben könnte, der nirgendwo auf der Strecke in voller Höhe erhalten ist. Von da an führte der Weg auf dieser ersten Etappe streng genommen gar nicht mehr am Hadrianswall entlang, sondern an der Tyne. Vorbei an Industrieanlagen, die durchaus ihren Reiz hatten, kamen wir zunächst nach Newcastle, dem antiken Pons Aelii, benannt nach der dort einst befindlichen Hadriansbrücke. Auch heute prägen die vielen Brücken über die Tyne das Gesicht der Stadt. In der Antike befand sich hier gleich das nächste Fort, das angeblich unter der Burg der Stadt gut erhalten sein soll – wir suchten leider vergeblich danach, und auch sonst fanden sich im Stadtgebiet nur wenige Spuren des Walls. Bereits am Vortag hatten wir das Great North Museum besucht, wo wir uns vorab einen Eindruck vom Verlauf des Walls machen und viele Funde aus dessen Umfeld besichtigen konnten. Uns war das Museum jedoch insgesamt etwas zu sehr auf Spaß ausgerichtet, denn viele der durchaus eindrucksvollen Reliefs lagen leider nicht nur durch die effektvolle Beleuchtung praktisch im Dunkeln, sondern waren zudem durch museumspädagogische Installationen verdeckt. Wieder auf Wanderschaft hatte sich die Tyne quasi in ein Wattenmeer verwandelt. Der Fluß wird so nah an der Mündung von den Gezeiten geprägt. Zum Beobachten der im Schlick pickenden Vögel blieb jedoch wenig Zeit, denn wir hatten noch viel Weg vor uns. Das letzte Stück, vorbei am Schauplatz der “Battle of Newburn Ford” von 1640, wo wir uns zur Stärkung ein klebrig süßes Eis gönnten, zog sich hin – die letzten Meter hinauf auf den Hügel, auf dem nun eigentlich die Mauer verlief, nach Heddon-on-the-Wall, schienen kaum zu überwinden. Todmüde fielen wir schließlich in unserem Bed-and-Breakfast aufs Sofa und vermochten uns bis zum Abendessen nicht mehr zu rühren.


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Roma con gli studenti IV: Tutto il resto

Neben den Geländebegehungen ergänzten zahlreiche Museumsbesuche unser Besichtigungsprogramm in Rom. In den Museen verteilten wir immer Aufgaben, so daß jeder mal drankam. Nur in den Vatikanischen Museen konnten wir unser gewohntes Vorgehen nicht durchziehen, denn die Menschenmassen, die sich durch das Museum schieben, haben sich in den letzten Jahren nochmal unfaßbar potenziert. So war schlicht kein Innehalten mehr möglich. Den Vatikan kann man sich als Gruppe also getrost sparen! Nachdem ich einigen Exkursionsteilnehmern im Cortile del Belvedere noch die Sarkophage erklärt hatte, trennten sich daher unsere Wege, und alle konnten einen freien Nachmittag genießen. Ich machte noch einen Umweg über die Raffael-Stanzen – trotz Gedränge beeindruckend in ihrer Farbigkeit – und nutzte dann meine freie Zeit unter anderem für einen Besuch in meiner Lieblings-Gelateria Fata Morgana. Die hat inzwischen mehrere Filialen in der Stadt, und mein Lieblings-Gusto “Kentucky” (Schokolade mit Tabak) schmeckt nun auch nahe der Spanischen Treppe unglaublich gut :-)

Wieder vereint erschloß sich unsere Gruppe auf zwei Stadtspaziergängen die Topographie der urbs. Zunächst marschierten wir die Servianische Stadtmauer vom Largo Susanna bis zum Auditorium des Maecenas ab und vergegenwärtigten uns dabei immer wieder, ob wir gerade innerhalb oder außerhalb der republikanisch-augusteischen Stadt standen. Für mich ein besonderes Highlight war dann unser Spaziergang rund um den Testaccio bis zur Tiberinsel. Neu als kleiner archäologischer Park hergerichtet, den ich auch noch nicht kannte, sind die Ruinen der sogenannten Porticus Aemilia. Was war dieses monumentale Bauwerk in Tibernähe, dessen Grundriß auf der Forma Urbis überliefert ist und das bis vor Kurzem als sicher datiertes, frühestes Beispiel für Retikulatmauerwerk galt: eine Portikus ungewöhnlicher Form, ein Getreidespeicher (horreum), Schiffshäuser (navalia) oder noch was anderes? Nachdem an der Tiberinsel nicht nur das Ende unseres Tiberspaziergangs, sondern auch unserer Exkursion erreicht war, stattete ich noch der Fontana di Trevi den obligatorischen Besuch ab. Diesmal kam ich allerdings nicht dazu, meine Münze ins Wasser zu werfen, denn der Brunnen wird gerade restauriert. Vor einem Foto des zentralen Neptun mit kleinem Wasserbecken davor hätte ich zwar die Möglichkeit gehabt, mit dem Selfie-Stick ein Foto von meinem Münzewurf zu machen – aber ich lehnte dankend ab und hoffe, daß ich trotzdem bald wieder nach “bella Roma” kommen werde!


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Roma con gli studenti I: Nel centro del potere

Ende Juni unternahmen wir eine zehntägige Exkursion nach Rom. Elf motivierte, wissensdürstige Studierende machten sich auf, mit uns die Ewige Stadt zu erkunden. Besonderes Augenmerk legten wir auf die republikanische und augusteische urbs, auch wenn wir die bedeutenden Monumente anderer Epochen natürlich nicht ganz links liegen lassen konnten. Mir machte es jedenfalls ausgesprochen Spaß, mal nicht nur die absoluten Highlights der antiken Stadt zu betrachten, sondern ganz bewußt bei den frühen Monumenten ganz genau hinzuschauen.

Bei strahlendem Sonnenschein begann unsere Tour dort, wo Roms Stadtwerdung ihren Ausgang nahm, auf das Forum Boarium an der ehemaligen Tiberfurt. Frisch renoviert erstrahlen die Tempel in neuem Glanz, während sich bei Sa. Maria in Cosmedin die Touristen schon zu früher Stunde die Beine in den Bauch stehen, um ihr Schicksal am Bocca della Verità zu testen. Nach der Mittagspause überraschte uns der angekündigte Regen leider nicht, wie geplant, in den Capitolinischen Museen, sondern am Fuß der Treppe zum Capitol. Vollkommen durchnäßt mußten wir den Rückzug antreten und am Nachmittag einen zweiten Anlauf hinauf zu Roms kultischem Zentrum unternehmen. Vom Tabularium aus blickten wir auf das in Regenwolken gehüllte Forum. Bei besserem Wetter holten wir an einem anderen Tag schließlich das Versäumte nach.

Am nächsten Tag präsentierte sich das Forum jedenfalls wieder in schönstem Sonnenschein. Das frühe politische Zentrum rund um lapis niger und Curia konnten wir wegen Grabungen zwar nicht besichtigen, dafür war aber die Iuturna-Quelle neu hergerichtet, ihr Statuenschmuck war im Tempel des Romulus. In einer kurzen Pause blieb mir sogar genug Zeit für einen schnellen Spaziergang im Garten des wieder zugänglichen Hauses der Vestalinnen. Dann ging es hinauf auf den Palatin, in die neu aufbereiteten Häuser des Augustus und der Livia (in denen man leider nicht fotografieren dürfte). Wir genossen den Blick auf das Forum und die vielen Möwenfamilien, die praktisch auf jeder Säule und jedem erhabenen Stein wohnen und die Katzen als ständige Bewohner der Ruinen abgelöst zu haben scheinen.

Der Beginn der Kaiserzeit brachte auch einen neuen Bautypus: das Kaiserforum. Gerade wird in Rom am Caesar- und Augustusforum allabendlich ein Spektakel mit Licht und Projektionen aufgeführt, das die beiden Platzanlagen vor den Augen der Zuschauer in 3D wieder auferstehen lassen soll. Wir schenkten uns die Vorführungen, nutzen aber dankend die dafür aufgebauten Tribünen, während wir dem Referat zum Thema lauschten.