Häferlkaffee


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An der Panke (Teil1)

Nachdem wir am Pfingstwochenende zuerst in Bernburg und dann in Zoo Leipzig waren, entschlossen wir uns am Pfingsmontag Berlin die Ehre zu geben. So hieß dann das Motto “Panke rückwärts” – natürlich laufend. Das heißt von ihrer ursprünglichen Einmündung in die Spree am Schiffbauerdamm unterhalb des Berliner Ensemble. Zuerst schauten wir uns die leider seit ein paar Jahren verbaute Einmündung an, die wohl aufgrund der Sanierung des Ufers eingespundet ist. Zuerst sieht mal recht wenig von der Panke und wir ließen uns von Google Maps leiten. Entlang des Berliner Ensembles suchten wir nun zunächst den Weg, aber so manche Baulücke zwischen den Häusern oder Spur auf dem Boden zeigt die überbaute Panke an. So fanden wir gegenüber vom Bunker in der Reinhardtstrasse ein altes Eisengitter, welches sicherlich als Schutz vor einer damals noch nicht überbauten Panke errichtet worden war und doch die Zeiten irgendwie überstanden hat und an die alte Macht der Panke gemahnt.


Am Campus Nord der HU konnten wir dann das erste Mal die Südpanke, wie der Teilabschnitt heute heißt, seitdem die Einmündung der Panke in den Humboldthafen verlegt wurde und die Südpanke selbst nur noch als Überlaufkanal genutzt wird. So schlängelt sich die Panke teils überbaut, teils gut sichtbar durch den Campus, den wir nebenbei auch einmal erkundeten. Einige Male stiegen wir herab, um einen direkten Eindruck vom Verlauf zu bekommen und einen geeigneten Blick auf die Verbauung zu erhaschen. Auf der Höhe des Naturkundemuseums suchten wir zunächst den weiteren Verlauf, denn was Google noch nicht weiß, ist, dass die Panke zum Invalidenpark verlegt wurde und nun als feudaler Wassergraben das Verkehrsministerium vor dem Volke schützt (laut Google lief die Panke früher zwischen Naturkundemuseum und Verkehrsministerium). Dank dieses Fauxpax erhielten wir auch den seltenen Blick auf die recht eindrucksvollen Hinterhöfe des Naturkundemuseums, das scheinbar nun endgültig von den letzten Kriegsschäden bereinigt wird. Auf dem Invalidenpark nutzten wir auch sofort die Gelegenheit, das dortige Denkmal zu erkunden. Hinter dem Verkehrsministerium verschwand die Panke nun wieder und tauchte erst beim Neubau des BND auf.


Hier lag sie nun, das traurige, modrige Rinnsal. Zwischen einer Reihenhaussiedlung und BND erscheint dieser Teil der Südpanke. An dieser Stelle machten wir einen Abstecher zum Invalidenfriedhof, ehemaliges Grenzgebiet und Grabstätte einer Menge Persönlichkeiten des preußischen Militärs. Zurück zur Panke gingen wir entlang eines Sandhaufens, und wieder war die Panke unterhalb des Bundeswehrkrankenhauses verschwunden. Hier tat sich leider nichts auf, wie man ihr direkt folgen kann, und so umrundeten wir das Bundeswehrkrankenhaus, um wieder den Anschluss zu finden. Auf der Höhe Chausseestrasse/Boyenstrass suchten wir nun und fanden schließlich im Asphalt ein paar Steine, die vermuten lassen, dass ein Geländer hier die Bürger schützte, in die offene Panke zu fallen. Ein Gullideckel der Wasserbetriebe führte uns dann auf die Spur der Panke, die aus dem Innenhof dieses Hauses kommen muss. Im dort anschließenden Park ist nichts mehr von der Panke sichtbar, und wir vermuten, dass früher die Panke hier offen in einem Graben lief, aber dieser nun überdacht ist. Am Ende des Parks findet man nun eine automatische Rechenanlage, die die Panke zeigt, und ein paar Rohre deuten an, dass die Südpanke nur ein Überlaufkanal ist und ihrer ursprünglichen Pracht komplett beraubt ist. An dieser Stelle führt dann die restliche Panke in den Kanal zum Humboldthafen. An diesem Punkt verstand man nun, warum die Südpanke so lebensarm ist, denn ohne ständig fließendes Wasser ist der Fluss kastriert und nur mehr ein Kanal.


Als Pankeliebhaber gingen wir nun entlang der heutigen Panke den Pankeweg und sahen uns noch ein bisschen den Wedding an. Die Panke hier war nun deutlich lebendiger und zog Mensch und Tier beidermaßen mehr an, als es die Südpanke vermag. Im weiteren Verlauf, sahen die nun endgültig geschlossene Schwimmhalle in der Gerichtsstrasse, die Wiesenburg (ein altes Herrenasyl noch aus der Kaiserzeit und heute ein leider bedrohtes Kulturzentrum), den alten Busbahnhof und landeten am Ende im Rosengarten im Bürgerpark in Pankow, wo wir bei einer Limo den Spaziergang ausklingen ließen.

Zusammenfassung: ca. 8-10km Spaziergang durch Winkel der Stadt, die man nicht so oft sieht. Leider ist der Weg an der Südpanke nicht sonderlich ausgebaut, so dass man etwas Gespür und eine gute Karte braucht. Auch sollte man sich nicht scheuen, einen nicht so offiziellen Weg zu gehen. Weitestgehend aber überraschend gut begehbar. Sobald man die Panke erreicht, kann man dem Pankeweg laufen.

 

Mehr zur Panke und ihrer Geschichte
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Panke
[2] http://panke.info


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Zweimal Mschatta in Berlin

Anfang Oktober war ich zur Eröffnung der Mschatta-Fotoausstellung in Berlin, die ich zusammen mit einer Kollegin kuratiert habe. Sechs Monate lang ist dort nun im Buchkunstkabinett des Museums für Islamische Kunst eine kleine Ausstellung mit historischen Fotografien der Fassade des Wüstenschlosses Mschatta in Jordanien zu sehen. Sie dokumentieren den Fassadenabbau und die Vorbereitung dessen in den Jahren 1902/3, ihren Auf- und Abbau im Kaiser-Friedrich-Museum, den Bombentreffer im Pergamonmuseum im 2. Weltkrieg und die anschließende Restaurierung in den 1950er Jahren. In den Tagen vor der Eröffnung war ich zu nichts mehr zu gebrauchen – zahlreiche Gäste hatten sich angekündigt, und ich würde das erste Mal im ehrwürdigen Mschatta-Saal – noch dazu vor “meinem” Monument – sprechen. Außerdem mußten noch 10 kg orientalischer Kekse bestellt und am Eröffnungstag ihren Weg aus Neukölln ans Museum finden… Aber dann ging alles gut, es wurde ein schönes Fest, und die Kekse schmeckten sogar ;-) Vielen herzlichen Dank an alle, die gekommen sind und die uns bei der Ausstellung unterstützt haben!

Nicht weit entfernt von unserer Ausstellung konnte zur gleichen Zeit im Hamburger Bahnhof eine andere Art der Objektbiografie der Mschatta-Fassade besichtigt werden. Dort widmet sich die Künstlerin Mariana Castillo Deball in ihrer Ausstellung “Parergon” Sammlungsobjekten aus verschiedenen Berliner Museen. Einen zentralen Platz nimmt dabei die Mschatta-Fassade ein, die als durchsichtiger Vorhang im Raum schwebt. Die Rankenmuster verschwimmen auf dem dünnen Schleier. Davor steht der Rollstuhl, den 1989 die Kunsträuber zurückließen, die Spitzwegs “Armen Poet” stahlen, oder die Bronzeskulptur eines Mädchens, die beim U-Bahnbau vor dem Roten Rathaus ausgegraben wurde, in einem – wie sich erst im Nachhinein herausstellte – Depot für “Entartete Kunst”. So spannt die Mschatta-Fassade den Bogen bis in die künstlerische Gegenwart.


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Gartenidylle am Wannsee

In der Villenkolonie Alsen am Wannsee erwarb Max Liebermann unter vielen prominenten Zeitgenossen wie Siemens, Langenscheidt, Borsig oder Oppenheim 1909 ein Seegrundstück. Nach seinen Vorstellungen errichtete ihm Paul Otto Baumgarten, ein Schüler Messels eine Villa. Drum herum ließ sich Liebermann einen Garten anlegen, der den Vorstellungen der Gartenreformbewegung entsprach. Dabei half ihm Alfred Lichtwark, der Direktor der Hamburger Kunsthalle. Heraus kamen ein bunter Blumen- und Gemüsegarten vor dem Haus (Bilder 1-2), hinter dem Haus ein Brunnen mit einer Otterskulptur von August Gaul (Bild 3), dann am Wasser eine Wiese mit einer Allee zwischen Birken, die schon vor dem Bau des Hauses dort gestanden hatten (Bild 4 – die Birken, die heute dort stehen, sind erst für die Neuanlage des Gartens vor weinigen Jahren neu gepflanzt worden), und ein Heckengarten (Bild 5). In der Villa sind heute im ehemaligen Atelier Liebermanns einige seiner Bilder ausgestellt, die er von seinem Garten gemalt hat (Bild 6). In einer kleinen Loggia wurde außerdem bei den Renovierungen ein Wandgemälde Liebermanns nach dem Vorbild der Villa derLivia entdeckt (Bild 7). Eine wahre Gartenidylle!


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Kaufrausch

Bei meinem letzten Berlinaufenthalt hatte überraschend das alte Kaufhaus in der Brunnenstraße geöffnet – für eine Depeche-Mode-Fanausstellung. Da ich schon immer einmal in dieses Gebäude hinein wollte, achtete ich darauf allerdings wenig… Das Warenhaus am Weinberg wurde  1904 als erstes der Warenhauskette von Adolf Jandorf – dem auch das KaDeWe gehörte – eröffnet. Später übernahm die Warenhauskette Tietz das Haus, nach dem 2. Weltkrieg befand sich darin das Modeinstitut der DDR. Jetzt soll daraus ein weiterer Bürokomplex werden – es war also vielleicht die vorerst letzte Gelegenheit, das Gebäude von innen zu besichtigen.

(Da der Besuch für mich, wie gesagt, etwas überraschend kam, sind die Fotos auch leider nur in Handy-Qualität…)


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Auch Berlin hat ein Türkenzelt

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Und zwar im Deutschen Historischen Museum: Friedrich von der Groeben, Kommandant des ausländischen Regiments bei der Schlacht gegen die Türken 1683 auf dem Wiener Kahlenberg, bekam das Zelt aus der Kriegsbeute von König Johann III. Sobieski von Polen geschenkt. Später ging es als Dauerleihgabe an Kaiser Wilhelm II., bis es schließlich in den 1920er Jahren vom Zeughaus angekauft wurde. Also, nicht nur in Wien gibt es Türkenzelte zu bestaunen…