Häferlkaffee


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Ein vergessenes Mahnmal: das Monument Interallié in Liège

Unterwegs auf der belgischen Autobahn entdeckten wir einmal in der Ferne auf einem Hügel über Liège eine riesige Kirche, die keiner zu kennen schien. Nach kurzer Recherche identifizierten wir sie als das ‘Monument Interallié’. An einem regnerischen Dezembertag fuhren wir hin – übrigens unser letzter Ausflug aus Aachen.

Nach dem 1. Weltkrieg kam in der Internationalen Föderation der Veteranen der Wunsch auf, ein internationales Mahnmal für die Opfer des Krieges zu errichten. Nach langer Diskussion einigte man sich 1925 auf Liège als Standort, denn die strategisch wichtige Stadt war der ersten massiven Angriffsoperation der deutschen Streitkräfte zum Opfer gefallen. Vor einigen Jahren haben wir das zerstörte Fort Loncin besucht, das von der Einnahme der Stadt zeugt. Da auch das Bistum von Liège eine Kirche in Gedenken an die Weltkriegsopfer errichten wollte, entschied man schließlich, beide Projekte zu verbinden. Man beauftragte den Antwerpener Architekten Joseph Smolderen, und 1928 konnte mit dem Bau begonnen werden. Im Stadtteil Cointe wurde neben der Kirche Sacré Cœur ein 75 m hoher Turm als ziviles Mahnmal geplant. Doch es dauerte noch lange, bis die Anlage fertig werden sollte. Denn kaum hatte man mit dem Bau begonnen, ging auch schon das Geld aus. Man war beim Bau auf einen alten Kohlestollen unter dem Bauplatz gestoßen, der aufwendig mit eingeleitetem Zement abgestützt werden mußte. Dennoch wurde 1936 die Kirche geweiht, und 1937 konnte der belgische König Leopold III von dem zivilen Mahnmal wenigstens den Vorplatz für die Denkmäler der alliierten Länder einweihen. Im 2. Weltkrieg wurden die unvollendeten Gebäude schwer beschädigt. Erst lange nach Kriegsende wurden sie restauriert, so daß 1968 schließlich auch der Turm fertiggestellt und eingeweiht werden konnte. Heute kann er nur dreimal im Jahr von Publikum bestiegen werden und bietet wohl einen schönen Blick über Liège und sein Umland – wir hatten leider nicht das Glück, einen dieser Tage zu erwischen. Die einzelnen Monumente der Alliierten trafen offenbar nur spärlich ein. Die meisten Denkmäler, die heute auf dem offenen Platz, der “Salle des Pylones”, aufgestellt sind, stammen offenbar aus den 1980er/90er Jahren. Die wenigen Monumente in der meist unzugänglichen Krypta des Turms sind wohl älter. Die Kirche, als Zentralbau im neobyzantinischen Stil ausgeführt, ist heute entweiht und verfällt zunehmend. Ein eindrucksvolles Graffiti des Brüsseler Street-Art- Künstlers Bonom überzieht den bröckelnden Bau. Die fliegenden Vögeln erscheinen wie ein Hoffnungsschimmer, während sich an das große internationale Projekt, das ewig zum Frieden mahnen sollte, heute kaum mehr jemand zu erinnern scheint.

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Thermieren wie einst König und Kaiser

Wellness, wo sich einst die gekrönten Häupter die Klinke in die Hand gaben, im belgischen Ort Spa: das gönnten wir uns an einem regnerischen Tag im August. An diesem Ursprung aller Thermal- und Wellnessgenüsse kurten bereits Zar Peter der Große, Kaiser Josef II von Österreich-Lothringen, der preußische König Friedich Wilhelm III oder der Schah von Persien – und nun auch wir :-) Die mit Mineralwasser gespeiste Therme auf dem Berg ist ganz neu, nicht besonders groß, bietet aber viel Abwechslung und von der Sauna aus einen schönen Blick hinunter ins Tal. Dort befindet sich das zugehörige Hotel, von dem aus die Gäste mit der Standseilbahn in einer gläsernen Privatkabine direkt in das Thermengebäude gelangen. In den ehemaligen Kureinrichtungen unten in der Stadt ist der Glanz hingegen vergangen. Das alte Bad aus dem mittleren 19. Jh. steht leer und wartet auf seine Renovierung. Auch  die Galerie Leopold II, eine große offene Metallkonstruktion, die zwei Pavillons verbindet und in der einst die bobelins flanierten, wie die illustren Kurgäste genannt wurden, rostet und bröckelt vor sich hin. In zwei Trinkhallen, den sog. pouhons, konnten wir noch wie die bobelins des 18. und 19. Jhs. der Trinkkur nachgehen und uns an zwei der zahlreichen Mineralwasserquellen Spas laben. Zufällig war auch gerade eine Oldtimer-Show, die für einen Moment alte Zeiten wiederaufleben ließ.


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Grenzspaziergänge zu Ostern

Die Ostertage verbrachten wir dieses Jahr in Aachen. Begleitet von vorzeitigem Aprilwetter machten wir uns am Karfreitag auf dem Weg nach Belgien – von den jüngsten Ereignissen wollten wir uns nicht aufhalten lassen. Unser Ziel war das Hergé-Museum in Louvain-la-Neuve, dem “neuen Leuven“, einer Planstadt, die als neue Bleibe des französischsprachigen Teils der Uni Leuven gegründet worden war, nachdem sich dieser in den 1960er Jahren im Zuge des flämisch-wallonischen Konflikts vom flämischsprachigen Teil abgespalten hatte. Die Stadt präsentierte sich uns in ihrer einheitlich fantasielosen Backstein-Architektur wahnsinnig steril, wirkte aber für das uninspirierende Ambiente recht lebhaft. Umso mehr vermochte uns das erst 2009 eröffnete Museum zu begeistern! Es verwahrt Hergés Nachlaß aus seinem Studio: Modelle und Zeichnungen in allen Arbeitsstadien, die es ermöglichten, Hergés Arbeitsweise und den Entstehungsprozeß der Comics nachzuvollziehen. Fotos, allerlei Hintergrundinformationen und viele liebenswürdige kleine Gimmicks – z.B. liegt das Museum in der Rue Labrador Nr. 26, hat also dieselbe Adresse wie Tim in Brüssel – ließen das Herz eines echten Tim-und-Struppi-Fans wie mir höher schlagen! Schön war auch, daß es nicht nur um Tim und Struppi ging, sondern auch die anderen Serien von Hergé beleuchtet wurden. Ein ausnahmsweise mal wirklich informativer und nett gemachter Audioguide leitete durch die Ausstellung. Abschließend dürfte ich mich meiner Leidenschaft im gut sortierten Museumsshop hingeben :-)

Am Samstag nutzten wir das gute Wetter zu einem Spaziergang rund um den deutsch-belgischen Grenzübergang Köpfchen an Aachens Stadtgrenze. Ausgehend vom ehemaligen Personenkontrollkiosk, der heute als Kunstgalerie genutzt wird, führte der Weg uns zu den Grenzanlagen vergangener Jahrhunderte. Zunächst gelangten wir zu den verknorzelten Grenzbuchen des Aachener Landgrabens, der etwa vom 15.-18. Jh. die Grenzen des Aachener Reiches gesichert hatte und durch die einst dichte Buchenhecke quasi unpassierbar war. Auch ein Grenzstein mit dem Aachener Adler fand sich noch im Gelände. Am anderen Ende des Weges stießen wir dann mitten im Wald auf die Panzersperren des Westwalls, der durch seine unkaputtbare Präsenz immer wieder aufs Neue fasziniert.

Auf der Rückfahrt machten wir noch kurz Halt am Aachener Bismarck-Turm, einem einzigartigen, aber zugleich auch besonders kitschigen Exemplar dieser Gedenktürme. Der von dem Aachener Architekten Georg Frentzen in den Jahren 1905-1907 auf dem Ehrenfriedhof errichtete Turm hat nämlich die Form eines stilisierten B, geschmückt mit Büsten von Bismarck, Moltke und Roon über den Torbögen. Leider ist der Turm nur wochentags geöffnet, weshalb wir uns die Turmbesteigung für ein anderes Mal aufsparen mußten.

Unser Ostersonntagsausflug führte uns schließlich nach Köln. Anlaß war die Agrippina-Ausstellung des Römisch-Germanischen Museums, in der zum allerersten Mal der römische Körper und der Kopenhagener Kopf der schwarzen Agrippina-Statue zusammen zu sehen waren. In Wien hatte ich mich extra schon mit dem Besuch von Händels Oper “Agrippina” auf diesen Ausstellungsbesuch vorbereitet, und in Aachen hatten wir am Vorabend den neuen Kölner “Mamma Nero” Kräuterlikör gekostet. Aber alles half nichts. Die schwarze Agrippina war es natürlich wert, aber ansonsten war die Ausstellung ziemlich klein, und darüber, was die restlichen Exponate zusammenhielt, konnten wir nur mutmaßen. Insgesamt blieb Agrippina jedenfalls erstaunlich blass. Also hatten wir noch genügend Zeit, um ein Sonnenloch für einen Osterspaziergang auf der andere Seite des Rheins zu nutzen. An einem Hang im Rheinpark gingen wir unserem traditionellen Ostereierrollen nach und verspeisten die Verlierereier mit der ebenso traditionellen selbstgemachten Grünen Soße.


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Leuven

Von Aachen aus fuhren wir auch ins flandrische Leuven. Herzstück der Stadt ist das gotische Rathaus, das wir mit einer Führung erkundeten. Auf den ersten Blick erinnert das Mitte des 15. Jhs. errichtete Gebäude eher an ein Zuckerschlösschen. Unzählige Nischen überziehen seine Fassaden. Ihre Basen geben biblische Szenen wieder, immer pädagogisch aufgeteilt in Sünde und Strafe. Die über 200 Figuren in den Nischen wurden jedoch erst Mitte des 19. Jhs. hinzugefügt. Sie zeigen bedeutende Persönlichkeiten der Leuvener Stadtgeschichte, in der untersten Reihe vor allem Künstler und Gelehrte, in der mittleren Reihe die Heiligen der Pfarrgemeinden sowie Personen, die sich für die städtischen Freiheiten einsetzten, und in der obersten Reihe die Grafen von Leuven und die Herzöge von Brabant. Da Flandern während der Napoleonischen Kriege von Frankreich erobert wurde, findet sich dort auch Napoleon unter den Herrschern von Leuven. Erstaunlicherweise blieb das Rathaus verschont, als Leuven 1914 am Beginn des 1. Weltkriegs von den Deutschen niedergebrannt wurde. Anders erging es der Universitätsbibliothek, die mit all ihren Beständen abbrannte. Durch Spenden vor allem aus den USA wurde das Gebäude wiederhergestellt und die Buchbestände durch Spenden aller möglichen Institutionen aus der ganzen Welt wieder aufgestockt, woran zahlreiche Gedenktafeln an der Fassade und an den Wänden der Eingangshalle erinnern. In der Stadt markiert eine bestimmte Plakette die 1914 niedergebrannten Häuser. Wir erklommen den imposanten Turm der Universitätsbibliothek, der das Gebäude mehr einem Rathaus ähneln läßt als das eigentliche Stadhuis. Zwischendrin gab es als Snack eine Zwarte Pens, eine in Fett gebratene Blutwurst, serviert im Brötchen und gar nicht so unlecker. Schließlich besuchten wir noch den Großen Beginenhof, und ich wurde sofort furchtbar neidisch. In der Anlage, die wie eine kleine Stadt mit kleinen Häuschen, zahlreichen Straßen und Plätzen, Gärten und sogar einer Brücke aufgebaut ist, sind nämlich heute Gastprofessoren und Studenten untergebracht. Die Anlage hat ihre Wurzeln im 13. Jh. und wurde bis ins 17. Jh. immer wieder erweitert. Ich überlegte gleich, ob ich nicht ein Post-doc in der Stadt machen könnte ;-)


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Grenzgänge II: Wanderslust zwischen Dreiländereck und Eifel

Von Berlin aus ein Abstecher nach Aachen. Wir nutzten das gute Wetter für Wanderungen und starteten zunächst am Dreiländerpunkt. Die Stelle, wo die Grenzen Deutschlands, der Niederlande und Belgiens zusammenlaufen, markiert ein 1925 nach dem Friedensvertrag von Versaille aufgestellter Grenzstein, am Boden ist der Verlauf der Grenzen eingezeichnet. Auf der niederländischen Seite, wo sich auch der mit 323 m höchste Punkt der Niederlande befindet, hat sich ein ziemlicher Rummel entwickelt. Also schnell weiter in den Wald. Immer wieder kreuzten wir auf dem Weg die deutsch-belgische Grenze, an der stellenweise noch der alte Landgraben zu sehen ist, der vom 12. Jh. bis Ende des 18. Jhs. die Grenzen des Aachener Reiches markierte. In der Art, wie sie sich in der Landschaft abzeichnen, erinnerten mich diese spitzen Gräben an das vallum des Hadrianswalls ;-) Weiter ging es nach Kelmis, heute in Belgien gelegen. Diese Gegend ist für das zur Messingherstellung benötigte Galmei berühmt, das vom Beginn des 19. Jhs. bis 1935 dort abgebaut wurde. Das alte Industriegelände und die Abraumhalde sind noch heute sichtbar. Die Galmeivorkommen waren auch der Grund, warum um Kelmis nach den Napoleonischen Kriegen das Territorium von Neutral-Moresnet eingerichtet wurde. Da sich die Niederlande (zu denen Belgien damals noch gehörte) und Preußen nicht hatten einigen können, wem die Bodenschätze zufallen sollten, beschlossen sie, das an der Grenze gelegene Gebiet gemeinsam zu verwalten. Das in der Folge neutrale Territorium war zwar nur 3,4 km² groß, dennoch wuchs seine Bevölkerungszahl beständig – nicht nur wegen der erfolgreichen Messing- und Zinkproduktion, sondern auch, weil man dort dem Wehrdienst entgehen und zudem noch legal Schnaps brennen konnte. Erst nach dem 1. Weltkrieg fiel Neutral-Moresnet dann endgültig an Belgien. Im weiteren Verlauf der Wanderung sollten uns immer wieder die Grenzsteine dieses Mini-Staates im Wald begegnen. Davon, dass dieses Teritorium auch schon früher umstritten war, zeugen wiederum andere Grenzsteine im Wald. Sie umgeben den Königswald, ein 2,29 km² großes Waldstück, das im 17. Jh. von Aachen, Kelmis, Moresnet und weiteren Orten beantsprucht wurde, so daß es schließlich dem Herzog von Burgund zugesprochen und mit eigenen Grenzsteinen abgesteckt wurde. Zurück am Dreiländerpunkt erklommen wir dann doch noch den Aussichtsturm und genossen den Blick über Aachen.

An einem anderen Tag wanderten wir zur Urfttalsperre. Zu ihrer Erbauungszeit zwischen 1900-1905 erzeugte die 226 m lange Staumauer den damals größten Stausee Europas, den Urftsee. Heute ist sie eine von mehreren Talsperren, die das Wasser von Rur und Urft in einer Kette von sich hintereinander schlängelnden Stauseen sammeln. Dennoch ist das gewaltige Bauwerk mit seinen Kaskaden noch heute sehr eindrucksvoll. Von der Mauer aus sieht man hinüber zur NS-Ordensburg Vogelsang auf der anderen Seite des Sees. Wir wanderten jedoch nicht dorthin, sondern stattdessen durch den Nationalpark Eifel zum Aussichtspunkt Hirschley, von dem aus wir einen toller Blick auf den Rursee hatten, einen weiteren in der Kette der Stauseen.

 


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Genter Vergnügen

Nach unserem Besuch in Oostende fuhren wir weiter nach Gent und verbrachten dort eine Nacht und einen Tag. Entgegen unserer sonstigen Gewohnheit ließen wir uns einfach nur durch die schönen Gässchen, netten Geschäfte und einladenden Lokale treiben. In einigen Gässchen fühlten wir uns fast ins Mittelalter zurückversetzt, und an den Häuserfassaden gab es wahnsinnig viele fantasievolle Details zu entdecken. Nur dem Genter Altar, von Jan van Eyck, wahrscheinlich unter Mitwirkung seines Bruders Hubert, 1432 vollendet, in der St.-Bravo-Kirche mußten wir einfach einen Besuch abstatten. Abgeschirmt in einem Glaskasten in einem unattraktiven Nebenraum der Kirche verfehlte er dennoch nicht seine Wirkung – ein wahres Meisterwerk!


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Strandbefestigung: Der Atlantikwall bei Oostende

Nach dem Westwall bei Aachen besichtigten wir in Oostende an der belgischen Nordseeküste ein weiteres nationalsozialistisches Bollwerk: dort ist ein Abschnitt des Atlantikwalls erhalten geblieben, der 2685 km langen Linie von befestigten Stellungen, die zwischen 1942 und 1944 entlang der Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee zum Schutz vor einer alliierten Invasion errichtet wurden. Die 60 Bauwerke, die den Strand überragen und untereinander über 2 km verbunden sind, sind museal aufbereitet. Wir brauchten fast 3 Stunden, um diese eindrucksvolle, jedoch beklemmende Anlage zu durchwandern. Immer wieder öffneten sich die niedrigen Tunnel und schmalen Gräben zu Geschützstellungen, Versorgungsbauten und Mannschaftsquartieren. Teile der Bauten, wie die Batterie Aachen, stammen sogar noch aus dem 1. Weltkrieg. Nach dem D-Day, der Landung der alliierten Truppen in der Normandie, wurden hastig weitere, landeinwärts gerichtete Stellungen gebaut, da man einen Angriff auch von dieser Seite erwartete. Aus Mangel an Zement wurden diese Bauten jedoch aus Ziegeln errichtet und nur mit einer dünnen Zementschicht überzogen, um ihnen den Anschein stabiler Bunkeranlagen zu verleihen.

Nachdem wir den Strand zunächst fast nur durch die schmalen Schlitze und Fenster der Stellungen gesehen hatten, gönnten wir uns nach der Besichtigung einen Spaziergang an Oostendes breitem Sandstrand. An der Strandpromenade, an der der einstige Prunk schon etwas bröckelt, verwöhnten wir uns mit einer ordentlichen Portion Muscheln – und weil mir das natürlich noch nicht genug Fisch war, gab es am Hafen von Oostende gleich noch Nordseekrabben. Ein rundum lohnendes Ausflugsziel!