Häferlkaffee

Bei den Umayyaden in Spanien

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Anfang März war ich für ein paar Tage auf den Spuren der spanischen Umayyaden in Andalusien. Ich hatte gehofft, im Süden der winterlichen Berliner Kälte zu entkommen, doch genau in diesen Tagen war auch in Andalusien der Winter eingebrochen, weshalb mich kräftiger Dauerregen statt südlicher Sonne begleitete. Anlaß der Reise war ein Treffen von spanischen, deutschen, österreichischen und britischen Kollegen in Medinat az-Zahra. Abd al-Rahman III, der erste Kalif von Córdoba, gründete im 2. Viertel des 10. Jhs. westlich von Córdoba diese Palaststadt, die gerade erst in diesem Sommer zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Im Rahmen des Treffens schaute ich mir die Bauornamentik der Anlage an. Und die begleitet einen dort buchstäblich auf Schritt und Tritt: 1 Millionen Fragmente, schätzen die Archäologen vor Ort, gibt es in den Depots und im Gelände!!! Den besten Eindruck von der einstigen Pracht liefert der Salón Rico, eine kalifale Audienzhalle, deren Wände ganz und gar mit Reliefs überzogen sind – sie wird gerade restauriert. Besonders schön sind außerdem einige Marmorpaneele im Museum. Charakteristisch für die Bauornamentik von Medinat az-Zahra ist eine überbordende, verwirrende Vielfalt an fantasievollen und gefühlt immer anderen Blattformen, die dann nochmals aus kleineren Blättchen und Blüten zusammengesetzt sind. Unter dem ganzen Wirrwarr lassen sich dann plötzlich Zitate byzantinischer Kapitelltypen ausmachen, wie wir sie im letzten Jahr in San Marco in Venedig gesehen haben. Dann sticht einem überraschend, auf einem Marmorpaneel aus einem Bad, ein Paar Helices inklusive Stegen wie an römischen korinthischen Kapitellen ins Auge, die auch ganz in der Nähe am römischen Tempel von Córdoba begegnen. Manche gezackten Blättchen erinnern einerseits an sasanidische Ornamentik, andererseits sehen sie denjenigen auf westgotischen Schmuckstücken sehr ähnlich. Auch die Basis eines Marmorpfeilers im Salón Rico läßt an westgotische Dekorformen denken. Doch waren hier wirklich die Westgoten Vorbild, oder griffen nicht beide, sowohl Westgoten als auch Umayyaden, auf dieselben Motive aus der visuellen koiné, dem interkulturell verbreiteten ikonographischen Repertoire, der Spätantike zurück?

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