Häferlkaffee

Nachträge zum Hadrianswall

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Die TRAC in Durham führte mich wieder in die Nähe des Hadrianswalls und bot somit die Gelegenheit, endlich die Besichtigung der archäologischen Stätten nachzuholen, die wir vor zwei Jahren auf unserer Wanderung hatten auslassen müssen. 2017 ist für den Hadrianswall ein ganz besonderes Jahr: nicht nur jährt sich Hadrians Regierungsantritt zum 1900. Mal, sondern der Wall feiert auch sein 30. Jubiläum als Weltkulturerbestätte.

Im Rahmen eines von der Tagung aus organisierten Ausflugs besuchte ich zunächst Corbridge, das römische Coria, eine Stadt im Hinterland des Hadrianswalls, die in den 160er Jahren an der Stelle eines ehemaligen Militärlagers entstand. Auf unserer Hadrianswall-Wanderung war uns der Umweg zu Fuß zu weit gewesen – nun wurden wir von Durham aus bequem mit dem Bus dorthin gefahren. Einer der Kuratoren führte uns durch den kleinen Stadtausschnitt, der als archäologisches Areal hergerichtet ist. Dort reihen sich die obligatorischen Getreidespeicher, ein unfertiges ‘Shopping Center’ und Streifenhäuser entlang der Hauptstraße der Stadt. Im Anschluß durften wir im Depot die verborgenen Schätze des Museums erkunden, bevor wir noch einen Abstecher in den entzückenden modernen Orten machten. An der Tyne besichtigten wir die umgesetzten Reste der römischen Brücke und warfen dann einen kurzen Blick auf die in der Kirche verbauten römischen Steine.

Nach der TRAC blieb ich noch einen Tag in Newcastle, um endlich auch das Militärlager Arbeia in South Shields, das wir damals ebenfalls ausgelassen hatten, zu besuchen. Durch seine Lage an der Mündung der Tyne war das um 160 errichtete Lager prädestiniert dafür, schon bald unter Septimius Severus zu einem Versorgungslager für den Hadrianswall umgebaut zu werden. 24 Getreidespeicher entstanden innerhalb der Lagermauern, deren Grundrisse sich noch heute eindrucksvoll im Gelände nachvollziehen lassen! Um 300 wurden diese dann wieder in Baracken umgebaut, als eine Einheit von Schiffsleuten vom Tigris dort untergebracht wurde. Heute zeichnet sich Arbeia vor allem durch seine liebenswürdigen Rekonstruktionen aus: eine Mannschaftsbaracke, das aufwendig möblierte Praetorium und das westliche Lagertor sind über den Originalfundamenten wiederaufgebaut. Für mich wurde der Ausflug nach Arbeia zu einer wahren Odyssee. Schließlich war der 1. April, und der Monat wollte seinem Ruf alle Ehre machen. Ich startete bei schönsten Sonnenschein und freute mich schon auf einen Spaziergang an der Meeresküste. Doch kaum auf der Ausgrabungsstätte angekommen, begann es sich zuzuziehen, und ich schaffte es gerade noch, das Außengelände zu besichtigen, bevor es anfing zu schütten und schließlich sogar zu hageln! Es regnete so heftig, daß die Metro überschwemmt und der Zugverkehr eingestellt wurde, und auch die Straßen hatten sich in Sturzbäche verwandelt, so daß ich eine halbe Ewigkeit brauchte, um wieder in die Stadt zurückzukehren.

Dennoch schaffte ich es noch früh genug wieder zurück, um in Newcastle – nun wieder ohne Regen – das Baltic Center of Contemporary Art anzuschauen – ein weiteres Desiderat unserer Hadrianswall-Reise. In einer ehemaligen Mühle aus den 1930er Jahren untergebracht, bietet es neben sehenswerten Kunstausstellungen einen eindrucksvollen Blick über die Tyne mit ihren Brücken im Herzen Newcastles.

Vor der Abreise besichtigte ich schließlich noch das Castle von Newcastle. Im Gegensatz zu anderen Burgen, die ich in Großbritannien schon besucht habe, fiel diese dadurch positiv auf, daß daran erfrischend wenig gemacht war. Einige kleine und sehr informative Ausstellungen gaben einen Einblick in die Geschichte der Burg. Dabei lernte ich u.a., daß im 17.-18. Jh. innerhalb des umfriedeten Bereichs der Burg – dem Castle Garth – ein eigenes Stadtviertel entstand, in dem die Regeln der Stadt Newcastle (zu der das Castle nicht gehörte) nicht galten. So konnten sich dort z.B. Handwerker ansiedeln, die zu keiner Gilde gehörten. Ansonsten konnte man die imposante normannische Architektur beinahe frei von Mittelalter-Schnickschnack erleben. Vom Dach des Burgfrieds bot sich außerdem ein toller Blick über die Stadt.

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