Häferlkaffee

Unterwegs zu den häßlichen Seiten Wiens

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Jeder Wienbewohner und -besucher kennt das makellos erscheinende Wien mit seiner polierten Innenstadt und geordneten Platz- und Parkanlagen, die zwar auf den ersten Blick schön aussehen, in denen mir persönlich aber einfach der Freiraum fehlt. Daher war ich gleich angefixt, als mich Freunde und Verwandte aus Deutschland auf eine Führung zu den häßlichen Seiten Wiens aufmerksam machten. Die Stadtspaziergänge unter dem Motto “Vienna Ugly” organisiert die Gruppe “space and place”, die sich selbst als “rebellious optimists” und “social designers” bezeichnet. Nicht überraschend, daß diese Spaziergänge nur als Kunstaktion geduldet werden und keinen Platz im offiziellen Führungsprogramm der Stadt finden (und sich daher offiziell auch nicht Führungen nennen dürften). Dabei haben sie regen Zulauf. Im April nahm ich endlich – zusammen mit etwa 50 weiteren Interessierten – an einem dieser Stadtspaziergänge teil. Weniger als eine Tour zu den häßlichsten Gebäuden Wiens – die natürlich auch besucht werden, wie z.B. das unfaßbare grausliche, in den 1980er Jahren errichtete Bundesmisterium für Gesundheit am Wienfluß – war der Spaziergang eine Einladung, die Stadt anders zu sehen. Wir begannen am Karmelitermarkt, wo über die zweifelhafte Ästhetik so mancher Haussanierung diskutiert und nach dem Sinn ufo-hafter, luxuriöser Dachausbauten gefragt wurde, die doch ganz offensichtlich keine Lösung für die notorische Wohnungsnot bieten. Ein Abstecher zum Donaukanal wurde genutzt, um auf die zunehmende Gentrifizierung durch immer schickere, fest gebaute Lokale in einem der letzten Freiräume in der Innenstadt hinzuweisen. Und warum müssen Schaltkästen eigentlich immer grau sein? Am Stephansdom wurde hinterfragt, ob Restaurierungen ein historisches Gebäude durch Ergänzungen und Reinigung wirklich wieder wie neu aussehen lassen müssen oder ob man nicht die Zeichen der Zeit erhalten sollte. Und schließlich wurden auch historische Scheußlichkeiten unter die Lupe genommen, denn nicht alles, was alt ist und zu Kaisers Märchenschloß gehört, ist automatisch schön. Die Führung sprach vieles an, was mir in Wien auch schon lange auffällt, und ein paar für mich neue ‘häßliche’ Gebäude habe ich bei der Gelegenheit auch noch kennengelernt ;-)

 

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One thought on “Unterwegs zu den häßlichen Seiten Wiens

  1. Haha klingt echt cool ist mal was anderes :)

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