Häferlkaffee

Grenzenlose Freiheit auf dem Teufelsberg

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An einem sonnigen Sonntag Anfang Februar machte ich in Berlin einen geradezu nostalgischen Spaziergang: meine alte Sonntagsrunde auf dem Teufelsberg, an dessen Fuß ich immerhin mal 5 Jahre lang gewohnt habe. Der Teufelsberg ist kein natürlicher Berg, sondern entstand von 1950 bis 1972 aus dem Trümmerschutt des 2. Weltkriegs und zwar an der Stelle, wo sich einst der Rohbaus der Wehrtechnischen Fakultät befand, die zur Welthauptstadt Germania hätte gehören sollen. Bis vor Kurzem galt der Teufelsberg mit seinen 120,1 m als höchster Berg Berlins – im letzten Jahr haben ihn jedoch die Arkenberge, eine Bauschuttdeponie in Blankenfelde, mit 120,7 m Höhe übertrumpft. (Unerhört!!) Dennoch bietet bereits das immerhin 99 m hohe Plateau des ‘Kleinen Teufelsbergs’, das ich als erstes erklomm (und ich hatte ganz vergessen, wie anstrengend der Aufstieg über die Schleichwege ist), eine atemberaubende Aussicht auf die Innenstadt und den Grunewald, der hier endlos erscheint. Der Wind blies ordentlich, Kinder ließen ihre Drachen steigen, und mich überkam bei der Weite ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Nach einer kurzen Pause zum Aufwärmen mit einer heißen Schokolade im Ökowerk, einem Naturschutzzentrum im ehemaligen Wasserwerk am Ufer des Teufelssees, meiner früheren sommerlichen Badestelle, ging es weiter auf den eigentlichen Teufelsberg. Dort steht mitten im Wald die Ruine der Field Station, der ehemaligen Abhöranlage der Briten und Amerikaner, mit der der Ostblock abgehört wurde. Als ich noch in der Nähe gewohnt habe, war das eingezäunte Gelände abgeriegelt. Seit einigen Jahren war es nun durch Führungen zugänglich, von denen mir Freunde schon vorgeschwärmt haben. Leider habe ich die Gelegenheit verpaßt, die Anlage auf diese Weise kennenzulernen, denn seit letztem Herbst gibt es einen neuen Pächter, und der scheint nur eines im Sinn zu haben, nämlich mit dem Gelände Geld zu verdienen. So konnte man statt mit einer Führung für einen saftigen Eintrittpreis das Gelände auf eigene Faust erkunden – was durchaus auch seinen Reiz hatte, nur zur Geschichte der Gebäude erfährt man auf diese Weise rein gar nichts. Ich nutzte dennoch die Gelegenheit, mir das Gelände mal anzuschauen. Von den alten Anlagen ist im Innern der Gebäude kaum etwas geblieben. Lediglich zwei Pressen, mit denen geschreddertes und gewässertes Papier zu Blöcken gepresst wurde, konnte ich entdecken. Seit der Investor, der dort einst Lofts und ein Hotel plante, insolvent gegangen ist, haben Street Art-Künstler das Gelände gänzlich in Beschlag genommen. Auch einige Bekannte vom Wiener Donaukanal entdeckte ich dort. Wirklich frei bewegen konnte man sich eigentlich nur in dem Hauptbetriebsgebäude. Dort sind die Außenwände entfernt, und auf den zwei oberen Etagen ist eine Street Art-Galerie auf eigens dafür nachträglich eingezogenen Wänden eingerichtet. Etwas gruselig waren die dunklen Treppenhäuser, erleuchtet nur von der Handy-Taschenlampe, die auf das Dach des Gebäudes führen. Dort kann man die beiden Radome betreten, die Antennenkuppeln, in denen sich einst drehbare Satellitenschüsseln befanden. Die Aussicht von dort oben war fantastisch, vor allem wirkte der ‘Kleine Teufelsberg’ richtig winzig! Zu guter Letzt bestieg ich noch den Hauptturm. Die einzelnen Etagen konnte man nicht betreten, weil sie vollkommen ungesichert sind. Die einstige radardurchlässige Verkleidung ist zudem völlig zerfetzt und peitschte im Wind hin und her. Oben war die Kuppel, anders als bei den niedrigeren Radomen, zu meiner Überraschung noch vollkommen intakt – dort war man völlig abgeschnitten von der Außenwelt. Mit gemischten Gefühlen stieg ich den Berg wieder herunter. Ich hoffe, es findet sich eine sinnvolle Nutzung für die Anlage, mit einwenig Erschließung – z.B. ein Café auf dem Dach, ein kleines Museum oder zumindest Tafeln oder ein kleiner Führer, und Toiletten -, bei der aber doch der ruinöse Charme gewahrt bleibt.

Hier ein paar Bilder, wie die Anlage noch um 2000 herum ausgesehen hat: http://dasalte.ccc.de/teufelsberg/index.html

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