Häferlkaffee

Schwelgen in Fachwerk: Quedlinburg

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Zu Schwiegervaters 60. Geburtstag verbrachte die ganze Familie ein Wochenende in Quedlinburg. Was für ein hübsches Städtchen! Ich war überwältigt von soviel hervorragend erhaltenem Fachwerk, niemals abgebrannt. Hier war wirklich alles aus Fachwerk – vom ältesten Haus der Stadt, in der 1. Hälfte des 14. Jhs. noch in Ständerbauweise errichtet, bis zu einem klassizistischen Traum mit hölzerner Säulenfront. Wir wohnten sogar in einer Fachwerk-Ferienwohnung.

Zu Bedeutung kam Quedlinburg im 10. Jh., als es zur Kaiserpfalz der Ottonen wurde. Über der Stadt thront der Schloßberg mit dem Dom. Dom!? Nein, eigentlich handelt es sich nur um die Kirche des Damenstiftes, das Otto I. 939 auf dem Schloßberg gründete. Zwar gab es hier tatsächlich kurz einen Bischof, aber nicht ganz freiwillig. Otto I. wollte ein Erzbistum in Magdeburg einrichten, aber Bischof Bernhard von Halberstadt war dagegen. Daher sperrte Otto ihn in Quedlinburg in den Kerker unter der Treppe der Stiftskirche. Otto konnte sich mit seinem Wunsch jedoch nicht gegen den Bischof durchsetzen und ließ ihn bald wieder frei. Also kein Bischof in Quedlinburg und folglich auch kein Dom, auch wenn die romanische Stiftskirche St. Servatius durchaus imponiert. Sie stammt in ihrer heutigen Form jedoch auch “erst” aus der Zeit zwischen 1070 und 1129, die Türme wurden sogar erst im 19. Jh. aufgesetzt. Beeindruckend war neben der Bauornamentik im Innern (wo man leider nicht fotografieren durfte) vor allem der “Dom”schatz, der unter anderem mit einer frühkaiserzeitlichen Alabasterurne, einem gold- und edelsteinbesetzten umayyadischen(?) Elfenbeinkamm mit Weinrankendekor und mehreren fatimidischen Bergkristallgefäßen aufwarten kann. Der Schatz war nach dem 2. Weltkrieg von einem US-Soldaten nachhause mitgenommen worden und gelangte erst 1992 zurück nach Deutschland.

Eine Stadtführerin zeigte uns die schönsten Gassen der Stadt. Überall gab es etwas zu entdecken! Und es hätte noch so viel mehr zu erkunden gegeben, wie z. B. die Wiperti-Kirche mit ihrer ottonischen Krypta, aber die Zeit war zu knapp. Ich werde wiederkommen müssen!

 

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