Häferlkaffee

Pankow Gentrification

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Alles fing spätestens damit an, daß es plötzlich auch in Pankow einen Fotoautomaten gab, und zwar am Gelände der ehemaligen Willner Brauerei, die 2012 mit einem entspannten alternativen Biergarten und Künstlerateliers wiederbelebt wurde. Anfangs noch angenehm ruhig, werden dort nun die Fahrradparkplätze knapp, wenn sich abends eine Schlange aus Herren mit Bärten und Dutt und dazu passenden Damen bildet. Pankow hat eine In-location. Inzwischen ist auch der Trend zu Burgerbrätern und gutem Eis in Pankow angekommen. Seit diesem Jahr gibt es am Rathaus eine Filiale von Schiller-Burger, trendig spartanisch eingerichtet. Wir mußten natürlich mal probieren und waren durchaus zufrieden. Ich fand den Burger mit Ziegenkäse mit dem klingenden Namen “Thalia” wirklich lecker, und vor allem gibt es Süßkartoffel-Pommes, von denen ich seit New York ein echter Fan bin! Etwas weiter die Straße runter hat, ebenfalls in diesem Jahr, mit dem Eisspatz endlich auch eine Eis-Alternative in der Nähe aufgemacht. An Lieblings-Eisdielen wie das Hokey Pokey kommt der Geschmack des selbstverständlich hausgemachten Eises zwar nicht heran, aber die große Auswahl mit durchaus auch ungewöhnlichen Sorten kommt mir ganz entgegen. Zudem schmeckt das Eis gut und ist vor allem besser als alles andere, was es bisher hier in der Ecke gab.

Natürlich sind diese jüngsten Neuzugänge nur die konsequente Fortsetzung einer längeren Entwicklung gen Pankow. Seit Jahren werden in Pankow alle verbliebenen Baulücken geschlossen. Historisch gesehen war Pankow zwar nie besonders dicht bebaut, und viele freie Parzellen in Pankow und dem nördlichen Prenzlauer Berg (wie z.B. das Grundstück einer beliebten LKW-Vermietung) sind nicht etwa Kriegsschäden, sondern waren einfach nie bebaut. Aber das ändert sich jetzt. Nun sind auch die letzten Baulücken dran. Gerade ist auf der Berliner Straße das Esplanade abgerissen worden. 1932 wurde an dieser Stelle ein Kino mit dem Namen “Odeum-Lichtspiele” eröffnet. 1945 schwer beschädigt, wurde es nach dem Krieg mit moderner Glasfront wiederaufgebaut und war bis 1964 in Betrieb. Esplanade hieß ursprünglich nur die zugehörige Milchbar. Nach der Schließung des Kinos war dort zwischenzeitlich ein Puppentheater untergebracht und nach der Wende dann ein Tanz- und Nachtkaffee. Irgendwie erschien das Esplanade mit seinen bunt flackernden Partylampen immer wie ein Relikt aus früheren Zeiten. Ich erinnere mich noch, wie manchmal das Wummern der Party bis in unser Schlafzimmer drang. Vorbei. Ein Zeugnis von DDR-Architektur weniger. Jetzt entstehen dort Wohnungen, großzügig bemessen mit 27-59 m². Ich freu mich schon…

 

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