Häferlkaffee

Grenzgänge II: Wanderslust zwischen Dreiländereck und Eifel

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Von Berlin aus ein Abstecher nach Aachen. Wir nutzten das gute Wetter für Wanderungen und starteten zunächst am Dreiländerpunkt. Die Stelle, wo die Grenzen Deutschlands, der Niederlande und Belgiens zusammenlaufen, markiert ein 1925 nach dem Friedensvertrag von Versaille aufgestellter Grenzstein, am Boden ist der Verlauf der Grenzen eingezeichnet. Auf der niederländischen Seite, wo sich auch der mit 323 m höchste Punkt der Niederlande befindet, hat sich ein ziemlicher Rummel entwickelt. Also schnell weiter in den Wald. Immer wieder kreuzten wir auf dem Weg die deutsch-belgische Grenze, an der stellenweise noch der alte Landgraben zu sehen ist, der vom 12. Jh. bis Ende des 18. Jhs. die Grenzen des Aachener Reiches markierte. In der Art, wie sie sich in der Landschaft abzeichnen, erinnerten mich diese spitzen Gräben an das vallum des Hadrianswalls ;-) Weiter ging es nach Kelmis, heute in Belgien gelegen. Diese Gegend ist für das zur Messingherstellung benötigte Galmei berühmt, das vom Beginn des 19. Jhs. bis 1935 dort abgebaut wurde. Das alte Industriegelände und die Abraumhalde sind noch heute sichtbar. Die Galmeivorkommen waren auch der Grund, warum um Kelmis nach den Napoleonischen Kriegen das Territorium von Neutral-Moresnet eingerichtet wurde. Da sich die Niederlande (zu denen Belgien damals noch gehörte) und Preußen nicht hatten einigen können, wem die Bodenschätze zufallen sollten, beschlossen sie, das an der Grenze gelegene Gebiet gemeinsam zu verwalten. Das in der Folge neutrale Territorium war zwar nur 3,4 km² groß, dennoch wuchs seine Bevölkerungszahl beständig – nicht nur wegen der erfolgreichen Messing- und Zinkproduktion, sondern auch, weil man dort dem Wehrdienst entgehen und zudem noch legal Schnaps brennen konnte. Erst nach dem 1. Weltkrieg fiel Neutral-Moresnet dann endgültig an Belgien. Im weiteren Verlauf der Wanderung sollten uns immer wieder die Grenzsteine dieses Mini-Staates im Wald begegnen. Davon, dass dieses Teritorium auch schon früher umstritten war, zeugen wiederum andere Grenzsteine im Wald. Sie umgeben den Königswald, ein 2,29 km² großes Waldstück, das im 17. Jh. von Aachen, Kelmis, Moresnet und weiteren Orten beantsprucht wurde, so daß es schließlich dem Herzog von Burgund zugesprochen und mit eigenen Grenzsteinen abgesteckt wurde. Zurück am Dreiländerpunkt erklommen wir dann doch noch den Aussichtsturm und genossen den Blick über Aachen.

An einem anderen Tag wanderten wir zur Urfttalsperre. Zu ihrer Erbauungszeit zwischen 1900-1905 erzeugte die 226 m lange Staumauer den damals größten Stausee Europas, den Urftsee. Heute ist sie eine von mehreren Talsperren, die das Wasser von Rur und Urft in einer Kette von sich hintereinander schlängelnden Stauseen sammeln. Dennoch ist das gewaltige Bauwerk mit seinen Kaskaden noch heute sehr eindrucksvoll. Von der Mauer aus sieht man hinüber zur NS-Ordensburg Vogelsang auf der anderen Seite des Sees. Wir wanderten jedoch nicht dorthin, sondern stattdessen durch den Nationalpark Eifel zum Aussichtspunkt Hirschley, von dem aus wir einen toller Blick auf den Rursee hatten, einen weiteren in der Kette der Stauseen.

 

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