Häferlkaffee

Schottische Partie III: Whisky auf Islay

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Über die gesamten vier Tage auf Islay schafften wir es, alle acht Destillen abzuklappern. Nicht bei allen haben wir eine Tour oder Tasting mitgemacht, aber immerhin haben wir ein Erinnerungsfoto oder eine andere Kleinigkeit mitgenommen. Für einen Whisky-Liebhaber war es eine sehr bewegende Erfahrung. Das erste Mal in einer Destille, das erste Mal all die Gerüche und Sinne wahrzunehmen, die in einer Destille so gegenwärtig sind. Die Islay Whiskys sind vor allem für ihre rauchige Note bekannt, die mittels der lokalen Torfvorkommen beim Trocknen des Malzes erzeugt wird. Mir sagt diese Note besonders zu und es gab die Tage echte geschmackliche Überraschungen.

Wir haben uns vorher etwas informiert und wussten nicht, wieviel man so schafft. Jeder Besuch nimmt schon etwas Zeit ein, und wenn man nicht hetzen will, sollte man maximal zwei bis drei Destillen pro Tag machen. Uns haben die ausgiebigeren Tastings am besten gefallen, so konnte man sich durch die verschiedenen Whiskys durchkosten und mehr Zeit mit allem verbringen. Wir haben die Wochen vorher Termine telefonisch ausgemacht, was wegen des starken Dialektes der Schotten eine echte Herausforderung war. Aber auch kurzfristig konnten wir alles umplanen, denn meistens waren sie nicht ausgebucht, was uns sehr verwunderte, oder aber an unserer Auswahl der Destillen lag.
Unsere Gastgeberin war so nett uns kleine Flaschen mitzugeben, so dass wir den Whisky von den Tastings, den wir nicht gleich trinken konnten, in diese abgefüllt haben. Das Problem ist eben, dass man auf Islay am besten mit Auto zu den Destillen fährt und man ja nicht angetrunken fahren möchte. In unserem B&B hatten wir dann auch mit Noseys und Wassergläsern ein komplettes Tastingset, wo wir abends den restlichen Whisky genießen konnten.

 

Angefangen haben wir mit Bunnahabain, wo wir eine gefühlte Privattour bekommen haben, und wir in so einer ruhigen Ecke der Insel waren, dass es schon unheimlich war, aber uns auch ein fantastischer Blick nach Jura für den langen Weg entschädigte. Die Destille stand gerade still, daher war von der Produktion nicht so viel zu sehen und es war nicht so plastisch. Genau das war hier auch von Vorteil, denn so wurden wir nicht von zu vielen Eindrücken überwältigt. Am nächsten Tag machten wir eine Tour zu Lagavulin, wo ein sehr gutes Tasting uns sehr mitnahm und ich einen im Port Ellen Fass gereiften Whisky probieren durfte; das war extrem lecker. Ardbeg, Laphroaig und Bowmore statteten wir eine Visite ab und genossen mal einen Kaffee, Suppe oder nur einen Spaziergang über das Gelände. Bowmore war sehr langweilig, Ardbeg hatte ein riesiges Gelände, aber bei Laphroaig war es so, als ob man einen Salon betritt mit Ohrensesseln und ruhiger Musik; das war ein Erlebnis. Ein netter Funfact ist, dass die Destillen von Ardbeg, Lagavulin und Laphroaig alle in Wurfweite zueinander liegen. Ein neuer Fussweg erlaubt es die Destillen bei guten Wetter zu Fuß zu erkunden. Wir hatten kein gutes Wetter!

Am letzten Tag besuchten wir zuerst Kilchoman, eine kleine Farmdestille, die landeinwärts liegt und sehr weit vom Wasser weg ist. Der Whisky selbst hat noch Potential und war nicht der überzeugendste, aber hier konnte man alle Schritte sehen, da dies die einzige Destille ist, die noch selbst malzt und räuchert. Selbst die Abfüllung konnte man hier beobachten. Bei Kilchoman sieht man aber auch, wieviel notwendig ist, um so etwas zu starten, vor allem weil ja eine gewisse Vorlaufzeit notwendig ist, um einen Whisky zu produzieren. Nach einem Abstecher zu Caol Ila machten wir am Nachmittag ein Warehouse Tasting bei Bruichladdich. Das war so anders, dass man komplett geflasht war. Direkt aus dem Fass konnte man sich hier den einen oder anderen Whisky gönnen. Hier probierten wir nach dem Tasting in der Bar noch den angeblich torfigsten Whisky der Welt und auch einen leckeren Gin (The Botanist), der auch dort gefertigt wird. Alle Touren kosteten zwischen 5 GBP (Distillery Tour, i.d.R. ein bis zwei Whiskys) und 25 GBP (Tasting – mind. 4-5 Whiskys).


Am auffälligsten war, dass alle Destillen keine verriegelten Fabriken waren, eher so kleine Höfe mit Whiskygeschmack. Die eine oder andere Destille hatte ein ausgefeiltes Besucherzentrum und andere nur einen kleinen Raum neben den Büros, was sehr einladend war, da man sich nicht überall dem Kommerz ausgeliefert fühlte. Doch was herausstach war, dass alle Personen in den Destillen extrem nett und zuvorkommend waren und man mit keiner noch so blöden Frage allein gelassen wurde. Wir bekamen auch noch etliche Tipps und konnten noch so manches entdecken dadurch: ich sag nur Austern!


Eine absolute Empfehlung ist auch das Bowmore Hotel, wo wir fast alle Abende verbrachten. Neben der ultra-netten Bedienung, dem schmackhaften Essen, haben sie dort mit die größte Whisky-Auswahl auf der Insel, die man sich vorstellen kann. Ein Traum, auch zum Anschauen und leider unmöglich alles zu probieren. Ein kleines Schmankerl waren ein paar Biere der Destillen (eigentlich eine Vorstufe der Whisky-Produktion), die sogar manchmal ganz gut schmeckten und absolut empfehlenswert sind.  Gerade das Kilchoman Bier ist sehr sehr rauchig. Und einige von den Bowmore Bieren reifen in alten Eichenfässern und bieten ein breites Geschmackserlebnis.
Also, wenn man nach Islay will: 1.) Gutes B&B aussuchen 2.) Destillen abtelefonieren, um Termine zu bekommen 3.) Kleine Gefäße zum Abfüllen mitnehmen 4.) Genießen. Gerade weil wir nicht alle Destillen gemacht haben, würden wir auch wegen des Whiskys wiederkommen und alle Destillen ausprobieren.

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