Häferlkaffee

Auf den Spuren des Donaulimes

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In Tulln, etwa 40 km donauaufwärts von Wien, befand sich das Limeskastell Comagenis. Dort waren berittene Bogenschützen aus Kommagene in der heutigen Osttürkei stationiert, die dem Lager auch ihren Namen gaben. In der Spätantike war hier auch ein Teil der Donauflotte stationiert. An der Donaulände grüßt Marc Aurel, und immerwieder stößt man im Stadtgebiet auf Spuren der Lagermauern. So sind die Reste der porta principalis dextra in einem Schaukasten konserviert. Besonders imposant ist der spätantike Turm aus dem 4. Jh. an der westlichen Lagerseite, der im Mittelalter in die Stadtbefestigung einbezogen wurde und so erhalten blieb; zuletzt diente er als Salzlager. Im Römermuseum fielen mir gleich die figürlichen Reliefs auf, die von Grabbauten mit einem gewissen Anspruch zeugen.

Aber auch sonst hat Tulln einiges zu bieten: nicht nur wurde hier 1890 Egon Schiele als Sohn des Bahnhofsvorstands geboren (im Bahnhof ist seine Geburtswohnung liebevoll wiederhergerichtet, mit vielen Audiostationen, die seine frühen Jahre schildern, und in einem sehr schön gemachten Museum sind Frühwerke von ihm ausgestellt). Besonders beeindruckte mich aber der romanische Karner aus dem mittleren 13. Jh. neben der Stadtpfarrkirche St. Stephan. Dabei handelt es sich um ein Beinhaus – im Untergeschoß – mit darüber gelegener Friedhofskapelle, die mit Heiligenfiguren und dazu den wildesten Höllenwesen fantasievoll ausgemalt ist. Zum Fürchten!

Ich spazierte noch einwenig flußabwärts die Donaulände entlang, bevor ich dann doch in den Zug nach Zeiselmauer einstieg. Zeiselmauer ist heute ein kleines idyllisches Nest etwa 1 km südlich der Donau. In der Antike befand sich dort das Kohortenkastell Cannabiaca, in dem eine gemischte Einheit aus Reitern und Fußsoldaten stationiert war – wohl das östlichste Lager der Provinz Noricum. Die noch heute erhaltenen Reste aus der spätantiken Phase des Lagers sind absolut beeindruckend! Unter der Dorfkirche befanden sich einst die principia des Lagers, deren Reste ich leider nicht besichtigen konnte. Besonders gut erhalten ist der burgus aus der 2. Hälfte des 4. Jhs., ein spätantikes turmartiges Kastell, das im nordwestlichen Eckturm des Lagers für eine kleine Reitereinheit angelegt wurde. In dem befestigten Lager wohnte zu diesem Zeitpunkt nur noch die Zivilbevölkerung. Auf den Fundamenten in der Raummitte standen Holzsäulen, die das Dach trugen. Ein paar Meter weiter steht in einem pivaten Garten noch ein etwas früherer Fächerturm, der die nordöstliche Ecke des Lagers bildete. Und schließlich ist die porta principalis dextra, ebenfalls aus der 2. Hälfte des 4.Jhs., als “Körnerkasten” erhalten geblieben. Die römischen Ruinen von Zeiselmauer zählen zu den besterhaltenen in Österreich.

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