Häferlkaffee

Wiens vergessene Erfinder

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Den Park am Karlsplatz bevölkert ein Sammelsurium an Denkmälern für österreichische Erfinder der besonderen Art. Benannt ist der Park nach Josef Ressel, dessen Denkmal vor dem alten Hauptgebäude der TU steht. Als Attribut ist Ressel eine Schiffsschraube beigegeben. Er hatte nämlich bereits 1812 als Student die Idee zu einem Schiffspropeller, konnte jedoch aus Geldmangel sein technisches Studium an der Universität Wien nicht beenden. Er wurde stattdessen Forstbeamter und kam als ebensolcher 1821 nach Triest, wo er seine Experimente an der Schiffsschraube fortsetzte. Allerdings interessierte sich zunächst niemand für seine Erfindung, zudem mißlang die erste Probefahrt aufgrund eines anderweitigen technischen Defekts. Ressel ging nach Paris, wo man ihm vortäuschte, ebenfalls kein Interesse an der Schiffsschraube zu haben, um ihm so die Konstruktionspläne zu entlocken. Kurz, die Schiffsschraube trat ihren Siegeszug im Schiffsbau an, ohne daß Ressel am finanziellen Gewinn oder am Ruhm der Erfindung beteiligt war. Noch jahrelang kämpfte er um die Anerkennung seiner Urheberschaft. Noch auf dem Totenbett soll er einen Zettel in der Hand gehalten haben, seine Hinterbliebenen mögen sein Erstrecht an der Erfindung der Schiffsschraube nicht in Vergessenheit geraten lassen. Wenigstens posthum wurde er vom Kaiser Franz Josef II gewürdigt, als dieser seiner Witwe eine Pension “in Anerkennung der Verdienste Ressels als erstem Erfinder der Schiffsschraube” zugestand. Ähnlich war es zuvor auch Josef Madersperger gegangen. Der Schneidermeister erfand 1814 einen Apparat, der unserer heutigen Nähmaschine schon sehr nahe kam, und erhielt dafür ein k.k. Privilegium, den Vorläufer des Patents. Allerdings konnte er  die Steuern für das Privilegium offenbar nicht bezahlen und somit nicht von seiner Erfindung profitieren. Das Privilegium erlosch jedenfalls wieder. 1839 schenkte der nun 71-jährige seine Nähmaschine dem k. k. Polytechnischen Institut, der heutigen TU, vor der seine Büste steht. Doch auch die Uni verwirklichte seine Idee nicht, und so brachte schließlich ein Amerikaner die erste Nähmaschine auf den Markt. Madersperger starb wohl verarmt und wurde in einem Massengrab auf dem St. Marxer Friedhof beigesetzt. Schließlich steht im Resselpark noch die Büste von Siegfried Marcus. Der Mechaniker erfand so alles Mögliches, darunter militärische Zünder und Feldtelegrafen, vor allem aber auch Motorwagen. Der “Erste Marcus-Wagen” war ein von einem Benzinmotor angetriebener Handwagen. Einige Jahre später folgte der “Zweite Marcus-Wagen”, der schon alle Merkmale eines modernen Automobils aufwies, vier Räder, Lenkung und Bremsen und einen schnellaufenden Viertaktbenzinmotor. Über die Datierung dieser beiden Gefährte, nun, herrscht Uneinigkeit. Lange war man der Meinung, der erste Wagen sei 1864, der zweite bereits 1875 fahrtüchtig gewesen, was Marcus zum Erfinder des Automobils noch vor Daimler und Benz gemacht hätte. Als solchen rühmt ihn auch die Inschrift auf seinem Denkmal. Ein Relief mit einem faschistoid-schneidigen Jüngling scheint die Geschwindigkeit von 5-8 km/h zu rühmen, mit der der “Zweite Marcus-Wagen” umherbrausen konnte. Aber leider, inzwischen herrscht in der Forschung doch weitgehend Einigkeit, daß dieses Gefährt erst 1888 fahrtüchtig war – und damit dann leider doch zwei Jahre nach dem Kraftwagen von D&B…

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