Häferlkaffee

Jahr der Wiener Jubiläen

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Wien feiert heuer 150 Jahre Ringstraße. 1857 gab Kaiser Franz Josef bekannt, daß die Stadtbefestigungen geschliffen und der Glacis bebaut werden solle und zwar mit einer Prachtstraße, gesäumt von öffentlichen Prunkbauten. Finanziert werden sollte das Ganze mit dem Verkauf der Grundstücke entlang der Straße, die nicht von den öffentlichen Gebäuden eingenommen werden sollten. Doch dieses Vorhaben gestaltete sich schwieriger als erwartet; potentielle Investoren für die kostspieligen Grundstücke mit restriktiven Bauvorschriften mußten mit allerlei Versprechen wie 30-jähriger Steuerfreiheit angelockt werden. Dennoch, am 1. Mai 1865 wurde die Ringstraße vom Kaiser feierlich eröffnet. Da gab es zwar die Straße, doch die gewünschten Prunkbauten waren größtenteils noch nicht einmal angefangen, geschweige denn fertig. Aber egal – Wien feiert dieses Jahr schonmal ihre angeblich schönste Straße.

Am Rathaus ist für einige Wochen ein portabler Aussichtsturm aufgebaut, der, während sich die Kabine 7 Minuten lang langsam in 81 m Höhe hinauf- und auch wieder hinunterschraubt, einen wunderbaren Blick auf den zentralen Teil der Ringstraße bietet. Die Ringstraßenbauten sind ein wahres Museum des Historismus. Das Rathaus selbst, erst 1883 fertig gestellt, wurde im neugotischen Stil vom schwäbischen Dombaumeister Friedrich von Schmidt errichtet. Ein Jahr später wurde die im Stil der Neorenaissance von Heinrich von Ferstel erbaute Uni eröffnet, die dieses Jahr übrigens auch ein Jubiläum feiert, nämlich ihr 650. – aber dazu vielleicht ein andermal mehr an dieser Stelle… Einzig die Votivkirche, gelobt aus Dank für die Errettung Kaiser Franz Josefs nach einem Attentat 1853, war bei der Eröffnung der Ringstraße schon im Bau. Der durch Spenden finanzierte, ebenfalls von Heinrich von Ferstel entworfene Kirchenbau im Stil der französischen Gotik, zog sich jedoch hin, so daß die Kirche erst 1879 geweiht werden konnte. Ein weiterer großer Baumeister der Ringstraße war Gottfried Semper. Er entwarf zusammen mit Carl von Hasenauer zunächst die beiden Museumsbauten am Kaiserforum, dann das neue Burgtheater im neobarocken Stil nach Vorbild der Dresdner Oper und schließlich die Neue Hofburg, die erst 1891 begonnen und 1924, nachdem sie mehrere Architekten überlebt hatte, vollendet wurde. Theophil von Hansen, der vorher in Athen tätig gewesen war, versetzte die Ringstraßenflaneure schließlich mit seinem bereits 1883 fertig gestelltem Parlamentstempel ins alte Griechenland.

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