Häferlkaffee

Ostern auf der Wartburg

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Ostern erfüllten wir uns endlich einen lange gehegten Reisewunsch und erkundeten die Wartburg. Wir quartierten uns im geruhsamen Eisenach ein und machten uns gleich am Karfreitag auf den Weg zur Burg. Wir verzichteten auf einen Ritt auf dem Esel und marschierten stattdessen zu Fuß bis ganz hinauf. Der Kern der Anlage stammt zwar bereits aus dem 12. Jh., und die Stube, in der Martin Luther das Neue Testament ins Deutsche übersetzte, ist auch noch original aus dem 16. Jh. Wie sehr der Bau und seine Innenausstattung  jedoch eine romantische Schöpfung des 19. Jhs. ist, war mir vorher nicht bewußt. Der Palas präsentierte sich als Traumgebilde mit neo-byzantinischen Mosaiken – ich wähnte mich im Aachener Dom – und Jugendstilfresken in Gedenken an die heilige Elisabeth von Thüringen. Auf dem Weg hinunter ins Tal stärkten wir uns mit einer Thüringer Bratwurst und einem “Schwarzen Esel”, einem Eisenacher Schwarzbier mit Potential zum Lieblingsbier ;-) , bevor wir nach einem kurzen Stadtbummel zum Burschenschaftsdenkmal oberhalb unserer Ferienwohnung hinaufstiegen. Das 1902 in Gedenken an die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Burschenschaftler errichtete Monument ist ein nationalistisches Manifest: “Freiheit – Ehre – Vaterland” prangt auf dem Architrav, darüber sind die Köpfe einer wilden Auswahl großer Deutscher angebracht: von Hermann dem Cherusker über Karl den Großen, Martin Luther, Dürer, Goethe bis Beethoven.

Am Ostersonntag machten wir eine Rundwanderung von der Hohen Sonne durch die Landgrafenschlucht zur Sängerwiese – schließlich trafen sich 1206 auf der Wartburg sechs Minnesänger zu einem Wettstreit – und durch die Drachenschlucht zurück. Eine schöne Tour mit Weitblick über den Thüringer Wald und durch wildromantische Tälern. Die Drachenschlucht war stellenweise so schmal, daß wir gerade so hindurchpaßten, während unter unseren Füßen ein Bächlein rauschte. Nur für das traditionelle Eierrollen war in den schmalen Schluchten leider kein Platz…

Schließlich konnten wir aus Eisenach natürlich nicht abreisen, ohne uns mit dem musikalischen Erbe eines berühmten Sohnes der Stadt beschäftigt und das Bachhaus besucht zu haben. Am 1904 errichteten Hauptbahnhof erwartete uns dann noch wahre Eisenbahnromantik in der fantasievollen Bauornamentik, Figuralkapitellen mit Schaffnern und die Personifikation der Elektrizität im Giebel. Wir verließen Eisenach leider nicht mit dem Zug, sondern im Auto – ein kolossaler Fehler, denn vor lauter Stau auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen (ich mußte ja wieder nach Wien) war das Urlaubsfeeling viel zu früh wieder vorbei!

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One thought on “Ostern auf der Wartburg

  1. Wunderschön geschrieben. Fast als ob ich dabeigewesen wäre. Kann ich nur allen empfehlen die Gelegenheit wahrzunehmen und diese Stadt mal zu besuchen.

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