Häferlkaffee

Unterwegs in Vietnam

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Irgendwie hatten wir total unterschätzt, wie riesig Vietnam ist, wie überfüllt die Straßen, und wie lange man dementsprechend von einer Etappe zur nächsten braucht. Für die erste Strecke von Hanoi nach Hue hatten wir uns den Nachtzug ausgesucht, den alle Reiseführer und Reiseforen im Internet als das mit Abstand komfortabelste Fortbewegungsmittel anpreisen, vor allem für etwas größere Menschen. Keine Ahnung, was für einem Nachtzug diese Menschen meinten, aber sicher nicht unseren: Der Zug war dreckig – saubere Bettwäsche Fehlanzeige (selten war ich so froh über meinen Schlafsack!), eine Toilette, die ich nicht noch einmal betreten wollte, und Passagiere, die ihren Müll einfach auf den Fußboden warfen (wo ihn der Schaffner immerhin alle paar Minuten aufkehrte) -, statt eines Badezimmers gab es zwei offene Waschbecken auf dem Gang, zudem war unser Sechserabteil hoffnungslos überbelegt. Eine vietnamesische Großfamilie quetschte sich zu mehreren in zwei Betten, während sie ihr Gepäck auf ein drittes Bett unter der Decke legten. Und dann, kaum war Ruhe im Abteil eingekehrt und das Licht gelöscht, öffnete der Schlafwagenschaffner die Tür, begann das Gepäck von dem Bett auf den Boden zu stellen und wies einem Pärchen, das zuvor auf dem Gang rumgelungert hatte, sich zu zweit in das nun freie Bett zu legen! Ein Wunder, daß ich überhaupt eingeschlafen bin, bei der Sorge, am nächsten Morgen nicht alleine in meinem Bett aufzuwachen… Morgens wachten wir jedenfalls früh auf. Da man die Betten nicht hochklappen konnte und folglich die ganze Fahrt, auch bei Tag, im Liegen hätte zubringen müssen, stellten wir uns auf den Gang und betrachteten die vorbeiziehende Landschaft aus überfluteten Reisfeldern. Die nächste kurze Etappe von Hue nach Hoi An legten wir dann mit einem privaten Fahrer zurück. Das ist überhaupt die beste Alternative für kürzere Strecken, auch wenn die Fahrer immer recht ungeduldig waren und nur ungern auf uns langsame Besichtiger warten wollten – ein Riesenunterschied zu Kambodscha, wo Zeit keine Rolle zu spielen schien. Als die nächste längere Strecke anstand von Hoi An nach Mui Ne, hatten wir die Wahl zwischen weiteren 17 Stunden im Nachtzug – nein danke! – oder 20-24 Stunden im “Sleeper Bus”. In diesen Bussen sind Liegesitze in zwei Etagen übereinander angeordnet, die Beine schiebt man in einen Kasten unter der Lehne des Vordermannes, Platz für Handgepäck gibt es nicht – eine Tortur für große Menschen, wie wir später auf der Fahrt von Mui Ne nach Ho Chi Minh City erproben dürften. In unserer Verzweiflung entschlossen wir uns schließlich, vom nahe gelegenen Danang nach HCMC zu fliegen, um nach kurzem Zwischenstopp von dort aus in nur 5 Stunden (für 230 km) mit dem Bus nach Mui Ne zu fahren. Von Danang nach HCMC geht etwa stündlich einen Flieger – denn wer es sich irgendwie leisten kann, der fliegt in Vietnam.

Die langen Fahrten waren jedenfalls so unglaublich anstrengend – und in den wuseligen Städten konnte man sich kaum von ihnen erholen -, daß ich am Ende einfach nur unendlich froh war, wieder zuhause in Europa zu sein. Meine laute Wiener Straße kam mir plötzlich sooo himmlisch ruhig und erholsam vor!

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