Häferlkaffee

Zentralvietnam: Zu Besuch bei den Kaisern

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Mit dem Nachtzug – eine durchaus denkwürdige Fahrt, zu der ich an anderer Stelle noch kommen werde – fuhren wir weiter nach Hue in Zentralvietnam. Todmüde kamen wir in der Stadt an, die von 1802-1945 Hauptstadt und Sitz der vietnamesichen Kaiser war. Wir machten uns sogleich auf zur Zitadelle am Nordufer des Parfüm-Flusses, die sich die Kaiser von französischen Festungsarchitekten hatten erbauen lassen. Während des Vietnamkriegs war Hue 1968 im Zuge der Tet-Offensive Schauplatz einer der erbittertsten und blutigsten Schlachten zwischen den Vietcong und den von den Amerikanern unterstützten Südvietnamesen, die von einem Massaker der Vietcong an der als antikommunistisch beschuldigten Bevölkerung begleitet wurde. Dabei wurde auch die Zitadelle weitgehend zerstört, so daß das, was heute zu besichtigen ist, entweder weitestgehend wieder aufgebaut oder nur mehr in Resten erhalten ist. Im Innern der Zitadelle liegt die “Purpurne Verbotene Stadt”, die Privatresidenz des Kaisers, zu der nur er und seine Familie und Eunuchen Zutritt hatten. Sie wird umgeben von zahlreichen Tempeln und Verwaltungsgebäuden. Auf der anderen Seite des Parfüm-Flusses erstreckt sich der weniger idyllische Teil der modernen Stadt, auf den wir aus den Fenster unseres Hotelzimmers im 10. Stock einen hervorragenden Blick hatten.

In der Umgebung Hues haben sich die Kaiser aufwendige Grabanlagen errichten lassen. Wir besuchten drei dieser Anlagen auf unserer Weiterfahrt gen Süden – im anhaltenden Nieselregen, denn Hue ist einer der regenreichsten Orte Vietnams… Am besten gefiel uns das Grab von Tu Duc (reg. 1847-1883), eine idyllische, an einen englischen Landschaftsgarten erinnernde Anlage, die, schon zu Lebzeiten des Kaisers errichtet, von diesem auch als Sommerresidenz genutzt wurde. Am Ufer eines Sees ist quasi die Purpurne Stadt en miniature nachgebaut. Drei Gräber der kaiserlichen Familie befinden sich auf dem Gelände: neben dem Grab Tu Ducs auch noch diejenigen seiner Frau Le Thien Anh und seines Adoptivsohns Kien Phuc. Alle drei Gräber bestehen aus einem umfriedeten Hof mit Sarkophag im Zentrum, doch an der Größe der Höfe und Höhe der Sarkophage sind deutlich die Rangunterschiede zwischen den drei Bestatteten abzulesen. Schön war an dieser Anlage vor allem, das noch nicht alles so überrestauriert war wie auf der Zitadelle. Weiter ging es zum Grab von Khai Dinh (reg. 1916-1925) – eine neobarocke Scheußlichkeit zwischen Orient und Okzident. Die Anlage ist in mehreren Stufen an den Hang gebaut. Unten warten steinerne Mandarine, Pferde und Elefanten, um ihrem Kaiser das letzte Geleit zu geben. Den Höhepunkt bildet das in Glas und Porzellan ausgekleidete Mausoleum mit einer vergoldete, in Frankreich gefertigte Statue des thronenden Herrschers in Lebensgröße. Diesen Kitsch vermochte das axial angelegte Grab von Minh Mang (reg. 1820-1840) nicht zu toppen. Dort war aber auch ein Großteil der Gebäude nicht zugänglich oder schlicht nicht erhalten.

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