Häferlkaffee

Auftakt in Vietnam: Hanoi

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Nach fast einer Woche in Kambodscha reisten wir weiter nach Vietnam und flogen von Siem Reap zunächst nach Hanoi. Wir machten einen Sprung nicht nur etwa 1000 km Luftlinie von Süd nach Nord, sondern auch aus der schwülen Hitze in die Kälte zu wolkenverhangenem Himmel. Dennoch gefiel mir Hanoi von den Großstädten unserer Südostasientour am besten. Wir wohnten in der Altstadt, in der es wie in einem orientalischen Bazar zuging: in jeder der engen Gassen war – ehemals in Zünften organisiert – ein anderes Gewerbe angesiedelt, und auf den Straßen wimmelte es von Fußgängern, fliegenden Händlern, Touristen in Fahrradrikschas und vor allem unzähligen Mopeds. Abends saßen die Menschen beim Bier an den Straßenkreuzungen auf kleinen Plastikhockern. Gerne wäre ich noch mehr in der Altstadt herumspaziert, wenn nur der Smog nicht so unerträglich gewesen wäre…

Einen Kontrast zur wuseligen Altstadt bildeten die beiden großen Seen der Stadt, der Hoan Kiem-See und der West-See. Auf einer Insel im Hoan Kiem-See liegt der Jadeberg-Tempel. Darin gibt es eine riesige präparierte Weichpanzerschildkröte zu bewundern, die angeblich etwa 400 Jahre alt gewesen sein soll. Der Legende nach übergab Anfang des 15. Jahrhunderts eine goldene Schildkröte dem armen Fischer Le Loi ein Zauberschwert, mit dem er die damals herrschenden chinesischen Truppen in die Flucht schlug. Daraufhin wurde Le Loi König. Als er zum See zurückkehrte, tauchte die Schildkröte wieder auf und verwandelte das Schwert in einen großen jadefarbenen Drachen, der schließlich in den See stürzte, und Le Loi machte die Schildkröte zum Schutzgeist des Sees. Sehr schön war auch die Tran Quoc-Pagode auf der Insel des West-Sees – bereits 544 gegründet die älteste bekannte buddhistische Pagode Vietnams – mit ihrem eindrucksvollen (eindeutig späteren) Stufenturm. Hier waren kaum noch Touristen unterwegs, obwohl sich am Seeufer nette Cafés aneinanderreihten. Am meisten beeindruckte mich aber der Literaturtempel. Dieser konfuzianische Tempel war einst eine Art Universität, in der von 1076 bis 1915 die Söhne der Mandarine ausgebildet wurden. Zwischen 1442 und 1779 bekam jeder Absolvent der höchsten ‘Doktorprüfung’ seinen Namen auf eine Stele eingemeißelt, die auf dem Rücken einer Schildkröte getragen wird. So eine Ehrung hätte ich mir doch auch gewünscht! Noch heute kommen Schüler und Studenten hierher, um für eine gute Prüfung zu beten, und Eltern wünschen sich intelligente Kinder. Insgesamt fiel auf, wie anders die Architektur der Pagoden im Vergleich zu derjenigen Kambodschas ist – Bauornamentik und verspielte Details unterscheiden sich jedenfalls vollkommen.

Abgesehen von den vielen Pagoden war Hanoi auch die Stadt Ho Chi Minhs. Unser Besuch beim ersten Präsidenten Vietnams, der in einem  monumentalen Mausoleum aufgebahrt ist, lief nach strengen Regeln ab: Am Eingang bereits mit Ho Chi Minh-Liedern beschallt, liefen wir gefühlt einmal um das Gebäude herum, mußten immer wieder warten, alle Kameras abgeben, bis wir schließlich – ohne Mütze auf dem Kopf und ohne Hände in den Taschen – in erfurchtsvoller Stille am Staatsgründer vorbei defilieren dürften. Die revolutionäre Propaganda überall in der Stadt wirkt überhaupt recht eigenwillig neben den modernen Errungenschaften der freien Marktwirtschaft…

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