Häferlkaffee

Kontraste

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Zu den Tempeln von Angkor fährt man vom benachbarten Städtchen Siem Reap. Dort hat man sich gänzlich auf den Tourismus eingestellt, und so findet sich im Zentrum ein Party-Viertel mit westlichen Restaurants und Bars, Souvenirläden und Massagesalons. Dessen Herz bildet die blinkende “Pub Street”, in der sich die Touristen drängen. Besonders abschreckend waren für uns die berüchtigten “Night Markets”, Märkte mit Touri-Nepp, die bis spät in die Nacht geöffnet haben und auf denen sich gefühlt jedes Stück letztendlich auf 1 $ herunterhandeln ließ. Wir drehten dort nur kurze Runden, die aber wenigstens dazu reichten, einmal eine totfrittierte Schlange zu probieren – schmeckte wie eine Mischung aus Hühnchen und Fisch und war, wie gesagt, so knusprig, daß ich sie dann doch nicht aufessen mochte. Wir hatten bereits in Phnom Penh die Tourimeile am Ufer des Mekong gemieden – zu sehr hatte es uns irritiert, daß Touristen tausende von Kilometern reisen, um dann in Bars einzukehren, die so aussehen wie zuhause, während davor auf der Straße ganze Familien wohnen und darauf hoffen, wenigstens ein bißchen Kleingeld von den Touristen zu ergattern. Von den alten Herren mit junger kambodschanischer Damenbegleitung ganz zu schweigen… Zum Glück lag unser Hotel in Siem Reap etwas abseits des Tourizentrums. Dennoch war es gar nicht so leicht, dort irgendetwas “Normales” zu finden. Um die Ecke unseres Hotels lag immerhin der älteste Tempel der Stadt, der Wat Bo. Das alte Tempelgebäude aus dem 19. Jh., das von einem Friedhof mit unzähligen Stupas umgeben ist, wird leider gerade von einem Neubau aus Beton abgelöst. Den Zugang ziert eine sehr schicke Hecke in Form einer Naga, einer mehrköpfigen Schlange, wie sie normalerweise Brücken und Wege säumt.

Sehr irritierend war für uns auch unser letztes Reiseziel in Kambodscha: Weil wir nach den letzten Tempeln noch etwas Zeit hatten bis zum Abflug, brachte unser Tuktuk-Fahrer uns zum schwimmenden Dorf Kopong Phluk. An einer Staubstraße wurden uns zunächst 25 $ pro Person als Eintritt abgenommen. Dann fuhren wir weiter zu einem Bootsanlegeplatz, wo wir einen klapprigen Kahn mit zwei jungen Bootsführern bestiegen. Der ältere der beiden war praktisch die ganze Fahrt über damit beschäftigt, den Motor am Laufen zu halten, während sein kleiner Kompagnon tapfer das Steuer übernahm. Uns war schon recht mulmig, als wir auf einem Zufluß des großen Tonle Sap Sees das Dorf erreichten, das ganz auf Stelzen errichtet ist. Da gerade Trockenzeit und folglich der Wasserspiegel des Sees niedrig war, standen die Stelzen jedoch kaum im Wasser. Wir fuhren nun also an den Dorfbewohnern vorbei, die doch in recht ärmlichen Verhältnissen lebten, schauten zu, wie Fischer auf einen Fang lauerten und Kinder das dreckige Wasser aus dem Fluß tranken – von unseren 50 $ schien hier jedenfalls nur sehr wenig anzukommen. Es war zwar interessant, diese Architektur und Lebensweise zu sehen, aber in unserer Rolle als Voyeure fühlten wir uns doch recht unwohl…

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