Häferlkaffee

1. Etappe: Phnom Penh

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Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas, war unser Einstieg nach Südostasien. Hier empfingen uns schwüle 30° C und der Smog unzähliger Mopeds und Autos. Rom mit seinen Motorini ist nichts dagegen! Christian faßte die Stadt jedenfalls so zusammen: Hup hup – piep piep – stink stink. Tatsächlich herrschte auf den Straßen ein ständiges Hupkonzert, begleitet vom Piepen abbiegender Mopeds und allerhand anderem Lärm. Statt Mülleimern stapelten sich Mülltüten an den Straßenrändern, die dank der schwülen Hitze ordentlich muffelten, und auch sonst stieg einem ständig irgendein nicht näher definierbarer Gestank in die Nase. Wir stürzten uns morgens gleich ins Gewimmel und begannen mit dem Königspalast am Ufer des Mekong, wo es etwas ruhiger war als draußen auf den Straßen. In der schönen Parkanlage steht neben den im 19. und frühen 20. Jh. im klassischen Khmer-Stil errichteten Gebäuden auch ein Pavillon aus Eisen, ein Geschenk von Napoleon III, dem das feuchte Klima allerdings gar nicht gut zu bekommen scheint. Besonders beeindruckte uns die Silberpagode, umgeben von vielen Stupas und einer Portikus, die ganz mit Miniaturbildern ausgemalt ist. Leider konnten wir die um 1900 entstandenen Darstellungen des Ramayana-Epos überhaupt nicht einordnen… Irgendwie entspannter, weil weniger touristisch war es dann der Wat Phnom, ein auf einem künstlichen Hügel gelegener Tempel, um den sich einst die Stadt entwickelte.

In Phnom Penh widmeten wir uns auch der jüngeren Geschichte Kambodschas, der Herrschaft der Roten Khmer von 1975-1979. Die Roten Khmer wollten eine Umstrukturierung der Gesellschaft erzwingen und das ganze Land in eine landwirtschaftliche Genossenschaft umwandeln. Dafür wurden alle Bewohner Phnom Penhs aufs Land umgesiedelt und zur Arbeit gezwungen, viele starben an den Strapazen. Wer nicht in das neue System paßte, kam in Todeslager. Während der nichtmal vierjährigen Herrschaft der Roten Khmer kamen auf diese Weise um die 2 Millionen Menschen ums Leben, fast ein Viertel der Bevölkerung. In Phnom Penh richteten die Roten Khmer in einer verlassenen Schule das sogenannte Security Prison 21 ein, in dem vor allem mutmaßliche Verräter aus den eigenen Reihen unter erbärmlichsten Bedingungen gehalten und auf brutalste Weise gefoltert wurden. Wer die Folter überlebte, wurde zu den Killing Fields außerhalb der Stadt verfrachtet. Das relativ kleine Gelände wirkt heute zunächst wie eine Oase der Ruhe mit Vogelgezwitscher und schattenspendenen Bäumen – man vermag sich kaum vorzustellen, was sich dort abgespielt hat. Mit einer Audioführung kann man in kleinen Schritten die Geschehnisse nachvollziehen, wie Männer, Frauen, Kinder und sogar Säuglinge unter den Klängen von Revolutionsliedern zu Tode geprügelt oder auf andere Weise grausam ermordet wurden. Beinahe 9000 Leichname fand man dort notdürftig verscharrt in Massengräbern, die sich dicht an dicht aneinanderreihen. Heute sind davon nur noch Mulden im Boden geblieben.

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